Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 37 (5.9.1853)
- Date
- 1853-09-05
- Page
- Seite 465 (sequence 7)
- Language
- German
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465 legen sein lassen, den oben erwähnten PenfionirungSplan auf daS Kräftigste bei der Staatsregierung zu unterstützen, indem wir gegentheiligen Falls der israelitischen Religionsschule Naffau'S kein günstiges Prognostiken stellen können. Der Weg zum Gedeihen dieser Anstalten ist in Nassau recht gut an gebahnt, und ich glaube, daß wenn die Herren Rabbiner einmüthig wirken wollten, bei unserer Regierung Vieles erwirkt werden könnte, da sie vielleicht die einzige in Deutschland ist, die trotz aller betrübenden Beispiele von außen die den Juden seit 1849 gewährte vollständige bürgerliche und religiöse Freiheit kräftigst, selbst gegen „Höchst-Krause" Angriffe im Innern geschützt hat. Unser Synagogenleben bietet wie überall—nichts Ganzes. So viel Rabbinate, so viele Liturgien, nirgends Einheit, nirgends Uebereinstimmung; der eine Rabbiner reformirt und sichtet, der andre läßt's beim Alten und daS benimmt ihnen allen den Kredit bei ihren Gemeinden. Ich bin überzeugt, daß wenn unsere 4 nassauischen Rabbiner über eine allgemeine KultuS- und Liturgieordnung im Sinne eines vernünftigen Fortschritts sich einigten — sie würden die Mehrheit der Gemeinden für sich haben und selbst die Gegner würden sich fügen. Am meisten hat hierin vr. Wormser in Hadamar gethan, in dessen Bezirk schon seit 1845 eine zeitgemäße, verbesserte KultuSform eingeführt ist und auch überall Eingang gefunden hat. Co sehr dieser Mann auf seinem frühem Domizil — Diez — angefeindet war, so beliebt ist er jetzt in Hadamar, und da sein Wirken jetzt wie früher sich gleich blieb, so ist dies der beste Beweis, daß an dem frühem Mißverhältniß lediglich jene Gemeinde die Schuld trug. Selbst von einem echt religiösen Sinne belebt, dabei mit umfassender talmudischer und philosophischer Gelehrsamkeit ausgerüstet, wirkt sein Astftreten, begünstigt durch eine würdevolle Pastorale Persönlichkeit, überall belehrend und erbauend und namentlich find es die Lehrer, die ihm für seine Opferwilligkeit, für seine Hingebung zu ihrem schweren Berufe zu Danke verpflichtet sind. Seine jetzige Gemeinde — Hadamar — erkennt dies aber auch an. DaS find einfache aber biedere Leute, die ohne großes Aufsehen zu machen, gerne zu allem Guten die Hand bieten, mit bedeutenden Opfem sich erst vor wenigen Jahren eine sehr schöne neue Synagoge bauten und sowohl in als außen derselben einen wahrhaft religiösen Sinn an den Tag legen. Im Ganzen giebt eS bei den nassauischen Juden noch viel braches Feld anzubauen, da der schon so oft gerügte JndifferentiSmuS auch hier immer mehr Boden gewinnt, und er wird nicht abnehmen, wenn in der Synagoge alles beim Alten gelassen wird. Sehen wir daher, was uns die Zukunft bringen wird, und ist dieS etwas Erhebliches, was die Leser dieser Blätter interessiren könnte, so soll eS ihnen nicht vorenthalten wnden. x. y. z. Preußen. Berlin, 23. August. Die V.Z. berichtet: Am Dienstag den 23. d., Nachmittags 2 Uhr, fand bei einer überaus zahlreichen Versammlung die religiöse Feier der goldenen Hochzeit des Krohn'schen Ehepaars im festlich geschmückten Betsaale der von Baruch Auerbach gegründeten jüdischen WaisenerziehungSanstalten für Knaben und Mädchen, Oranienburger Str. 38, statt. — Vormittags wurde das Ehepaar durch mehrere Deputationen von Seiten des hochedeln Magistrats, deS RabbinatS, des jüdischen Gemeindevorstandes, deS Vorstandes und der Ehrenmütter der Auerbach'schen Waisenanstalten und deren sämmtlichen Waisenkindern, wie von mehreren milden Anstalten, deren Mitvorsteher Herr Krohn ist, beglückwünscht. Nachdem der Direktor Auerbach mit erhebenden Worten die Traurede an daS Jubelpaar in Bezug auf 3. Buch Mose 25, V. 9 u. 12, gehalten und dasselbe eingesegnet hatte, sprach der ehrwürdige Jubilar ein Dankgebet gegen Gott für die ihm erwiesene große Gnade. An diese seltene Feier reihete Herr Auerbach eine Erinnerung über die Bedeutung der 40jährigen Gedächtnißfeier der glorreichen Schlacht bei Großbeeren und schloß mit einem Gebete für Se. Majestät den König', die Königin, den Prinzen von Preußen und daS ganze ruhmgekrönte Königshaus, worauf die ganze Feier mit einem Festgefange beendigt wurde. Crfurb, 20. August. Der hiesigen israelitischen Gemeinde ist eS endlich nach vielen Schwierigkeiten gelungen, einen Prediger und geprüften ReligionSlehrer anzustellen, der auch bereits am vergangenen Sonnabend vor zahlreich versammelter Gemeinde seine erste Predigt gehalten hat. (Fr. I.)