Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 72 (16.6.1838)
- Date
- 1838-06-16
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
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290 weltlichen Dingen behauptet." Und gesetzt, dies wäre so, (denn wir wollen nicht mit blosem Affirmiren und Negiren uns herumstreiten) — so wäre diese geeignet gewesen, ihnen selbst unter den schrecklichsten Verhältnissen ihre Lage wenigstens etwas erträglich zu machen: wie aber genügten ein physisches Uebergewicht und eine praponderirende Intelligenz in weltlichen Dingen, um 800,000 Juden zu bewegen, ihre Heimat, ihre Habe, ihre Gräber und Tempel in Spanien eher zu verlassen, denn ihre Religion einem spanischen Ferdinand zu opfern? genügten diese, um die Juden dahin zu bringen, für die Ausübung und das Bekenntniß ihrer Religion, zehnmal aus Frankreich zu wandern und in eine noch unwirthlichere Fremde geschleudert zu werden? Wenn, wie der Fischer sagt, nur ihre Schätze zu vergrößern und die nicht positiven Grundlagen irdischer Glückseligkeit zu vermehren die mächtigen Triebfedern der Juden waren und sind, warum konnten sie denn Millionen hingeben für ein Paar Jahre Duldung; Millionen an Leibzoll zahlen für eine klägliche Existenz, da sie diese irdische Glückseligkeit schon durch einen kleinen Schritt ganz und gar erlangen konnten? dieser kleine Schritt eben für die Juden der allergrößte war, den sie um ihr Leben und alle ihre Schätze nicht thun wollten — ihre Religion aufzugeben? Da helfen alle Sophistereien nichts, ihr müsset die moralische Kraft anerkennen, die hierbei wirksam war. Heute als Jude ein Knecht, verhöhnt, verfolgt, vertrieben, meines Erwerbs nicht sicher, meiner Habe nicht gewiß, heimatlos, und dies alles morgen anders, wenn ich meine Religion aufgebe — und dies doch nicht thun — nennet es Halsstarrigkeit, Trotz, wie ihr wollet, aber eine moralische Kraft ist es, d. h. die Kraft des Geistes, die von einer Handlung uns zurück hält, die wir als schlecht ansehen. Wie aber, Herr Fischer, wenn wir den Trotz, die Halsstarrigkeit, die Herzenshartigkeit, die Verblendung des Hasses Ihnen auf den Hals werfen, da Sie uns das theuerste und erhebendste Bewußtsein, das mit so vielen Bluts-undAngsttropfen erkaufte, vergällen und vernichten wollen? Doch Ihre Behauptungen sind der edlen Warme nicht werth, mit der. man sie widerlegen möchte, und das sei die beste Rechtfertigung! Alles dies ist aber nur erst die Vorhalle; von hier aus rückt Fischer in das Sanktuarium der Religion selbst. Wir wollen ihm dahin folgen. (Fortsetzung folgt). Israel, Hellas und Nom. Vergleichende Skizzen. III. Ein weites, herrliches Gebiet eröffnet sich uns, wenn wir an die Lebensproducte dieser drei Völker treten, und sie neben einander zu stellen versuchen wollen. Reden wir zuerst von der bildenden Kunst. Haben wir irgend in den früheren Skizzen den allgemeinen Charakter der drei Völker richtig bezeichnet, so läßt sich schon a priori erwarten, was sich in der Wirklichkeit darstellt. Die bildende Kunst mußte für Hellas der eigenthümlichste Bo- Lgr seiner Productivität sein , aus dem Leben Israels geschieden bleiben, und in Rom vorhanden und genossen sein, aber ohne daß sie ein eigentliches Element seines Lebens ausmachte. Israel hat anderthalb Jahrtausende im eigenen Lande gelebt, und nur einen Tempel und eine Anzahl heiliger Gefäße producirt, und ein Jeder weiß, daß auch dieses nur mit Hilfe der Nachbarn zu Stande gebracht ward. Nur für den, der die Dinge blos äußerlich zu betrachten pflegt, könnte die Bemerkung genügen, daß mit dem zweiten der Zehngebote dem hebräischen Volke der Weg zur Kunst auf immer abgeschnitten war. Denn mit Recht können wir eine Bemerkung hier wiederholen, die wir schon früher über diesen Gegenstand gemacht *), daß, wenn jene Hemmung von Moses ausging, eben diese Gesetzgebung dem Charakter der Völker., auf die sie noch bis heute mannig, fachen Einfluß hat, höchst angemessen sein mußte; denn ganzen Völkerschaften laßt sich auf viele Jahrhunderte nicht befehlen und verbieten, was ihnen nicht angemessen wäre. Wäre in dem. hebräischen Volke irgend eine Anlage zur Kunst vorhanden gewesen, so wäre sie doch,- wenn auch in modisicirter Richtung, zum Durchbruche gekommen, noch dazu, da Israel in mancher Zeitperiode so wenig in den Grenzen seiner Religion beharrlich gewesen. Erst in Zeiten, wo das eigentliche Leben des Volkes abgeschlossen war, konnte dies Gebot dahin wirken, daß schon blose Trophäen, die Herodes aufstellen ^ließ, diesem von Seiten des Volkes den grimmigsten Haß zuzogen, weil es sie für Bilder von Waffen eingeschtossen, hielt ** •••)). Hierbei ist selbst nicht zu vergessen, um den Contrast desto mehr hervorzuheben, daß die Hebräer aus einem Lande kamen, wo die Kunst schon stark blühete**^). Sondern es mußte ein naturgemäßes Ergebniß *) Ezechiel und Philo ff. Berlin 1830. S. 7. ’••) Joseph. Ant. Jud. 15, 8. §. 1. 2. •••) Winkelmann, Gesch, d. K. 1, 1. §. 7.