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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-06-16 · Heft 72 (16.6.1838) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 72 (16.6.1838)
Date
1838-06-16
Page
Seite 291 (sequence 3)
Language
German
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291 des Charakters und der Tendenz Israels sein, die bildende Kunst außerhalb seines Lebensgebietes liegen zu lassen, indem es diagonal der Aufgabe der Kunst, die Idee und Geistigkeit durch die Materie zur sinnlichen Anschauung zu bringen, entgegengesetzt, gerade das Aufgehen und Aufgeben des materiellen Daseins in die reingeistige Existenz verlangte und erstrebte. Bei einem Volke, wo die körperliche Erscheinung des Menschen ganz zurückgedrängt, höchst untergeordnet, und jede Ethik der Materie völlig nicht vorhanden, vielmehr gelaugnet*) war, konnte die bildende Kunst durchaus keine Wurzel schlagen. Je weniger also die bildende Kunst in Israel irgend einen Anklang fand, desto entschiedener steht für uns der gezeichnete Charakter ausgeprägt. Wir brauchen nun wol hier nicht die entgegengesetzten Bestandtheile des hellenischen Lebens noch einmal hervorzuheben, durch welche eine so glückliche Meisterschaft in der bildenden Kunst auf immer diesem Volke verschafft wurde. Und nur das Eine wollen wir hervorheben, daß gerade dasjenige Prinzip, welches die griechische Kunst beseelte und beherrschte, für den Charakter dieses Volkes völlig bezeichnend ist. Man weiß, wie die Kunsttheoretiker sich über das höchste Prinzip der plastischen Kunst gestritten haben. Wie der Eine die auf sich beruhende Apathie, der Andere die Schönheit der Form an sich, der Dritte den Ausdruck, haben geltend machen wollen. Allein man vergaß hierbei, daß in der Wirklichkeit die verschiedenen Völker und Arten der plastischen Kunst ihr verschiedenes Princip haben müssen und haben. Bei den Hellenen ist es nun allerdings die Schönheit der Form an sich, die als Höchstes erstrebt, und welcher der Ausdruck selbst untergeordnet war. Erst mit einer gewissen Vermengung des römischen Lebens drang! in die hellenische Kunst das Verlangen nach Wahrheit und Lebendigkeit des Ausdruckes hinein. Gerade die Kunstprodukte, in denen Leidenschaft und Schmerz ausgedrückt werden sollte, geben hierfür den Beweis, wie Laokoon, Niobe, j der belvederifche Apoll u. dgt. , Für die römische Kunst bleibt es immer bezeichnend,! daß ihr Ursprung stets an den Mann erinnert, der seine > Soldaten zwingen will, die Schaden an den verpackten Statuen auf ihre Kosten ausbessern zu lassen. Daß, nachdem die griechische Bildung bei den Römern, nach sechs Jahrhunderten des Bestehens Roms, Eingang zu finden begann, diese an den Produkten der griechischen Kunst viel Gefallen fanden, und sie um dessenrwillen wie wegen der Pracht ihrer •) Ein Beweis, daß das Jsraelitenthum der „Rehabilitation deS Fleisches" geradezu entgegengesetzt ist. Palaste und Villen mit ihrem Golde sehr förderten, daß demnächst , später auch Römer etwas leisteten, ist natürlich. Einerseits sind es aber Münzen, Gemmen und Portraits, die in der römischen Kunst zu einer hohen Ausbildung kamen, anderseits blieb es immer griechische Kunst, und hatte nichts ursprünglich Römisches. Korrespondenzen, Auszüge, Repliken. Prag, Ende Mar. Rabbin enwahl. Unsere Gemeinde wurde am 6. d. M. durch einen Todesfall in Trauer gesetzt, dessen Folgen von höchst wichtigem Einflüsse auf die weitere Entwickelung unserer religiösen Zustande sein können. Es ist nehmlich an diesem Tage der würdige allgemein verehrte erste Oberjurist und Religionsvorstcher Samuel L. Kau der gestorben, und in ihm einer der besten und edelsten seines Faches Grabe gegangen; einer d»r wenigen Alten, die mit liebevoller Milde und Toleranz den Fortschritt gestatten, den die Zeit unabweisbar fordert, für dessen Leitung aber sie sich selbst entweder nicht befähigt oder zu alt dafür erachten. Erst drei Jahre an dieser Stelle hat sich der Verblichene dennoch schon durch sein sanftes, freundliches, versöhnendes und vermittelndes Benehmen die Liebe und Achtung der ganzen Gemeinde so wie früher die der jüdischen Bevölkerung des budweiser Kreises, dem er 18 Jahre in Ehren Vorstand, erworben. — Der Ruf eines unbescholtenen, frommen und fleckenlosen Wandels folgt dem würdigen Greise ins Grab. — Friede seiner Asche! Vor einigen Tagen wurde eines Abends im neuen Bethausir der erste Trauergottesdienst für den Verstorbenen abgehalten, wobei I)r. Sachs in einer trefflichen, geist- und gemüthvollen Rede die Verdienste des Verblichenen hervorhob; dabei aber auch die. Versammlung aufmerksam machte, welch' wichtige Stelle jetzt hier erledigt sei, und wie von deren würdiger zeitgemäßer Besetzung die ganze fernere Gestaltung und Entwickelung der Gemeinde abhange. Und in der Tbat ist es an der Zeit, und war noch nie so dringend, daß Prag's Gemeinde einen Mann an. die Spitze ihrer religiösen Angelegenheiten stelle, der gleichmäßig ausgerüstet, im Talmud-Rabbinismus wie in den wistenschastlichen Fächern crcellirend, beiden Parrheien eine imponirende Autoritär werde: — den Alten in seinem frommen Wandel, in seiner talmudischen Gelehrsamkeit eine Gewähr für die Erhaltung, der jüngern Generation hingegen in seiner wissenschaftlich-theologischen zeitgemäßen Ausbildung ein Bürge für den bereits errungenen Fortschritt., für weitere allmälige Verbesserung. Darüber herrscht nur eine Stimme in der Gemeinde; so wi-r es bisher gegangen, vollends wie e6 jetzt bestellt wäre, kann es nicht, bleiben, ohne die nachtheiligsten Folgen, nicht für die weitere Entwickelung, die könnte nicht gehemmt werden, wol aber für die Rübe und den Frieden der Gemeinde zu haben. Ganz ohne Gehässigkeit, ohne Animosität gesagt, die beiden überlebenden, bis jetzt dem Verblichenen untergeordneten Oberjuristen vermögen nicht, unsrer Gemeinde vorzustehen; Sie können uns weder in religiöser Hinsicht als Führer dienen, noch vor der Regierung in Glaubenssachen vertreten. Wo ist die Würde, wo das Wisten, wo die Sanfrmuth, wo die gewinnende Persönlichkeit, die zu diesem Amte, dieser Stellung gehören? Abgesehen von allen anderen Bedürfnissen, was haben sie selbst für den Talmudunterricht gethan? Haben sie für den hebräischen Unterricht Sorge getragen? Haben sie das Studium der jüdischen Wissenschaften ge-

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