Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 37 (5.9.1853)
- Date
- 1853-09-05
- Page
- Seite 464 (sequence 6)
- Language
- German
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464 selige Betheiligung der Lehrer, da hätte ich mir sofort den Verfasser der deutsch-jüdischen Sprüchwörter aus Hamburg herbeigewünscht, hätte ihm in wenigen Zügen ein Bild der Lehrerkonferenz des RabbinatS Hadamar entworfen und ihm einen guten Kommentar geliefert zu dem Sprüchworte: „Afchkenas ist ein Staat" oder in der Uebersetzung: Die Krefelder haben gerhan Was die Nassauer an der Lahn. Hier ist zwar die Gleichgiltigkeit gegen die Konferenz nicht so stark, aber sie ist doch auch vorhanden, wie sich dies bei der am 18. Zuli l. I. in Limburg abgehaltenen 7. Jahreskonferenz der Religionslehrer deS RabbinatSbezirks Hadamar gezeigt hat, auf welcher von 10 Mitgliedern auch nur 7 sich eingefunden hatten und unter den 3 fehlenden war sogar der dem Konferenzorte am nächste» wohnende D. in K., der lieber inS Bad als zur Konferenz ging; zu ersterem hatte er Geld, zu letzterer keines. Glauben die Leser vielleicht, daß er krankheitshalber inS Bad ging? O nein! daS ist eine echt russische Natur, kerngesund.*) Er kam nicht weil — je nun, weil er nicht wollte; ein anderer, M. in M., entschuldigte sich nachträglich mit den naiven Worten: -riss o:pn srrna; auch er kam nicht weil — je nun, weil er nicht wollte; der dritte schützte eine allgemeine Lehrerkankheit vor und kam auch nicht, weil er sich mit seinen beiden Kollegen wahrscheinlich in gleichem Falle befand. Uebrigens haben wir hier zu Lande Mittel, um solchen Uebelwollenden zu begegnen, da nach einem im vorigen Jahre ergangenen Ministerialreskripte den Rabbinen das Recht zusteht, eine Konferenz zu berufen und in Widersetzlichkeitsfällen dieselben gleiches Recht haben, wie die christlichen Schulinspektoren, denen nach §. 20 der Jnstrukt. für d. Schulinspekt., Edikt vom 24. März 1847 (V. O. S. HI. Dd. S. 318) eine Strafbefugniß bis zu einem Prozent des DienstgehalteS deS unfolgsamen Lehrers zusteht. ES ist freilich ein Uebel, wenn solche Mittel nothwendig sind, allein wenn solche Herren sie muthwillig Hervorrufen, dann sollten sie auch angewandt werden. Zur Konferenz selbst übergehend, so bildeten den Hauptinhalt der Verhandlungen die vorgelesenen Konferenzardeiten, unter denen einzelne recht gelungene waren, und wie *) DaS kann aber doch kein Anderer beurtheilen. Die Redaktion. in früheren Jahren, so zeichnete sich auch diesmal wieder die Arbeit deS geist- und kenntnißreichen Herrn Freund in Hahnstätten aus, der „die jüdischen Gebrauche bei Sterbe- und Beerdigungsfällen" in eben o satyrischer als geistreicher Weise bearbeitete, und dessen Verbesserungsvorschläge wohl die allgemeinste Beherzigung verdienen, waS auch von dem Dirigenten der Konferenz, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Worm-;ec in Hadamar anerkannt wurde. Auch kam ein von demselben Verfasser schon im vorigen Jahre bearbeiteter und dem Gouvernement bereits vorliegender „Plan zur Gründung einer Pensionsanstalt für israelitische Lehrer und deren Relikten zur Besprechung, der, wenn er inS Leben gerufen werden sollte, die größte Wohlthat für alle Betheiligten wäre. Eben so ist auf Anregen deS Konferenzdirigenten eine Sattifiik der Juden in Nassau schon seit einigen Monaten in Angriff genommen worden und wird wohl schon der im nächsten Jahre stattfindenden Konferenz vorgelegt werden können, bis wohin die Materialien zur Hand sein dürften, da die hervorragendsten Lehrer um ihre Mitwirkung bereits angegangen wurden. Die von Freiherrn von Reden in Klein'S VolkSkalender für Israeliten pro 1853 aufgestellten Grundsätze liegen auch dieser Arbeit zu Grunde und soll dieselbe, wenn die Konferenz sie dessen würdig hält, seiner Zeit diesen vielgelesenen Blättern zugehen. WaS nun die israelitischen Lehrer Nassaus betrifft, so fehlt eS auch diesen nicht an einem erklecklichen Vorrath von pis äesiäeris, woran sowohl die Regierung alS auch die Gemeinden die Schuld tragen. Auch hier ist es, wie in Rheinland und Westphalen das leidige Provisorium, das wie ein Alp auf den Lehrern lastet. Es steht zwar den Gemeinden nicht unbedingt frei, ihre Lehrer willkürlich zu entlassen, allein wenn sie auf den nervus rerum, den Geldpunkt, sich stützen, dann dringen sie mit der Zeit doch durch, und am übelsten sind die ältesten und verdientesten Lehrer daran, die, wenn sie von ihrer Stelle entlassen werden, eben darum bei keiner andern Gemeinde Aufnahme erhalten. Schon aus diesem Grunde und weil bei solchen Aussichten auch daS jüngere Geschlecht abgeschreckt wird, einen Beruf zu wählen, der ihnen für ihr Alter nur die Aussicht auf Brodlosigkeit und bitteres Elend bietet, sollten die Rabbiner Rassau'S, die durchschnittlich alle für die Hebung der Religionsschulen bemüht find, sich ange-