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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-29 · Heft 36 (29.8.1853) · p. Seite 446

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 36 (29.8.1853)
Date
1853-08-29
Page
Seite 446 (sequence 2)
Language
German
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446 sich zu Euch herabließen? Nein, jüdische Lehrer und Schulen, jüdische Energie und Schnellkraft. Diese vermochten Euch in wenigen Dezennien umzuwandcln, und nun trauet 3hr ihn«: jetzt nicht einmal zu, Eure Kinder unterrichten zu können? Aber cs ist dies nur rin Stück von dieser traurigen Selbstvcrachtung, die noch immer — neben der persönlichen Selbstüberschätzung — wie oft hält ein Jude stch selbst für den klügsten Menschen, die ganze Judenheit aber für sehr verächtlich — im Juden steckt, obschon nichts auS Euch werden kann, so lauge diese nicht geschwunden! Es ist vor Allem nöthig. daß wir unfern Gesichtskreis erweitern, daß wir uns klar machen, wie auf lange Zeiten hin die Bekenner des JudenthumS eine isolirte Stellung in Europa einzunehmen berufen sind, daß diese unter den günstigsten Umständen sich so machen wird, wie sie jetzt in England ist, Einzelne geehrt, wohl auch zu Ehrenwürden gelangt, im Ganzen aber isolirt und bei der Kirchlichkeit deS öffentlichen Dienstes von selbst ausgeschloffen. Man sieht, wir rechnen hierbei nicht einmal auf besondcrn Judenhaß, wir gehen einfach von den Prinzipien aus, die jetzt, und entschieden für lange Zeit, die herrschenden find, deren Wandel nur durch die allmälige Wiedereinlenkung in die, durch die ftanzösische Revolution abgeschnittene Bahn der Entwickelung möglich sein wird. Sehen wir dies ein, nun, so müssen wir uns darnach einrichten; so muffen wir überall durch jüdische Institute, durch Schulen, Spitäler, Asyle, Wittwcn- und Alterversorgungsanstalten, HülfS- und Lcihkassen u. dgl. für nnfete Menge etwas thun. Der Reiche kann sich überall helfen, im Nothfalle hält er sich einen tüchtigen Hofmeister und läßt seine Kinder von den bedeutendsten Professoren unterrichten. Aber die Masse, die Masse? Lasset die nicht rath- und hülflos, und — sie bleibet Euch treuer, als — Ihr ihr!.... Dies das Allgemeine. Nun im Individuellen. Der Jude, der unter diesen Verhältnissen seine Kinder zu einer öffentlichen Karriere erzieht, ist so gut, als wenn er sie eigenhändig zu einer andern Religion überführt. Die jüdischen Eltern müssen ihre Kinder lediglich zu praktischen Berufszweigen erziehen. Nur keine gelehrte Erziehung! Tüchtig was lernen müssen fie, aber nur nicht Gelehrte werden. Alle möglichen praktischen Berufe, aber keine anderen! Berufe, wo fie ihre fteie Herren sind, wo fie durch ihre Talente oder gute Produkte oder Waaren daS Publikum bezwingen. Dann werden fie in Europa ihre Lebensstelle finden, oder — fie werden auswandern — in der neuen Welt gilt aber allein daS Praktische; mit aller möglichen Gelehrsamkeit lockt man da keinen Hund aus dem Ofen. Es ist ganz natürlich, daß unsre Jugend sich unter solchen Umständen häufig und immer häufiger in Europa genirt und in der Entwickelung und Anwendung ihrer Kräfte beengt fühlen wird, daß fie also immer zahlreicher über den Ozean flüchten wird — aber der geringste Handarbeiter hat eS dort besser als der gelehrteste Sprachforscher, als der tiefste Denker, und selbst mathematische und Naturwissenschaften finden dort einen Matz, wenn der Inhaber sofort einen praktischen Nutzen daraus zu erzielen versteht. Ich bitte Euch: durchdenket dies Alles wohl — hinweg mit den Selbsttäuschungen — aber auch hinweg mit der Lässigkeit!.... Das vorige und gegenwärtige Jahrhundert. IV. Wenn wir unS so recht zum Bewußtsein bringen, was eigentlich Ntendelsfohn gewollt hat, da man einem solchen Manne gewiß kein blos instinktives Treiben Zutrauen wird, so konzentriren wir es in den beiden Forderungen, die er an den Juden stellte: Aufklärung der Lehre und Heilighaltung des Gesetzes. Beide Momente vereinigte er in seinem ganzen Leben. Wenn er der Philosophie anhing, so entfernte er sich in ihr nie von dem, durch das Judcnthum, durch die Offenbarung gegebenen Boden; es galt überall nur die Lehren, die auch die unsrer Religion find, zu erhellen, philosophisch durchzuarbeitcn. Freilich zuckt man jetzt die Achseln über die sogenannte „populäre Philosophie" Mendelssohn's; aber man hat gesehen, wohin die, als Gegensatz als „Sophistik" zu bezeichnende Philosophie führt, um jetzt, nachdem sie einmal wieder ihren Zyklus vollendet hat, wieder über -sie die Achsel zu zucken. Dasselbe war es, als Mendelssohn die fünf Bücher Moscheh in'S Deutsche übertrug uod kommentirte und kommentiren ließ: es galt die Aufklärung der Lehre. Nicht minder aber war die Heilighaltung des Gesetzes ein ticfinneres Moment seines LebenS. Wahrhaftig ein Mendelssohn war kein Heuchler, und wenn die vornehmen Gesellschaften verließ, um sein Abendgebet, nach Osten gewendet, zu verrichten, so geschah es auS tiefster Ueberzeugung. Dasselbe bekundete Mendelssohn in seinen Schriften, und in seinem „Jeru- > salem"deduzirter: die ewigeVerpslichtungJsrael's l zu dem auf Sinai geoffenbarten Gesetze.

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