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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-15 · Heft 34 (15.8.1853) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 34 (15.8.1853)
Date
1853-08-15
Page
Seite 424 (sequence 6)
Language
German
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424 denthum anderen Konfessionen nicht nachstehen, die zur Erhaltung ihrer Alterthümer daS Möglichste thun, so ist der Wunsch gewiß gerechtfertigt, daß ein Jeder mit Wort und That den löblichen Zweck unterstütze! Der betreffende „Aufruf" lautet folgendermaßen: ES ist eine unbestrittene Thatfache, daß kein Volk der Erde daS Andenken an seine Verstorbenen mehr ehrt, als Israel. So wie der sterbende Israelit schon Gegenstand der frömmsten Aufmerksamkeit und von Freundeshand in die Ewigkeit geleitet wird, so bleibt sein Andenken den Seinen auf ewige Zeiten heilig und wird, durch Handlungen der Pietät fortgepflanzt, gleichsam der schützende Genius der Familie. Männer aber, welche die Väter, d. h. die geistigen Erzieher für ganz Israel waren, verdienen diese Pietät im höchsten Grade. Alle Völker ehren ihre großen Männer durch Monumente, sie glauben, und mit vollem Rechte, sich selbst damit zu ehren. Wenn wir nun auch nach dem AuSspruche deS jerufalemischen TalmudS: B-’p-nsb mussa ■pov nmaat in in im-an prunkende Monumente nicht setzen sollen, so ist eS aber doch gewiß im höchsten Grade Pflicht und Schuldigkeit, schon bestehende Denkmäler dem Verfall zu entreißen, und waS die Vergangenheit unS an solchen überlieferte, der Nachwelt zu erhalten. WormS, die älteste israelitische Gemeinde in Deutschland, birgt eine große Menge solcher Denkmäler der Vorzeit. So steht noch heute die Synagoge von ■*»“! (die Klause) und dessen LehrhauS (->«->- Stuhl). Auf dem Friedhofe befindet sich eine große Zahl von Leichensteinen berühmter Männer, welche hier gelebt und gelehrt haben, und theilweise als Märtyrer für den Glauben gestorben find, unter denen die von ,^nn?2 12 rnn» cnna ,ü->v3-w ,“i «msr nin ,^omn Ein ,öo brn in-H« i ">3113 n»2 man ,nywnsa«n genannt bmrn bs-w», welche ewig ehrwürdige Denkmäler unstreitbar dem Verfalle anheim gegeben sind, wenn dem nicht in aller Kürze begegnet wird. Wir erlauben unS daher, unS mit einem Aufrufe an ganz Israel zu wenden und alle Gemeinden und Individuen aufzufordern, zur Erhaltung derselben beizutragen. Unsere Gemeinde würde sich dieser Pflicht allein unterziehen; aber einerseits machen es ihr, schwere, auf ihr noch heute ruhende, auS der Vorzeit herrührende Lasten unmöglich, die dadurch entstehenden bedeutenden Kosten allein zu bestreiten, andrerseits sind jene leuchtenden Lehrer und ihr Andenken Gemeingut von ganz Israel, und wir find eS der Gesammtheit schuldig. Keinen, nah oder entfernt, reich oder arm — der Beitrag sei groß oder klein — von der Betheiligung an dem alle ehrenden Werke auszuschließen. ES sollen also durch diese Beiträge jene Grabmäler auf dem hiesigen Friedhofe hergerichtet und Raschi'S Lehrstuhl und Synagoge renovirt werden. Da diese Synagoge sich in einem alten, ebenfalls mit Verfalle drohenden Gebäude befindet, und dieses nur unter der ausdrücklichen Bedingung überlaffen worden ist, daß die Synagoge von Rafchi darin erhalten, das Gebäude selbst aber einem frommen, wohlthätigen Zwecke geweiht bleibe, so soll daS Letztere zugleich würdig hergestellt werden; der etwaige Ueberfchuß der freiwilligen Beiträge aber soll zu einem der Idee und der Verehrung von Raschi entsprechenden Zwecke allgemeiner Wohlthätigkeit oder Verbreitung jüdischer Gelehrsamkeit verwendet werden. Die näheren Bestimmungen hierüber sollen hiernächst nach einer Berathung mit einem Ausschüsse der auswärtigen Förderer dieser Angelegenheit getroffen werden. Die Namen aller Geber werden in ein zu dem Ende hinterlegtes Gedenkbuch (nin-ivr nsv) eingetragen, und alljährlich soll in Raschi'S Synagoge zum Andenken an die Geber ein feierlicher Gottesdienst abgehalten werden. Ueberzeugt, daß mit diesem frommen Unternehmen dem Wunsche aller unserer Glaubensgenossen begegnet wird, haben die Unterzeichneten keinen Anstand genommen, sich zu einem Komite zu bilden, das bereit ist, die eingehenden Beiträge entgegen zu nehmen, und seiner Zeit pünktliche Rechnung über deren Verwendung abzulegen. Möge an dem zu verewigenden Andenken jener großen Männern der Glaube und die Zuversicht Israels erstarken und jene Verheißung sich verwirklichen. „Wer Mildthätigkeit zu üben und stets Liebe zu erreichen strebt, der findet Leben, Glück und Ehre." WormS, im Juli 1853.

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