Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 37 (5.9.1853)
- Date
- 1853-09-05
- Page
- Seite 467 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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467 Aus dem Haag, 27. August. Die 2. Kammer der Generalstaaten hat heute den auf die Kirchengenoffenschaften bezüglichen Gesetzentwurf mit 41 gegen 27 Stimmen angenommen. Rußland. Petersburg, 14. August. (H. C.) Das mit Bewilligung des Kaisers in Mitau zusammengetretene Konnte zur Ueberfiedelung armer jüdischer Familien auS Kurland nach den neurussischen Gouvernements hat feine Thätigkeit bereits begonnen. Die Beschäftigung dieser Familien bestand vorzugsweise im Handel und dem sich damit leicht verbindenden Schmuggelgeschäft. ES liegt somit auf der Hand, daß die Ueberfiedelung dieser Familien, welche in beiden Geschäftszweigen nicht glücklich waren und nach und nach dem Elende verfielen, dem Lande sowohl als den Leuten selbst eine Wohlthat ist. Literarische Rachrichten. Biblisch-tulmudische Medizin. Wir fteuen uns jedes Mal, wenn auf dem Gebiete der archäologischen Bibelforschung ein neues tüchtiges Werk erscheint, erstens um unser selbst willen, Belehrung aus diesen Werken zu schöpfen, da nichts mehr die Kenntniß deS Alterthums und der menschlichen Natur überhaupt fördert, alS gründliche archäologische Forschungen, dann, weil jene Werke es doch deutlich bekunden, daß eS auch in unsrer Zeit noch Männer giebt, die sich der Bibeleregese befleißigen und das Interesse daran zu verbreiten streben. Die beiden erschienenen Werke: Die Sitten, Gebräuche und Krankheiten der alten Hebräer nach der heiligen Schrift historisch und kritisch dargestellt von 3. P. Trusen, Doktor der Medizin, Chirurgie und Geburtshülfe, k. preuß. Oberstabsarzt und Reg.-Arzt des 22. 3nf.-Reg., Ritter rc. rc. Zweite, verurehrte und verbesserte Auflage. BreSlau, Korn. 1853. 8. (XlV. u. 289 S.); so wie: Biblisch-talmudische Medizin, oder pragmatische Darstellung der Arzneikunde der alten Israeliten, sowohl in theoretischer als praktischer Hinficht. Von Abraham bis zum Abschluß des babylonischen Talmuds, d. i. von 2000 v. Chr. bis 500 n. Chr. Mit Einschluß der StaatSarzneikunde und mit besonderer Berücksichtigung der Theologie. Nach den Quellen in gedrängtester Kürze bearbeitet von R. Z. Wunderbar. lIn 4 Abtheilungen.) Riga und Leipzig, 1853. (Eigenthum deS Derf.); find wichtige, inhaltlich unübertroffene Bereicherungen, sowohl der historisch-medizinischen, alS der hebräisch-eregetischen Literatur und bieten ein reiches Material nicht allein für die fcbon zur Wissenschaft erhobene historische Pathologie, sondern auch für eine erst zu begründende historische Therapie, eine Disriplin, die der neu entstandenen naturhistorischen (Erfahrungs-) Heilkunde, als Bafis und Leuchte dienen muß. In der erstem Schrift hat ein hochgestellter Militärarzt, der aber das Hebräische nicht kennt, das Anthropologisch-Medizinische der Bibel mit Sachkenntniß und Scharfsinn dargestellt, und doch hat der Berf. durch sorgfältige Benützung der eregetischen Werke jeden Verstoß gegen die Eregese vermieden. In der zweiten hat ein Laie in der Medizin, ein jüdischer Lehrer, Bibel und Talmud in Bezug auf Arzneikunde durchwandert und dabei eine treffliche Kenntniß der medizinischen Disziplinen an den Tag gelegt. Beiden können wir unsere Bewundemng nicht versagen. Auch ist bereits die erste Auflage des Trusenschen Werkes im Jahrgang 1844 Nr. 1 und die erste Abtheilung des Wunderbar'schen, Jahrgang 1850 Nr. 31 dieser Zeitung Erwähnung geschehen. TmsenS Buch empfiehlt sich nicht allein den Aerzten, welche fich für die Geschichte ihrer Kunst interesfiren, den Philologen und Bibelfteunden, sondem auch dem großem Publikum zu einer nützlichen und angenehmen Lektüre, da auch die Form des Vortrags eine sehr ansprechende und die Sprache gewandt und schön ist. Wunderbar'ß Buch bietet durch die Ausnahme der talmudischen Medizin große Vortheile, da eS einen Beitrag zur Kulturgeschichte einer Epoche liefert, die nur von wenigen Strahlen erhellt ist. Nach einem allgemeinen Ueberblick von dem Zustande der Heilkunde unter den alten Hebräern handelt Trusen im ersten Abschnitt von den Sitten und Gebräuchen der alten Hebräer. Es werden die KeuschheitS-, FrauenreinigungS- und Levitenreinigungsgesetze beleuchtet, deren hohe Zweckmäßigkeit hervorgehoben wird. Den (§. 4) folgenden Speisegesetzen „liegt die tiefe Naturanschauung zum Grunde, daß die Geschöpfe in aufsteigender Linie sowohl als auch in ihren speziellen Kreisen einer vom Unvollkommenen zum Vollkommenen fortschreitenden Organisation theilhaftig find, und daß der menschlichen 37*