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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-09-05 · Heft 37 (5.9.1853) · p. Seite 470

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 37 (5.9.1853)
Date
1853-09-05
Page
Seite 470 (sequence 12)
Language
German
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470 So sollte auch der Christ, welcher einen Juden der Ermordung eines Christenkindes beschuldigte, dies aber nicht durch 6 Zeugen (3 Juden und 3 Christen) erhärten könnte, zu d e r Strafe verurthcilt werden, die den Juden würde getroffen haben, wäre dessen Verbrechen erwiesen worden. Zwölf Punkte in diesem Privilegium handeln von Pfändern, Zinsen und Gütern und geben zu erkennen, daß jene Zeit schon weiten Raum zu gewinnrcichen Geldgeschäften gewährte. Unduldsamkeit des Zeitalters beschränkre den Umfang des Wohngebietes der Judengemeinde auf einen Theil der untern Stadt und schloß sie von dem bürgerlichen Verbände aus, weßwegen sic, außer den Wachen und den Handleistungen bei Ausbesserung der Stadtmauern und Parhen (einer Art starker Zäune), der Stadt keine andere Dienste leisten durften." — Aus der schlesischen Kernchronik und Jost loc. eil. p. 284 ist ersichtlich, daß 1401 die Juden in Glogau verbrannt wurden, „weil sie das gesegnete Brod in der Messe verunehrt," (welche Geschichte auf einer in der Kirche Hangenden Tafel abgemalt sein soll), daß ferner 1439 in Glogau Feuer entstand, bei welcher Gelegenheit das Volk eine Menge Juden tödtete, und endlich, daß letztere 1480 auf Anstisten des Joh. Capiftran von dort auf ewig verbannt wurden, sich jedoch später wieder einschlichen. Wie leicht begreiflich, wird aber der Bearbeiter der genannten Geschichte, Herr Professor Minsberg zu Glogau, selbst bei dem besten Willen, die Verhältnisse der Juden so viel wie möglich in den Kreis seiner Betrachtung zu ziehen, diese doch nur spärlich bedenken können, weil die Stadtbücher aus früheren Jahrhunderten ihrer nur gelegentlich gedenken und', bei der Gemeinde selbst sich über jene Zeit gar keine schriftlichen Nachrichten sinden, und wir richten daher bei dieser Gelegenheit an alle diejenigen, welche über die Geschichte der Juden Glogau's Auskunft zu geben wissen, namentlich aber an die jüdischen Literaten auS Glogau, die Bitte, ihre dcsfallsigen Notizen sammt den nöthigen Belegen entweder an Herrn Prof. M. oder an die Redaktion dieser Blätter zur Mittheilung einsendcn zu wollen, da nur auf diesem Wege in das Dunkel der Geschichte einer Gemeinde, welche Zun; (zur Geschichte und Literatur p. 403) für Spezialgeschichte der neuern Literatur der Juden wichtig nennt, einigermaßen noch Licht zu bringen ist. Wir geben hier Einiges, was uns zufällig zur Hand ist. Die jüdische Gemeinde in Glogau wahr ehedem sowohl durch die große Anzahl ihrer Mitglieder als auch durch die ausgezeichneten Talmudisten, welche in ihrer Mitte lebten, weithin berühmt. Erst zu Anfang dieses Jahrhunderts zog ein großer Theil ihrer Mitglieder nach Breslau und nach anderen Städten Schlesiens, wodurch die Gemeinde sich sehr verminderte. Die hier lebenden Rabbiner genossen ihres Scharfsinnes und ihrer Gelehrsamkeit wegen einen auSgebreiteten Ruf; dahin gehören: Rabbi Menachem Mendel b. Baruch um 1660; R. Avigdor b. Schneior um 1675; R. Leb um 1805, zu welcher Zeit R. Abraham, Sohn des R. Moscheh Jtelin, Verfassers des NW« dort yn war; R. Naphtali Cohen um 1714; R. Lemmel Ha-Levi um 1766; noch später R. Beresch, dem dann R. Hirsch aus Samosc (später in Hamburg) und R. Abraham Tiktin (später in Breslau) folgten. — Der gegenwärtige jüdische Gottesacker in Glogau, der leider nach der letzten Belagerung bedeutend verkürzt worden ist, ist schon sehr alt. Wolf führt in seiner bibl. hebr. IV, p. 1215 secks Grabschriftcn daher an, unter denen die älteste aus dem Jahre 1592 und die jüngste aus dem Jahre 1683 stammt. Auf diesem Gottesacker ruhen auch manche berühmte Personen. So außer mehreren Rabbinern die sogenannten rmsafr Tp nra®, sieben Männer von ausgezeichneter talmudischer Gelehrsamkeit, die aber bis auf den Namen vergessen find und aus der neuesten Zeit der Philosoph Salomon Maimon. — Der Wissenschaft uns wieder zuwendend, bemerken wir, daß Glogau zwei hatte, die sich literarisch bekannt gemacht haben: R. Schabtai Bas, der Verfasser des bekannten a-*:®*' Tis® im 17. und Meier Kornek, Verf. des ®->ip •’T-.r:, ^isiar; ri-,75, irir® rc., zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts. Außerdem haben sich literarisch beschäftigt Chajim ben Mendel aus Glogau (vgl. Zunz zur Gesch. u. Lit. p. 449), Chajim b. Menachem daher, der Anleitung zum jüdisch-deutschen Schreiben gab (vielleicht derselbe? vgl. Enzyklopädie von Ersch und Gruber seot. II. B. 28. p. 31. n. 44.) und MoseS Kronccker, Verf. des r:®» *,■'»■*. Ein eigene jüdische Druckerei hatte Glogau früher nie und erst seit kmzer Zeit druckt Herr Julius Gottschalk daselbst auch hebräische Werke. Dagegen waren viele Glogauer in fremden Offizinen thätig. So war Samuel Sanwel b. Jacob von hier 1686 Setzer und Faktor der hebräischen Druckerei von Thomas Rose in Hamburg, und von den beiden Söhnen des Abi Esri Selig auS Glogau war der eine Ahron 1717 in Frankfurt a. O. bei dem Drucker der rp'-nr; mmb T® und der andere Abraham 1733 Pressenziehcr in der Druckerei des Israel ben Abraham in Wansbeck, wo er bei dem Drucke des Ma®;? &rtb von

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