Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 34 (15.8.1853)
- Date
- 1853-08-15
- Page
- Seite 426 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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426 OesterreLchLscher KaLserstaat. Baden bei Wien, 2. Aug. (Privatmitth.) Schon hatte ich die Absicht, diesen Brief mit „Badner Briefe" zu bezeichnen, und schon sah ich den römischen I dabei prangen; aber da fiel mir ein, die guten Wiener könnten glauben, ich wollte dem Saphir nachahmen, der in seinem Blatte „der Humorist" auch Badner Briefe schreibt. Indessen fällt eS mir nicht im Entferntesten ein, humoristisch sein zu wollen; ich will Ihnen nur mit einigen Strichen daS jüdische Leben, wie eS in Oesterreich ist, mit besonderer Rücksicht der Hauptstadt, der ich am nächsten hier bin, schildern. Ein Badeort ist auch recht geeignet dazu um seine Beobachtungen anzustellen; während man sonst nnr eine Gemeinde vor sich hat, mit ihrer bestimmten Ausprägung, hat man hier einen großen Theil der Gemeinden vor sich, und die Kur gilt für den Einen wie für den Andern. Der hiesige Badearzt war sogar so freundlich mich zu versichern, daß er, um die Diagnose zu stellen, nicht einmal fragt, ob man orthodox oder reformatorisch gesinnt ist; ob man zum Herzl in die jüdische Träteurie oder zur „Stadt Wien" geht. Im Wasser vollends ist alles gleich, da gehen Männchen und Weibchen ohne Rücksicht auf Alter und Geburt hinein. Sie finden auch hier alle Parteien im Judenthume vertreten, sogar jede Schattirung, von den Hyperorthodoren und solchen, die am Samstag nicht inS Bad gehen, um das Wasser nicht zu spalten, bis zu der Reform auf „breitester Basis." Ja, ich habe eine Dame aus Pesth kennen gelernt, die mich versicherte, ihr Leid und Weh stammen davon, weil man den Tempel der neuen Kultusgemeinde zu Pesth sperrte. Fragen Sie mich nun, wenn man so die Häupter seiner Lieben zählte, welche Hoffnungen und Erwartungen man von den Juden und von dem Judenthum hegt; so gestehe ich es Ihnen aufrichtig, daß man sich nur damit trösten kann 'rrmann xb. ES ist einmal entschieden, von der jüngern Generation gehört der größte Theil mehr oder weniger der neuen Zeit an. Das Leben übt einen gewaltigen Eindruck und bekanntlich steht der Schulchan Aruch mit dem Leben der Jetztzeit in seinen Bedürfnissen nicht auf gutem Fuße; eS muß daher jemand aus dem Wege gehen. Man könnte darüber noch ein Auge zudrücken, man kann ein ganz ehrlicher Jude sein, und da und dort sich gegen den versündigen; aber wer wollte da die Grenze angeben, wie weit das geht. Dazu kommt allerdings, so sehr daS Leben einerseits gebieterisch mit seinen Forderungen auftritt, so ist es andrerseits nicht zu leugnen, daß gewissermaßen (wir möchten sagen) ein religiöser Instinkt vorhanden ist. Man sieht eS nämlich, abgesehen was auf anderen Gebieten für die Religion geschieht, daß Religion nothwendig sei; aber waS halten, waS wegwerfen? Wie die neuere Zeit versucht hat, diesen Schaden zu heilen, und was die Folgen davon find, erlauben Sie mir in den nächsten Briefen zurückzukommen. Dieser Brief will ohnedies nichts mehr als eine Einleitung sein. Buezaez, Stanislauer Kreis, Ende Juli. (Privatmitth.) Der hiesige angesehene Bürger, Herr Zadok Rink, der, da die hiesige Gemeinde keinen Rabbiner hat, dessen Stelle vertritt, hatte bei dem Dankgottesdienste, den die Gemeinde für die gnädige Abwendung jener scheußlichen Gefahr von Sr. Majestät dem Kaiser abhielt, eine sehr schöne Rede gehalten, die er auf vieles Verlangen dem Druck übergab, und ein Eremplar Ihrer k. k. Hoheit der Frau Erzherzogin Sophie übersandte. Derselbe ist mit einem gnädigen Schreiben beglückt worden, in welchem die Frau Erzherzogin ihm „Ihren Dank und Ihr Wohlgefallen" aussprach. Da dies eine sehr seltene Ehre, so widmen Sie wohl derselben einen Platz in Ihrer Zeitung. A. M. Mohr. Großbritarneu. London, 1. Aug. Unterhaus. Sitzung vom 29. Juli. Das Haus beräth im Komitö die schottische Universitäten-Bill, die unter Anderm Professoren weltlicher Lehrgegenstände vom Glaubenseide entbindet, und ihnen bloS die feierliche Erklärung vorschreibt, ihre Stellung nicht zur Untergrabung der schottischen StaatSkirche mißbrauchen zu wollen. Bei der zweiten Klausel nun will der derbytische Francis Scott (für Berwickshire) in die feierliche Erklärungsformel der Professoren die vielsagenden Worte „beim wahren Glauben' eines Christen" einschalten. Bei der Abstimmung wird dieses gegen die Juden gerichtete Amendement mit 81 gegen 37 Stimmen verworfen. Nach anderthalbstündiger Diskussion gehen auch die anderen Punkte der Bill durch.