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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-15 · Heft 34 (15.8.1853) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 34 (15.8.1853)
Date
1853-08-15
Page
Seite 428 (sequence 10)
Language
German
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428 soll Llos bezeugen, daß unsre Vorfahren keine Tuckmäuser gewesen find. Und damit rede ich nickt blos von unseren nächsten Vorfahren, unseren Großvätern und Urgroßvätern (die Väter leben ja meist noch b. h. I.), sondern von den ganz frühen, die z. B. keine wichtige religiöse Handlung — das Fasten ausgenommen — für vollständig hielten, wenn nicht ein Glas Wein dabei getrunken ward, die gar Formeln, die noch heute allgemein gelten, feststellten, in denen dem „rachsüchtigen, kannibalischen" Judengott (wir müssen dies zu unsrer großen Erbauung ja noch alle Tage hören, ohne daß uns ein Staatsanwalt oder Polizeizensor dagegen schützt, waS freilich auch gar nicht nöthig ist!) förmlich und recht innig dafür gedankt wird, daß „die Freude in seinen Himmelhöhen thront" und daß er erschaffen hat „Freude, Wonne, Bräute und Bräutigame, Fröhlichkeit, Jubelgesang, Lustigkeit, Jauchzen und Vergnügen, Liebe und Brüderlichkeit, Eintracht und Freundschaft!" Ich stelle diese Formeln hier ganz hin, damit die Gelehrten darüber streiten können, ob solche nicht eigentlich aus Luthers Tischreden oder gar aus Schiller- Lied an die Freude gestohlen oder nachgeahmt find. Ost will so Einer, der ein „guter Junge" gewesen ist, in älteren Jahren Manches nachholen: auf den pflegt man zu sagen: „Alt Eisick wird tänzcrlich." Ein Glück für ihn, wenn es blos bei dem „tänzcrlich werden" bleibt. — Nun bleibt noch der, freilich auf Aberglauben begründete, aber dennoch rührende Euphemismus der Juden, den Begräbnißplatz den „guten Ort" zu nennen, zu besprechen — aber ich fürchte, in einen hier nicht hergehörigen Pathos zu fallen, und übergehe ihn. 46. Bekowet ist die Schwindsucht. Uebersetzung: Außen immer nett und fein — Innen zog der Tod hinein. Dies Wort stammt sicherlich aus dem Herzen eines Bekoweten, d. i. sogenannten bemittelten, respektabcln Familienvaters oder einer solchen Frau Es ist der Seufzer dieser sorgenüberbürdeten Bürgerklasse, deren ganzes Leben ein Kampf nicht nur gegen die Insolvenz ist, sondern auch für den äußern Schein der Wohlhabenheit. Der Mensch in der bürgerlichen Gesellschaft hat nun einmal den Trieb nicht für ein Nichts geachtet zu werden, und diese hat, mit Recht oder mit Unrecht, fast immer die Stellung, die fie Einem anweist, an die Summe derjenigen, nicht einmal blos materiellen, Güter geknüpft, die er oder seine Eltern, sich mit den Mitteln die sie ihm bot, errungen hat oder zu haben scheint. Mühsam und dornenvoll ist daS Leben diese- „Respektabcln". Die Hülfsmittel deS Reichen fehlen ihm, und die deS kleinen ManneS, oder des ganz Armen und Hülfefuchenden bei Anderen, darf er nicht benutzen. Er muß sich anständig kleiden, anständig wohnen u. f. w. und sparte er fich's am Munde ab; denn: „man sieht Einem längs dem Arm, aber nicht längs dem Darm". Er muß seine Söhne entweder gar nicht studiren lassen, oder sie mit seinem Schweiße und Blute füttern, bis fie sich selbst ernähren können, denn Privatstipendien zu erbetteln, das schickt sich nicht für ihn. Dienen als Hausmädchen dürfen seine Töchter nicht, und auch nicht in jede Gesellschaft gehen, nicht einmal für jeden Laden arbeiten. Zum Lohn wird eS ihnen 20mal so schwer sich zu verheiratheten, als den ganz armen Mädchen die lustig weg Jeden nehmen, der die Gebühren bezahlen kann. Da Sperrspitz und Logen zu theuer find und er nicht auf die Gallerie, seine Frau nicht ins Paterrc gehen kann, so müssen fie aufS Theater und eben so auf die meisten öffentlichen Vergnügungen verzichten. Aber in einem Punkt find seine Ausgaben, nicht einmal verhältnißmäßig, sondern oft sogar wirklich größer, als die des über ihm stehenden Reichen: in den Spenden für die Armuth, namentlich für die dürftigen Verwandten. Er muß da viel thun, um seiner eigenen Ehre willen, und weil er viel besser weiß, wie dem wirklich Hungernden zu Muthe ist. Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, daß eS mir ein unlösbares Räthsel ist, was unter uns Juden eigentlich eine „feine Familie" heißt. Der Rcichthum allein thut es nicht; Rechtlichkeit allein auch nicht; Kenntnisse, Bildung auch nicht; Familien von hohen Staatsbeamten gicbts bei uns Juden nicht; alten Adel, alten Rcichthum auch nicht, da überhaupt in dieser Hinficht bei deutschen Juden — Dank sei es den früheren Zuständen — keine Verschiedenheit herrscht, als daß entweder der Vater oder der Großvater oder höchstens der Eltervater mit dem Quersack gegangen ist; die alten gelehrten Rabbinerstämme haben mehr in Polen eristirt und find auch meist verkommen —. Woher kommt es nun, daß z. B. meine Familie für nobler geachtet wird als die meines Nachbarrechts und minder nobel als die meines Nachbars gegenüber? — Es regiert hier eine Konstellation oder sonst ein Etwas, daS völlig unerklärlich bleibt- Strange is it, ihat our blood, Of colour, weight and heat, pour’d all together Would quite confound dislicction, yet stand off

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