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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-22 · Heft 35 (22.8.1853) · p. Seite 435

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 35 (22.8.1853)
Date
1853-08-22
Page
Seite 435 (sequence 3)
Language
German
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435 stätte Jerusalems die Denkfaule auf, darauf geschrieben steht: Der Ewige giebt, der Ewige nimmt, sein Name sei gepriesen. — Der Ewige nimmt und giebt wieder, sein Name sei gepriesen in Ewigkeit I Zeitungsnachrichten. Preußen. Dtünsster, 9. August. (Elberf. Ztg.) Der würdige, allgemein geachtete OberlandeSrabbiner Sutro hierfelbst hat zwei Söhne, von denen er den einen der Rechtswissenschaft, den andern dem Baufache sich hat widmen lassen. Bevor sie jedoch zum Studium ihres Berufeübergingen, hatte der Vater ausdrücklich darüber höhern OrteS angefragt, ob ihnen ihr jüdisches GlaubenSbekenntniß auch spater kein Hinderniß bei einer Anstellung im Staatsdienste sein würde, worauf er die beruhigendsten Versicherungen erhielt. Dessen ungeachtet hat sich der dem Baufache Widmende Sohn, obgleich er bereits bei einigen öffentlichen Bauten Dienste geleistet und sich dabei für fein Fach sehr bewährt hat, keine Anstellung im Staatsdienste erhalten können, weshalb er sich an den König von Holland gewendet, von dem er mir Auszeichnung beschäftigt wird. Berlin, 15. Aug. (Privatmitth.) In diesen Tagen laS man in den öffentlichen Blättern wieder einen Erlaß des evangelischen Oberkirchenraths an die Konsistorien, daß alle Geistlichen am 10. Sonntage nach Trinitatis die Bekehrung der Juden zum Gegenstände der Predigt und Fürbitte zu machen und die Zerstörung Jerusalems in den Kirchen vorzulesen hätten, sich anschließend an die frühere Bekanntmachung, die Bekehrung der Juden immer in das Kirchengebet einzuschließen! An demselben Tage laS ich in der Alemoires d'outre-tomb von Obstesudl-iand eine Schilderung der Kirchlichkeit in den Jahren 1780, z. B. „le pretre eu edsire ne xarlsit gue — du „ „legislateur des cbretiens,“ “ und ward dabei lebhaft an Ihre letzten Leitartikel, die Vergleichung des vorigen und jetzigen Jahrhunderts, erinnert. Wir würden recht gern dieses Predigen und Beten für unsere Bekehrung harmlos nennen, und meinen, daß wir uns nicht darum zu bekümmern haben, waS in den Kirchen vorgeht, wenn man sich auch nicht darum bekümmern möchte, waS in den Synagogen vorgeht — wenn nicht durch jenes im Volke ein Geist der Trennung, Abgekehrtheit, Abneigung, Verachtung genährt würde, der in der Masse, welche die Grenzlinie nicht inne zu halten versteht, eine traurige Folge hat. Posen, 15. Aug. (Privatmitth.) ES ist in diesen Blättern die Wahl des Herrn Dr. Löwenthal, dieses ausgezeichneten Mathematikers und Lehrers, zum 4. Oberlehrer an der neu kreirten Realschule mehrmals besprochen worden. Die städtischen Behörden wählten ihn, erstens weil er tüchtig ist und der Schule viel zu leisten verspricht, dann weil zwei Drittel der Schüler Juden sein werden. Die königl. Regierung bestätigte die Wahl, aber — das königl. Ministerium hat, während alle übrigen Wahlen genehmigt wurden, die Wahl des vr. Löwenthal nicht genehmigt; würde er sich taufen lassen, so hätte er die Stelle augenblicklich. Noch mehr. Es sollte an dieser Schule auch ein jüdischer Religionslehrer angestellt werden — auch dies ist abgeschlagen worden. Nun, man ist gespannt darauf, was die Juden thun werden. Haben die posener Juden noch etwas jüdische Ehre, noch etwas jüdisches Gefühl in sich: nun, so errichten sie selbst eine Realschule. Wie? fehlt eS ihnen an Mitteln? Gewiß nicht. Fehlt es an tüchtigen Lehrkräften? Gewiß nicht. Und zuletzt könnten wir ja tolerant genug sein, auch christliche Lehrkräfte anzustellen, wenn es Roth thäke. Wohlan, thut dies, und Ihr habt nicht feige nachgegeben, und Ihr habt dem Bedürfnisse abgeholfen, Eure zahlreiche Jugend nicht ganz religionslos erziehen zu lassen! Ja, Ihr seid verantwortlich hierfür! (Wir unsrerseits fügen die Bemerkung hinzu: daß, wenn die posener Juden den angedeuteten Weg nicht einschlagen, sie sich auch nicht beklagen dürfen, da ihnen dann ganz recht geschieht. Redaktion.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Baden (bei Wien), 9. Aug. (Privatmitth.) Ich sprach in meinem letzten Briefe davon, was wohl in der letzten Zeit dafür geschehen ist, daS Leben mit

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