Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 36 (29.8.1853)
- Date
- 1853-08-29
- Page
- Seite 451 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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451 Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Deutsch-sädische Sprüchwörter aus Hamburg. (Schluß.) 51. Man muß seinen Mallach nicht verwöhnen. Uebersktzung: Wenn sich dein Schutzgeist zu dir neigt. Stell' deine Ford'rung nicht zu leicht. Jener Dalsen sagte: wenn ich am Tage nach meiner Verheiratung mit zinnernen Löffeln esse, bekomme ich mein Lebtage keinen silbernen; und es viel Wahres in diesem Paradoxon. Wir leben in allen Dingen, ohne Ausnahme so weit entfernt vom Naturzustände, daß tausend Bedürfnisse mit unserm Ich so sehr verwachsen find, daß nicht allein unsere Person, sondern die gesummte menschliche Gesellschaft ohne die Anerkennung derselben nicht bestehen kann. Was hätte z. B. die Welt davon, wenn plötzlich alles Rauchen abkäme? So wie wir aber unsere Kinder so und so vielmal Wäsche wechseln lassen, so wie wir ihnen das erste Paar Handschuhe kaufen, so haben wir sie in diesen Kreis von Bedürfnissen eingeführt und find schuldig, ihnen auch die Mittel und Wege zu deren Befriedigung zu öffnen. Wie man sich aber bettet, so schläft man. Es wundert sich Niemand, wenn ein insolventer Bankier und ein in Konkurs gerathener Graf aus ihren Konkursmassen, also aus den Mitteln ihrer Gläubiger mit so viel Goldstücken alimentirt wird, als ein solventer Tagelöhner Groschen zu seinem Lebensunterhalt erwerben kann. Es ist mithin gar keine Aussicht, daß eine diogenische Lebensweise (ohnehin nicht ausführbar in unserm Klima) hier jemals Anklang und Billigung finden könnte, und jeder thut recht sich der obigen Vorschrift zu fügen, denn bei wem, nach einer andern sprüchwörtlichen Redensart: „sein Mallach ein ®aft" (Gast synonym mit Lump) ist, der bleibt gewöhnlich auch einer. Nun, wir deutschen Juden verwöhnen in der Re-* gel unfern Schutzengel nicht, nach dieser Seite hin im Gegentheil leben die Meisten so hoch hinaus, als die angespannten Mittel es nur irgend erlauben, oft noch höher; und während man uns vor Jahrhunderten Geiz vorwarf, weil wir damals Aufsehen vermeiden mußten, wäre die entgegengesetzte Klage jetzt weit eher zu begründen. Jedenfalls ist, so viel mir bekannt, noch nie ein deutscher Jude oder Jüdin wegen allzu großer Bescheidenheit oder Anspruchslosigkeit in polizeiliche Untersuchung gekommen. 52. Polack, wo ist dein linkes Ohr. Dies Wort gründet sich auf die bekannte Geste, wo Einer um sein linkes Ohr zu berühren die rechte Hand oben über den Kopf hinüber biegt. Und eS bezeichnet treffend die, namentlich unter den Juden, zahlreiche Familie aller derer, die in all ihrem Thun und Lassen jeden möglichen krummen Weg dem geraden und kurzen vorziehen. Solche Leute find berühmt als LebenSzeitkürzer aller derjenigen, die im Leben, im Geschäft, im Studium, ja selbst in der Kunst mit ihnen zu thun haben. Wer das Mittel erfände, mit diesen Leuten, zumal wenn man ihnen Rücksichten schuldig ist, ohne Aerger und Schaden umzugehen, der wäre unter die Wohllhäter des Menschengeschlechts zu zählen. 53. Wahrt euch Kinder, Asrielche will ein Kuph machen! Ich weiß nicht, ob dies Wort weit hinaus bekannt | ist. Es gründet sich auf die Anekdote, daß ein reicher i Mann, der einen sehr dummen Sohn hatte, dem dürfrij gen Dchclfer (Hypodidaskulus) einen Dukaten versprochen! hatte, wenn er daö ganze hebräische Alphabet würde schreiben können. Der arme Teufel gab sich nun unsägliche Mühe, und als endlich der Knabe bis an den viertvvrletztcn geschwungenen Buchstaben Kuph gekommen war, sprang er wie toll in der Schulstube umher, schlug die Hände weit aus einander und brach in das oben gegebene Freudengcschrei auS. Seitdem wird es bisweilen gebraucht, wenn Jemand eine ganz ungewöhnliche und unerwartete Anstrengung beginnt: z. B. wenn Herr A.— Jemanden etwas schenkt, oder wenn Fräulein B. die Cachucha tanzt, oder wenn Herr C. einen Toast ausbringt, oder wenn der vr. D. zu einem Patienten gerufen wird u. dgl. m. 54. Nach einem schlechten SchabbeS kommt ein guter Sonntag. Das alte Adagio von der Hoffnung die man am Grabe noch aufpflanzt, die im Regen auf Sonnenschein weist, die in Pandorens Büchse zurückbleibt. Uebrigens liegt hier ein Widerspruch in den Begriffen. Wer fest auf einen guten Sonntag rechnet, der hat gar keinen schlechten Sabbat! 55. Wer da lauert auf die G'ulle (Erlösung) der ist ganz gewiß mechulle (verloren). Uebersetzung von Jean Lafontaine: Aide toi, et le ciel t'aidera. So klug waren unsere Vorfahren doch, daß sie ihre