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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-06-16 · Heft 72 (16.6.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 72 (16.6.1838)
Date
1838-06-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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u. Z-Hrg-Ng. Mlgememe No. 72. Zeitung des Zudenthuws. Ein unpartheüsches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Kömqi. Sächsischer-allergnädigster Concession.) Leipzig, den 16. Juni 18S8. Tages-Csntrole. Dr. Ludwig Fischer und seine „Lügen," (Fortsetzung.) Die einfache Perspektive, aus der Fischer die Juden betrachrec, ist die, baß sie sich nichc bekehren lassen wollen. Dies ist die Töpferscheibe, auf der er seine Juden zurechte drehet. Er hält dieses Eriterium bis ans Ende fest, und darum müssen auch wir es festhalten. Er bemühet sich darum zuerst und am allermeisten zu beweisen, daß wir immer noch Juden sind, und, was das Schlimmste ist, bleiben wollen. Es könnte Mancher glauben, daß dieser Beweis theils überflüssig, theils sehr leicht sei, — indeß Herr Fischer gehr doch noch weiter. Denn er will auch beweisen, daß wir noch seit. 2000 Jahren dieselben Juden sind — (f. der Juden Eonlecfei), daß wir uns noch immer in Pharisäer, Sadducäer, und Essener theilen, und quält sich, die Portraits dieser in unserer jetzigen Welt aufzusinden. Mein der gute Mann vergißt, daß mit Name» noch gar nichts gethan ist, und daß es uns eben so leicht sein würde, die verschiedenen Sekten de» Ehcistenthums, wie diese, nicht nach schon 1500jahrigem Bestände, sondern bereits in den ersten Jahrhunderten erschienen, noch jetzt in einigen allgegemeinen Zügen aufzusinden, und die christliche Welt mit Socinianern, Arrianern rc. zu bevölkern. Oder wir könnten behaupten, daß die christliche Welt sich nicht fortgebildet habe, weil es immer noch Katholiken, Griechen, Protestanten, Reformicte, Anglikaner rc. gebe. Dabei gibt der Verfasser selbst S. 23. zu, „daß die moderne Judenschaft rüstig mit vorwärts geschritten." Ja, er läßt den Juden volle Gerechtigkeit für die mannigfachen glücklichen Resultate, die sie in Kunst und Wissenschaft erlangt haben, werden. Der Herr Fischer begreift also nicht, daß es schon im Wesen aller religiösen Erkennrniß liegt, daß in derselbe« gewisse allgemeine Hauptrichcungen vorhanden sind, in denen eine jede Zeit sich immer wieder reproducirt, aber mit ganz anderm Inhalte und speziellerer Ausführung. — Wenn nun Herr Fischer nebenbei das, war er Seite 2t unten über jüdische Prediger und Rabblnals-Eandidatcn sagt, für keine „niedrige und gemeine Polemik" halten möchte, so mag er uns Nachsehen, wenn wir von seinen Begriffen von höherer und edeler Polemik keinen hohen, sondern einen wahrhaft nieder» Begriff haben. — Auch über das Zerwürfniß der jetzigen jüdischen Welt in „anrike und moderne Juden" laßt er sich S. 23 aus und findet die Ursache in dem „Ungehorsam gegen Gottes Wort, der Herzenshärtigkeit" rc. Diese Ansicht brauchen wir schwerlich näher zu bezeichnen. Gesetzt aber, dies Zerwürfniß fände so statt, wie er es schildert, so ist ja einen Theils das ein kräftigster Widerspruch mit seiner frühem Behauptung, di« Juden wären noch heute, was sie vor 200 Jahrm waren — andern Theils könnte Herr Fischer nicht fassen, daß eine ewige Uniformität nur für einen Cristall oder cristallisirten Auszug, her besser für sein Eomglomcrat, ein Todtes-Liegendes bestehen kann, daß aber eine jede Entwickelung nur auS ' dem lebensvollen Streite verschiedenartiger Ansichten hervorgehen kann. Was anders hat dem Christenthum seine Entwickelung gegeben, als der Zwiespalt und das Zerwürfniß in j ihm, und es ist schlimm, daß F. hier gerade Luther so; nahe bringt, und dem Judenthume dennoch di« Ausarbeitung seiner jetzigen Fragen vorwirft, die freilich nicht ohne das AufeiNMderstoßen der verschiedenen Ansichten geschehen kann. Wie gern möchten doch diese Herren alle Menschengcister über einen Leisten schlagen, jedoch nur, wenn der Leisten gerade der ihrige wäre! S. 27 bemüht sich unser Mann sehr, die moralische Kraft, die man dem jüdischen Stamme gewöhnlich zuschreidt, indem er sein geistiges Besitzthum bei den unerhörtesten Verfolgungen und lockendsten Versuchungen fest und treu bewahrte, zu demoralisiren, und nur als eine gemein materielle zu verschreien. Die Kinder Israel, meint er. wären stets ein Geld- und Vüchecvolk gewesen, und .hätten „daher über ihre Umgebung immer ein gewisses physisches Gewicht und eine praepvnderirmde Intelligenz in

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