Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 38 (12.9.1853)
- Date
- 1853-09-12
- Page
- Seite 477 (sequence 5)
- Language
- German
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477 beitet, welche mit Verkennung der Natur eines Kommentars und unsrer gegebenen Schulverhältnisse, Alles aufbieten, um diesen Kommentar wieder zu stehendem Unterrichtsgegenstanv in den Volksschulen zu machen. Die Buchner'sche Buchhandlung in Bamberg tritt mit ihrer Ankündigung deS Religionsbuches von dem Rabbiner und Lehrer Herrn Dr. Aub in Baireuth, und in gehörnter Gestalt alle bisherigen derartigen Arbeiten vor sich nieder zu werfen versuchend, auf. Nicht genug, sie nimmt sich sogar heraus, über alle neuen Bestrebungen auf religiösen Gebiete abzusprechcn und sie zu verdammen. Kennte man die Natur solch' buchhändlerischen Gebahrens nicht, man müßte es mit einem Epitheton bezeichnen, das christliche Blätter in einem solchen Fall einer jüdischen Buchhandlung gegenüber oft genug und nicht stark genug zu gebrauchen wüßten. Die jüdische Welt läßt sich übrigens durch Marktschreiereien und die der Buchner'schen Buchhandlung in Bamberg nicht voreinnehmen. Man weiß einerseits, daß das Lehrbuch nur Nebensache ist, auS welchem der gute Lehrer Alles machen kann, verhehlt sich jedoch andrerseits manche Mängel der bisherigen Religionsbücher nicht, und wird die Arbeit deS Herrn Dr. Schwarz nach Gebühr würdigen. Bon ihm, dem jungen Manne jedoch, der kaum auf seinem Sitze warm geworden, dürfte man erwarten, er hätte diese zum wenigsten ungebührliche Ankündigung, von der er wahrscheinlich mehr als Milwissenschast hatte, nicht vom Stapel laufen lassen sollen. AuS Unterfranken hat sich dem Vernehmen nach dieser Tage eine Deputation nach München begeben, um eine Milderung der in diesen Blättern bereits erwähnten Maßnahme gegen die ländliche jüdische Bevölkerung dortselbst zu erwirken, ob und mit welchem Erfolg wird die nächste Zeit lehren. Aus einem appellationsgerichtlichen Erkenntnisse, welches die Konfiskation der von mir früher berichtlich gedachten Druckschrift: „die Thorheiten des Talmuds rc. von Friedenheim" bestätigt, ersieht man, daß ein katholischer Kaplan eS war, der durch Herausgabe dieser längst vergessenen Scharteke eines Konvertiten Lorbeeren gesucht, und insofern auch gefunden hat, als er wegen seiner „Thorheiten" freigesprochen wurde. Gegen das vielerwähnte im rabbinisch verbotenen Grade lebende Ehepaar in Mittelsranken, das der jüdische Vorstand als legal einregistrirte, hat der zuständige Rabbiner (S. in T.) vergebens bei der Polizeibehörde Schritte gethan und ist mit seiner Remonstration an die k. Kreisregierung auf den Rechtsweg verwiesen worden. — AuS Anlaß unsrer letzten Mirrheilung über die verschiedene Zeitdauer des Schulbesuchs jüdischer Kinder wird uns aus Untersranken berichtigend milgetheilt, daß die dortige Kreisregierung sich für einen 7jährigen Schulbesuch jüdischer Kinder katholischer Inspektion ausgesprochen und daß die jüdische Schulkassarechnung einer amtlichen Revision unterstellt wird. Dagegen bemerken wir, wie nur die allerhöchsten Bestimmungen maßgebend find, und eine Berufung an dieselbe sicherlich, wie die über amtliche Revision der jüdischen Schulkassen, in dem von uns angegebenen Sinne entschieden worden waren. — Die Synagoge in Heidenheim nährt sich ihrer Vollendung, und soll demnächst eingeweiht werden. — Die in unserm Junibericht gemeldete Einführung deS deutschen GebetS für den König und die Gemeinde in der Synagoge zu Gunzenhausen durch den Vorstand, Herrn Sämann, — derselbe ließ neulich auch eine prachtvolle Uhr in der Synagoge aus eigenen Mitteln anbringen — erhielt nachträglich die schriftliche Zustimmung deS zuständigen Rabbiners, Herrn Grünbaum in Ansbach, mit dem Beisatz, daß er, da die Gemeinde mit dieser Anordnung zufrieden, um so weniger etwas dagegen habe, als er ein Freund des Fortschritts sei. K. Preußen. Berlin, 28. August. Die V. Z. berichtet: So eben aus dem Seebade PutbuS zurückgekehrt, wo er sich in der Begegnung mit seinem Könige dessen würdigender Gnade zu erfreuen hatte, ist der Major der Artillerie Meno Burg hier plötzlich verstorben. Er nimmt nicht nur die Achtung seiner Kameraden mit sich, sondern auch die der gelehrten Welt und die Verehrung fast der ganzen Stadt, die in ihm einen verdienten und liebenswürdigen Offizier und einen wackern Bürger schätzte. Er war der einzige jener Männer jüdischen Glaubens, die in dem Kampfe für die Befreiung des Vaterlandes zu Offizierstellen gelangt und in derselben verblieben sind. Nachdem er an den Feldzügen der preußischen Armee mit Auszeichnung Theil genommen hatte, widmete er wäh-