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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-15 · Heft 34 (15.8.1853) · p. Seite 429

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 34 (15.8.1853)
Date
1853-08-15
Page
Seite 429 (sequence 11)
Language
German
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429 In difference so mighty — (All’s well that ends well). Alle solche Erfahrungen haben dann daS Wort erzeugt : bekowet ist die Schwindsucht — es bezeichnet nämlich eine anständige Situation, deren sich kein respektabler, honnetter Mann zu schämen hat. so wenig wie in ihrer Art — der Schwindsucht! 47. Theertöpfchen bleibt Theertöpfchen. Ein Spruch, der mit dem vorhergehenden zusammenhängt. Der Sinn ist, daß man bei un-bekoweten Menschen oder bei nicht respektabeln Individuen und Familien zuletzt, wenn alle Anschwemmungen der Kultur, alle Diluvialformationen der sozialen Rücksichten durchstochen find, auf eine sehr grobkörnige Grauwackenschicht stößt, die daS Grundgestein abgiebt und daher gar nicht fortzuschaffen ist. „Er gleicht einem Stück Bielefelder Leinen, je mehr man's abrollt, desto gröber wird's", so habe ich oft von solchen Leuten reden hören, und: grallez Ie Russe et vous trouverez le tartare, hat Napoleon der Große von dem sranzöfirten Russen gesagt. Daß in manchen Familien sich unangenehme häusliche Verhältnisse gleichsam forrerben, das ist freilich eine Erfahrung, die man alle Tage machen kann, und da heißt es mit Recht: scheuert daS Theertöpfchen noch so viel aus, es bleibt doch Theer darin. 48. Zu viel Ehre ist eine halbe. Schande. Zch weiß nicht, ob dies ein spezifisch jüdisches Wort ist: es zu erfinden, war für einen irgend aufmerksamen Beobachter jedenfalls nicht schwer. Daß eS aber bei den Zuden sehr verbreitet ist, beweist für einen feinen und gesunden Sinn. Wenn einer seinen Eltern, seinem Ehegatten, seinem Vorgesetzten, seiner Obrigkeit, seinem Monarchen sogar allzuviel Ehre erweist: so ist das kein gutes Zeichen. Auch dem empfohlenen und eingeführten Fremden sowohl als Umgangsfteunde, dem fortwährend gar zu viel Rücksicht bewiesen wird, zeigt man dadurch, daß an ein wirklich inniges Verhältniß nicht gedacht werde. 49. Betet nicht um einen neuen Zerore. Uebersetzung: Um neue Herrschaft betet nicht: Wer weiß ob ihr sie besser kriegt? Es gehört eine weit speziellere historische Kenntniß dazu als ich besitze, um zu berechnen, in wie vielen Fällen man durch den Wechsel deS Gebieters, eS sei nun über einen großen oder einen kleinen Bezirk, wirklich gewonnen hat. Die Fälle werden nicht ganz und gar fehlen, aber gewiß nur wenig zahlreich sein. Diese Wahrheit ist bei unS Juden tief ins Fleisch und Blut gedrungen. Siehe übrigens das Lied: das Gebet der Wittwe von Chamiffo nach Martin Luther mit dem Schluß: Laß unfern gnädigen Herrn, o Herr, Recht lange leben, ich bitt' dich sehr! Die Noth lehrt beten. 50. Eine Meloche ist eine Meluche. Uebersetzung: HanbwerkSlohn, KönigSkron'! So sprachen unsre Vorfahren in früheren Jahrhunderten. Ist eine Meloche auch noch heute eine Meluche? Sie hatten aber auch ganz großarttge Handwerke und Gewerbe, die ihnen das damalige europäische Gleichgewicht einräumte. Sie waren z. D. Petschierstecher, Steinschleifer, Glasschleifer, Porzellanleimer, Regenschirmflicker, Filzschuhmacher, Zahnreißer, Zizitspinner, Haarschneider, Toraschreiber, Simchat-Tora-Fahnen-Maler, Chanuka-Licht- Gießer, Flickschneider, Mützenmacher, Chokolade- Boltjes- und Siegellackmacher rc. Da sie, wie das Sprüchwon zeigt, dies schon für eine Melucha hielten, so ist eS wirklich ein sehr schwerer Vorwurf, daß ihre Söhne und Enkel nicht sofort, sondern erst nach etwa 20 bis 30 Jahren fett die Verbote in einigen Ländern gelüftet wurden, Geschmack am Handwerksleben gefunden haben. (Schluß folgt.) Siterarifdie Nachrichten. ^Magdeburg, im Juli. Talmudische Welt- und Lebensweisheit ober Pirke Abot (Sprüche der Väter) in punktirtem Urterte, mit einer neuen Uebersetzung und zum ersten Male mtt einer ausführlichen Erklärung in deutscher Sprache versehen. Bearbeitet und herausgegeben von vr. L. Adler, Distrikts-Rabbiner. Erster Band. Erstes und zweites Heft. Fürth, 1851. Diese beiden Hefte, 170 S. gr. 8., befassen den ersten Abschnitt, also nur 18 Verse! Man wird daraus ermessen, daß die Erklärung eine sehr ausführliche ist. Nun hat das Alterthum absichtlich kurze Sentenzen als den Ausspruch tiefinnerster Weisheit gegeben, aus denen nun ein Jeder nach seiner Individualität ein Mehr oder Weniger schöpfe« konMe, die aber Jeden trafen durch daS Schlagende, durch daö Ueberraschende des Ausspruchs. Warum also hat sie

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