Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 35 (22.8.1853)
- Date
- 1853-08-22
- Page
- Seite 434 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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434 freudiger Stolz in Deiner Brust, Israel, Du Sohn dieses Zijon's? Siehe, das besaßest Du einst, und was sie Dir auch genommen, Freiheit und Macht und Ehre, Vaterland und Erbe, das können sie Dir nicht rauben, daß sie einst Dein gewesen mit ihrem Volke und ihren Propheten und ihren Sängern, mit der Lehre, die von Zijon, mit dem ewigen Gotteswort, daS von Jerusckalajim ausgegangen, dieser Platz des Erdballs, den alle Völker heilig halten, weil da daS Licht der Blinden, die Erkenntniß der Suchenden geworden, er ist unser gewesen.... Gewesen.... welch' harter Klang mitten in die Freude, Solches besessen zu haben'. Denn alles Leid, daS über die Juden je gekommen, knüpft es sich nicht an den Gedanken: warum haben wir daS Land unsrer Väter verloren? Warum ist unser Zijon in Trümmer gesunken? Und wo wir irgend jetzt noch Beschränkung erleiden, Hintansetzung erfahren, Schmach erdulden: klopft eS nicht unbewußt in unsrer Brust — wie anders, so nicht Jerusalem in Jsmael's Händen wäre? Und in der That, sollte es wahr sein, was man wohl hört, sollte es allgemein wahr sein, daß Euch, Juden, jene Stätte gleichgiltig geworden, daß sie keine Sympathie, keine Liebe, keine Anhänglichkeit mehr in Euch besitze, daß ihr Name Euch unberührt, ihr Bild Euch unbewegt lasse, sollte dies wahr sein — nun, so würde dies allein Euch, nicht ihr zur Schande gereichen, nicht sie, sondern Ihr würdet als die entarteten Träger Eurer Geschichte gebrandmarkt sein, die so tief gesunken find, daß sie allen Hähern Sinn verloren haben. Aber es find, die da sagen: wir wollen keine Juden mehr sein, wir wollen nur Menschen sein, und weil wir dies wollen, so wollen wir abstreifen bis auf die Erinnerung was Juda gehört. Zuerst: könnet Ihr waS Ihr da wollet? Ha, seht, dieses Judenthum hat so tief Euer ganzes JLesen durchdrungen, daß Ihr es nimmer abzustreifen vermöget, daß, so wenig wie Ihr Eure Gesichtszüge und Eure Gestalt abstreifen könnet, so wenig an Denk- und Fühlsart, an Charakter und innerer Sitte, waS aus diesem Judenthum von Geburt an in Euch übergezangen. Und nach außen? Fraget, ob man es Euch je vergessen, daß Ihr Juden seid, ob die, welche Euch am freundlichsten cntgegenzekommen, es nicht mit dem lebhaftesten Gefühle thun, daß Ihr Juden seid! Also Ihr Thoren, die Ihr das erhabene Piedestal des Juden zerschlaget, seine große Geschichte, seine erhabene Mission, seinen weltgeschichtlichen Beruf, auf dem er hinausraget über die Völker der Erde — um dennoch an den Boden gefesselt zu sein, auf dem er geboren. Dann endlich, könnet Ihr wirklich nicht Menschen sein im schönsten, edelsten Sinne, wenn Ihr zugleich Juden seid im lautersten, erhabensten Sinne? Auf, nennt mir eine einzige M enschenpficht, die der Jude als solcher nicht erfüllen könnte, nicht erfüllen soll! nennet sie mir, die Euer Vater und Eure Mutter nicht erfüllten, dieweil sie Juden waren? Fürwahr, Ihr irret: der Mensch fällt nicht auS der Luft, der Mensch wird und steht auf der Erde, d. h. er kann die Geschichte nicht loS werden und soll sie nicht, vielmehr zieht er die besten, edelsten Kräfte erst aus dieser Mutter Erde, aus dieser seiner Geschichte. Und darum lasset unS immerhin, wenn wir im Geiste auf der Trümmerstätte Zijon's stehen, die Sehnsucht, die volle starke Sehnsucht nach seiner Wiederherstellung empfinden. Wie? kannst Du sie leugnen, daß sie nimmer geschehen werde, weil heute, weil morgen keine Aussicht dazu vorhanden? könnet Ihr denn im Voraus all die ungeheuren Veränderungen, die auf diesem Erdboden noch vor sich gehen werden? Wie? ist denn Jerusalem nicht noch heute? ist es etwa eine Ruine in der Wüste wie Thadmor, ein Felsengrab in der Oede wie Petta? Hat etwa die Pilgerung nach Jerusalem auS den entferntesten Theilen der Erde aufgehört? Begegnen sich nicht in diesem Jerusalem noch heute die Interessen aller zivilifirten Völker, wie es erst diese Tage offenbar gemacht? Da Ihr mir dies Alles nicht leugnen könnet, so ist auch die Herrlichkeit Salem's nicht auf immer verworfen, nur der Rath des Ewigen ist es, der es kennet und beschließt. Wohl, so schließe sich denn an dieses Bild der Verklärung, an diese Freude, sie besessen zu haben, an diesen Schmeiß, sie verloren zu haben, an diese Sehnsucht, sie einmal wieder zu haben, so schließe sich an diese die Ergebung in den Willen GotteS. Wer zweifelt, daß Seine Züchttgung zum Heile dienet, wer, daß Seine Sttafe ein Segen ist? Zum Heile sandte er unsre Väter hinaus in die Lander der Erde, zum Segen legte Er ihnen und uns schwere Entbehrung und Kränkung auf. Denn Israel und die ganze Menschheit sollten dadurch weiter kommen, höher steigen, größer werden. — Noch ist der Weg weit, noch sehen wir das Ziel nicht ab, aber daß wir weiter kommen, ttotz allem Hin und Her, ttotz allem Zurück und Abseits, das fiehet, wer die Augen offen hält. Ja, fürwahr, waS unsre Religion uns zurust mit all ihrer Kraft: der Herr führet uns einen guten Weg zu grünen Angern und rieselnden O-uellen, daS rufet uns auch die Geschichte zu, und so stellen wir auch auf die Trümmer-