Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 35 (22.8.1853)
- Date
- 1853-08-22
- Page
- Seite 437 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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437 dahin gestrebt einen täglichen Gottesdienst dort ein- , zuführen, und mit Hülfe GotteS ist eS mir auch theilweife gelungen. — Als ich das dortige Rabbinat antrat, da lag der religiöse Unterricht nicht nur im Argen, sondern eS war gar kein Unterricht vorhanden. Ich rief eine Schule ins Leben, in welcher hebräische Grammatik, Geschichte deS israelit. Volkes aufS Ausgezeichnetste gelehrt wurde, so daß Knaben und Mädchen, die früher daS Hebräische kaum stammeln konnten, die tüchtigsten Fortschritte in den jüdi- > schen Religionsgegenständen machten. Ja, ich rief diese Schule nicht nur ins Leben (das ist ein Leichtes!) sondern ich erhielt dieselbe auch, allen Schwierigkeiten gegenüber, mit unermüdetem Eifer, und suchte ihr die gesetzliche Sanktion zu erwirken, die ich auch von dem hohen Ministerium erlangte. Zum Beweise, kaum habe ich den Schritt aus Teschen gethan, verfiel die Schule in fich. Daß ich sehr oft an Sonntagen gepredigt, daS ist wahr — aber die GenefiS dieser Einrichtung war folgende. Bekanntlich besteht der teschner KreiS, in Bezug seiner jüdischen Bevölkerung, zumeist auS Oekonomen, die dem Ackerbau obliegend, in den Dörfern zerstreut wohnen. Sollten diese Landleute auS ihren meilenweit entfernten Domizilien über den Samstag zum Gottesdienste nach Teschen kommen, dann müßten sie beinahe drei Tage vom Hause abwesend sein; auch mitten in der Woche kann wohl der Landmann nicht von HauS und Feld abkommen. Es wurde daher von den Landbewohnern das dringende Ansuchen an mich gestellt, am Sonntag, den einzigen Tag an dem sie sich losreißen können, zuweilen für sie zu predigen. Dies geschah auch; und, ich muß es zur Ehre der braven Schlesier sagen, Alles strömte an solchen Tagen herbei, Männer, Weiber und Kinder, um das Wort GotteS von der Kanzel herab verkünden zu hören; — und was war meistens das Thema meiner Predigten? Die Heilighaltung des SadbatS war am häufigsten der Angelpunkt meiner Reden. — UebrigenS ist eS unwahr, daß ich an Fest- und Samstagen nie gepredigt habe. Noch ein schwerer Uebelstand, den der Korrespondent berührt, und der in der That daS Erblühen deS dortigen Kultus nicht zn Stande kommen läßt, ist der am Samstag betreffende Wochenmarkt. Aber habe ich etwa meine Hände müssig in den Schooß gelegt, habe ich nicht vielmehr Alles versucht — vrm i-sben — um die Verlegung desselben zu erwirken? Ich muß noch einmal auf meinen dortigen RabbinatSantritt zurückkommen. Bevor ich die dortige Stelle annahm, mußte mir der Vorstand in einer Gemeindesitzung daS Wort geben. Alles aufzubieten, nicht Geld, nicht Mühe zu scheuen um diese Verlegung zu erlangen. Man versprach dies nicht nur, sondern stellte mir dies, bei der dort herrschen Humanität und Judenfreundlichkeit, als eine Kleinigkeit dar. Aber leider ist die Krankheit, deren Diagnose Herr Dr. U. jüngst in diesen Blättern so treffend beschrieben, aller Humanitär zum Trotz, auch dorten gar mächtig vertreten; ich sah alle meine Schritte in dieser Beziehung bei dem Gemeinderathe der Stadt fruchtlos, und gab auch darum, und nur darum einzig und allein, meine dortige Stelle auf. Doch halte man dies nicht für eine heuchlerische j Redensart. Es kann mich wohl Niemand der Uni Wahrheit zeihen, wenn ich sage, daß ich im teschner Kreise, nicht nur bei meinen Gemeindegliedern, sondern bei allen Konfesstonendie ungetheilteste Hochachtung und Verehrung genoß. Anch ist der dortige Posten in jeder Beziehung ein ausgezeichneter. Der Kreis zählt nicht 100 Familien, wie der wohlwollende Schreiber jenes Artikels zu behaupten beliebt, sondern nahe an 1200 Seelen. ES sind 3 schöne Tempel in den 3 Gemeinden des Kreises. Bielitz, eine der reichsten, intelligentesten Gemeinden, mit einem herrlich geregelten Gottesdienst in ihrem prachtvollen Tempel, gehörte auch zu meinem Rabbinate. Mein Einkommen war ein sehr reichliches, und zu welchen Opfern wollten sich die biederen Schlesier nicht verstehen, wenn ich an meinem Posten geblieben wäre. — Und in der That ging ich auch mit blutendem Herzen hinweg, aber nur, weil ich eben den Sabbat, diesen Lebensbaum deS JudenthumS an seinen Wurzeln angegriffen sah, ohne ihn retten zu können, darum ging ich. Gott gebe, daß meinem Nachfolger gelinge, waS ich zu erlangen nicht im Stande war! A. Schmie dl, Rabbiner. Frankreich. Paris, im Aug. (Privatmitth.) Der 9. Juli datirt ein so eben publizirteS, vom Kaiser unterzeich- I neteS Dekret, dessen Hauptartikel lauten: Art. 1. Die