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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-22 · Heft 35 (22.8.1853) · p. Seite 440

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 35 (22.8.1853)
Date
1853-08-22
Page
Seite 440 (sequence 8)
Language
German
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440 Rabbinersynode gerechtfertigt und rein gewaschen haben wird. „Und," fügte der Stempel hinzu, „infolange erkläre ich auch die von ihm geschlossenen Ehen für ungültig rc. rc. rc." Die ganze Gemeinde war über das unwürdige Benehmen deS Kempner höchst entrüstet, und trotzdem der damalige Präses des Kultus ein eifriger Kempner war, ward beschlossen, daß der Rabbi sich nicht zu rechtfertigen brauche. Dem Rabbi jedoch konnte dieS nicht genügen, er wollte vielmehr den allgemeinen Frieden wieder wie ehedem Herstellen, und die vom Kempner fanatifirten Lue tboras aus ihrem Jrrthume herausbringen. Dies glaubte er am besten zu erreichen, wenn er diese Gelegenheit benützt, sich als großen Askenker zu zeigen. Er erklärte daber öffentlich, daß wiewol die nach Kempen geschriebenen Fragen in dieser Form bei ihm nicht vorgekommen und sie sämmtlich entstellt und falsch zitirt find, er denn doch, um einerseits seine Freunde im Vertrauen zu ihm zu stärken, andrerseits aber auch um seine rabbinische Ueberlegenheit gegen den Kempner zu beweisen, und dadurch fich zugleich vor ferneren Angriffen zu schützen, bereit ist, diese ihm unterschobenen asketischen Uriheilssprüche zu adoptiren und selbe zu rechtfertigen. Nicht lange darauf produzirte der Rabbi Briefe von dem mährisch-schlefischen Oberlandesrabbiner, vom Rabbiner zu Leipnik und vom Oberrabbiner zu Beuthen, welche alle entschieden zu seinen Gunsten und gegen den Kempner abgefaßt waren. Hätte man nicht erwarten sollen, daß dadurch die Zwistigkeiten zu Ende gehen werden? Nichts weniger als dies. Die hiefigen voe tboras find viel zu halsstarrig, als daß fie die einmal eingeleiteten Verfolgungen aufgeben sollten. Dazu kommt es auch noch, daß auch von Kempen immer fort der Kreuzzug gepredigt wird, und auch diese Nichtswürdigen ihre Lust daran haben, die Ortsrabbiner zu Tode zu Hetzen. So verfuhren fie schon mit den zwei früheren Rabbinen sel. Andenkens, und so wollen fie es auch dem jetzigen Rabbi anthun. Allein die Zeiten ändern fich und auch die Menschen. Die früheren sel. Rabbinen waren nämlich blos Talmudisten, und als solche natürlich nur von einigen Wenigen und zwar nur von den sogenannten Lue thoras verstanden. Was Wunder also, wenn die ganze Gemeinde leicht haranguirt wurde und nach der Geige dieser Wenigen zu tanzen anfing? Ganz anders ist es aber jetzt, wo die ganze Gemeinde die Leistungen des Rabbi'S zu würdigen versteht. Der Rabbi wird geliebt und geachtet, diese Friedensstörer hingegen werden mit Spott und Verachtung behandelt. Den besten Beweis können Sie dafür darin erblicken, daß vor etwa einem Monate die Verwaltung und die Repräsentanten beschlossen haben, das öet kameärescb zu schließen, weil die Lne tlioras in demselben, statt Talmud zu studiren, ihre giftigen Pfeile gegen den Rabbi zu schmieden fich befleißigen. Was können aber diese Nichtswürdigen wollen, nachdem fie doch gesehen haben, daß die größten rabbinischen Autoritäten auf Seiten ihres Rabbinen gegen den Kempner stehen? Hören Sie und staunen Sie. Sie sagen, Herr Rabbiner Stössel werde als Oesterreicher von den österreichischen Rabbinen in Schutz genommen (!) und fie verlangen daher nichts weniger', als der Rabbi solle fich mit einem Rabbinatsbefähigungszeugniß von einem rennomirten inländischen orthodoxen Rabbiner legitimiren. Wie natürlich sträubte fich der Rabbi lange gegen dieS schändliche von Kempen hierher gekommene Anfinnen um so mehr, alS er ja wissen konnte, daß eS nur darauf abgesehen ist, ihm eine Demüthigung anzuthun und sein Ansehen in der Gemeinde zu schwächen, keineswegs aber um den Frieden wieder herzustellen. Um jedoch seinen Gegnern jede Waffe auS den Händen zu nehmen, entschloß er fich endlich nachzugeben und machte zu Anfänge dieses Monats eine Reise nach Rogasen zum Oberrabbiner Herrn M. Veilchenfeld, dessen orthodoxe Richtung und rabbisch-talmudische Schärfe und Gelehrsamkeit im ganzen Herzogthume berühmt und bekannt ist. Dieser ehrwürdige Mann hielt nun mit dem hiefigen Rabbiner eine mehr als zweitägige DiSkusfion über die verschiedensten rabbinischen Zweige, stellte ihm darauf ein Rabbinatsdiplom aus, was den höchsten Anforderungen im ausgedehntesten Sinne genügen muß. Da nun der Rabbiner ein solches Opfer der Gemeinde brachte und seine Friedensliebe mit Hintansetzung seiner Ehre bekundete, so ist es der Wunsch der ganzen Gemeinde ihm dafür seinen noch 2 Jahre laufenden Kontrakt auf lebenslänglich oder auf weitere 12 Jahre zu prolongiren, und anstatt der Sporteln ihm einen Gehalt zu firiren, von dem er standesmäßig und von Einzelnen unabhängig leben könnte. Ich bin nun begierig was die Lne tboras, nachdem ihr Wunsch nun erfüllt ist, bei der zu obigem Zwecke auf Nächstem anberaumten Generalversammlung für eine Sprache führen werden. — Auf Verordnung deS Herrn Rabbiners wurde auch das Let baweärescll wieder eröffnet. — Hoffen wir daher das Beste.

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