Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 36 (29.8.1853)
- Date
- 1853-08-29
- Page
- Seite 454 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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454 Magdeburg, 17. Zull. Einzelne Predigten, viseours prvvvvee le septieme jour de PLgues 5613 (29. avril 1853) dav8 le temple con8i8tcrrial de HlarseiUe psr LI. 9. Cahen, grand - rabbin. Poissy, 1853. An die französische Predigt darf nicht derselbe Maßstab gelegt werden, wie an die deutsche. Eie ist durchgängig mehr Rede. Sie stellt sich einen bestimmten Gedanken, und führt diesen in Einer Linie durch; es kommt bei ihr daher mehr auf die lebhafte, warme und glänzende Darstellung, als auf die Fülle des Inhalts und die Mehrfachhcit der Form an. Der Gedanke ist ihr von vorn herein gegeben, und diesen nun den Hörern gänzlich und glänzend nahe zu bringen, ist ihr Ideal. Von diesem Standpunkte ist die vorliegende Predigt eine sehr lobcnswerthe Arbeit. Nach 2. Mos. 3, 14 stellt sie die Ewigkeit GortcS, verkündet im Tetragrammaton, als die höchste religiöse Erkcnntniß dar, die, auf die Einigkeit Gottes gestützt, das Bekenntniß des ganzen Menschengeschlechts zu werden bestimmt ist. In der einfachen Durchführung dieses Gedankens ist diese Rede innig und brillant, bisweilen erhaben, sterS aber voll Hingebung und Wärme. — Zwei Predigten. I. Neujahrs - Predigt. II. Am Sabbat Breschit. Non De. Caro, Rabbiner zu Schwetz. Schwetz, 1853. Jener Einfachheit der französischen Predigt gegenüber möchten wir den heutigen deutschen Predigern unsres Glaubens oft zurufcn: nehmt Euch ein Ernnpel daran! Diese Unförmlichkcit dcS Inhalts, welcher nun die Unform auf den Schritt folgt! Da unternimmt cs der Vcrf. der beiten vorliegenden Predigten, in der zweiten die ganze Erzählung vom Paradiese in einer einzigen Predigt auszulegen, und dabei noch ganze Seiten Allotria hineinzumischen, z. B. über die Nichtigkeit der Naturwissenschaften und Philosophie — und der Faden, an dem die Predigt sich weiterspinnt, ist dann alle Augenblicke: „Die Zeit erfordert, daß ich in etwas größeren Schritten vorwärts schreite und manches nur kurz andeute ff." oder „ich übergehe eS ff." „fassen wir dies kur; zusammen ff." — und am Schluffe eine Bitte um Entschuldigung! Ich habe gar nichts dagegen, daß der Prediger nicht immer Meisterstücke liefert — aber wozu sie dann drucken lassen? Und dann die Ueberrrcibungen! Da schildert die erste Predigt das Leben des Menschen auf eine so jämmerliche Weise, da hebt sie die Schattenseiten des Lebens so fürchterlich hervor und untermalt sie noch mit Nacht, daß — wenn es so wäre — es eine wahre Blasphemie auf „die Gnade Gottes" wäre, die der Tert (Ps. 1V3, 15—17) in seiner zweiten Hälfte preiset. . . Nun? Der Derf. hat eine kräftige und blühende Sprache in seiner Gewalt, daS verrärh sich bisweilen; er hat Scharfsinn und Gedanken — woher nun solche ungestaltete Produkte, die an die erste Kindheit der Homiletik mahnen? Das will ich Euch sagen. Junge jüdische Theologen pflegen zum Predigen überzugehen mit dem Gedanken: daS können wir von selbst! Da wird die Homiletik nicht studirt, da werden Muster nicht vorgcnommcn, zerlegt, durchdacht; gehört haben sie wenig, da sie natürlich christliche Kirchen nicht besuchen, und gelesen haben sie in diesem Fache gar nichts — predigen kann man ja von allem — und nun geht'S drauf los, gepredigt, und die Predigt gleich drucken lassen. — — Der Mensch als Spiegelbild der Natur betrachtet. Kanzelvortrag (!) am S. Nachmu im israelitischen Tempel zu Carlsbod gehalten von Dr. Ad. Jellinek, Prediger der israelitischen Gemeinde zu Leipzig. Leipzig, 1852. In der That Kern und Gediegenheit, Reichthum an Gedanken und Fülle der Kcnntmß der heiligen Schrift und jüdischen Literatur — und dennoch einige Fehler! Scheint uns schon der Hauptgedanke der Predigt verfehlt: der Mensch als Spiegelbild der Natur, denn diese besteht aus Erde und Wasser, und die Erde repräsenlirt den Körper, das Wasser den Geist deS Menschen — denn an sich ist dieser Vergleich hinkend, naturwiffenschaftlich sogar falsch — denn fest und flüssig find nur zwei Formen für eine und dieselbe Materie — und giebt wohl zu einer Menge sehr schöner Vergleiche, aber nicht zur Entwickelung einer einzigen, höhcrn Wahrheit Gelegenheit. Aber nun die Formlosigkeit deS Ganzen, denn erst auf der 12. gedruckten Seite kommt der Redner auf seinen eigemlichen Gegenstand; und dann das Hineinpropfen so vieler anderer Dinge, die nicht zur Sache gehören, z. B. des Traumes Jakob's S. 17, der ganzen zehn Gebote S. 19, der spielende Scharfsinn, der auf fast drei Seiten auSeinandersetzt, daß es im Terte (Ps. 24, 1. 2) heißt -11272 *n“b, nicht “snb “177272, um anzudeuten, daß nur David so, wie eS in den Psalmen geschieht, über die Natur habe siegen können. Wie gesagt., wir erkennen fteudig die Vorzüge des Verf. an, denn z. B. der Anfang über die Wirkung des Badelebens nach innen ist überaus trefflich — aber man lege es nicht als Pedanterie aus, wenn wir immer und immer darauf dringen, daß die jüdischen Prediger ihre Nonchalance ablegen und zu dem ftühern Studiren und Streben nach gediegener Form zurückkehren, da sich sonst die jüdische Predigt sicher in Sand und Wasser verlaufen und bald weniger achtbar sein wird, als die ehemalige Draschah, darum — weil