Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 35 (22.8.1853)
- Date
- 1853-08-22
- Page
- Seite 438 (sequence 6)
- Language
- German
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438 Großrabbiner der Departementalkonsistorien werden vurch die Laienmitglieder dieser Konsistorien, in Verbindung mit einer Kommission von 25 Notabeln gewählt, welche zu diesem Zwecke durch die Konsistorialwähler deS Bezirks delegirt find. Art. 2. Die Kommunalrabbinen werden durch die Departementskonsistorien auS einer Vervienstliste der aus der Rabbinerschule hervorgegangenen Schüler oder unter den ausübenden Kommunalrabbinen, welche ihren Platz ändern wollen, ernannt. Im Falle gleicher Stimmenzahl entscheidet die des GroßrabbinerS." ES ist hiermit das allgemeine Stimmrecht, diese uralte Sitte in den jüdischen Gemeinden, aufgehoben. Wir wollen dies hinsichtlich der Konsistorial-Großrabbiner nicht tadeln, da ein ganzes Departement in der That über einen Kandidaten nicht gut entscheiden kann. Aber daß man auch die Kommunalrabbinen von oben herab ernennen, daß man auch der Gemeinde das Recht nehmen wollte, sich ihren Seelsorger zu wählen, daß man ihr einen Rabbinen zusendet, den sie nicht kennt und nicht will, daS ist, unsrer Ansicht nach, höchst traurig, da umgekehrt daS Departementalkonfistorium über das Bedürfniß der einzelnen Gemeinden nicht entscheiden kann. Wir wundern unS, wie die Archives israel. diese Bestimmung mir Lob überschütten konnten. Sie meinen, dadurch hört die Spaltung in der Gemeinde um die Rabdinerwahl auf. Also dafür sendet man ihr einen von oben herab gemachten Rabbinen zu! Nun ja, unterdrückt noch daS letzte Bischen Leben in der französischen Synagoge, viel ist so nichts mehr da!... Die Archives schlagen noch etwas vor: man solle im Elsaß die große Zahl Kommunalrabbinen unterdrücken, eS wäre dies LuruS! man solle dafür die Gehalte der anderen verbessern. Sehr schön. Die Gemeinden ihrer — vorausgesetzt thäligen Lehrer berauben, um gut besoldete Pfaffen in den größeren Städten zu haben! Wir meinen umgekehrt, daß diese gut besoldeten Obergeistlichen Lurus sind und die tüchtigen Kommunalrabbinen nützlich, ja nolhwenvig. Was haben denn die kleinen Landgemeinden von den Paar Rabbinen der großen Städte?... Zum Glück hängt das Judenlhum von dieser ihm aufgedränglen, nach Schablonen gemachten Hierarchie nicht ab, die nichts nützt und nichts schadet! Palästina. Berlin, im August. lB. Z.) In den letzten Tagen kam der Judenmissionär Reichardt durch Berlin, der anderhalb Jahre in Jerusalem gewirkt hat und jetzt im Aufträge der londoner Judenbekehrungsgesellschaft nach Warschau geht. Er theilte eine höchst - interessante Entdeckung mit, welche er in Galiläa auf einer mit dem Missionar Nicolaison unternommenen Reise gemacht hat. Sie fanden in den Bergen Galiläa's in der Richtung zwischen Akka und Nazareth, nördlich von Schefa-Anner, ein Dorf Bukeah, welches fast ganz von Ackerbau treibenden Juden bewohnt ist, die seil der Zerstörung Jerusalems durch TiruS in dem Dorfe ansässig geblieben zu sein scheinen. Sie unterscheiden sich von ihren morgenlänbischen Stammesgenossen dadurch, daß sie nur das Hebräische und die Landessprache, daS Arabische, aber weder deutsch noch spanisch sprechen und lediglich aus ihren Ackerbetrieb beschränkt, mit Auswärtigen in geringer Verbindung stehen. Türkei. Konstantinopel, im August. Die jüdische Gemeinde hat eine Dankadresse dem Sultan für die, allen Religionsparteien, also auch den Juden verliehene Religionsfreiheit durch ihre Beamten überreichen lassen. Nordamerika. Albany, 1. Aug. (Privatmitth.) Soeben kam mir das Kleinische Jahrbuch zu Gesicht (Stuttg. 1853) darin finde ich einen Rückblick von Herrn vr. Formstecher, der mitunter auch über Amerika spricht, worüber er schrecklich unwissend ist; doch daS wollten wir ihm verzeihen, aber daß er eine so grobe Lüge ins Volk bringt, wie den Kravall, den er beschreibt, der in New Z)ork statrgefunden haben soll (s. S. 140, 141) am Kol.-Nidre-Abend, das können wir ihm nicht verzeihen. Ich bitte Sie in meinem Namen diese Lüge zu erponiren, denn auch nicht ein Wort ist wahr an der ganzen abscheulichen Geschichte. Bitte Sie übrigens, Asmonean, Juli 3V, nachzusehen. Im Staate New-Aork sind 21 jüdische Gemeinden, 3 deutsche und 3 englische Prediger, 17 jüdische