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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-15 · Heft 34 (15.8.1853) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 34 (15.8.1853)
Date
1853-08-15
Page
Seite 420 (sequence 2)
Language
German
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420 zwei Könige (Ischboschet und David) die Stämme feindlich gegenüber stellten. Kurz war die Eintracht unter David und Schelomo, als die schon unter diesen Königen oft durch Aufruhr erschütterte Einheit zerbrach, und das Volk, bald von den großen afrikanischen und astatischen Dynastien umrungen, in zwei feindliche Lager trennte, die sogar fremde Herrscher zu gegenseitiger Zermalmung herbeiriefen und besoldeten. Welche Bürgerkriege durchrasten daS Reich der zehn Stämme. Was Wunder, daß beide Reiche zerstäubten! Was führte den Sturz der hasmonäischen Familie herbei, wenn nicht der Bruderkampf ihrer einzelnen Glieder, welche den Römer zum Schiedsrichter in's Land riefen, um so ohne Kampf dem ländergierigen Feinde den Nacken zu beugen? Und wodurch endlich ist Jerusalem vor dem Römer gefallen? Nicht durch die tapfersten Veteranen, welche er zum Kampfe auS dem fernen Brittenlande herbeirief — sondern nur durch den blutigen Zwist der Parteien unter den Juden, welche, wenn der Römer einen Fußbreit zurückgewichen war, die augenblickliche Ruhe benutzten, statt sich zu erholen und neue Kräfte zu sammeln — sich gegenseitig mit Schwert und Lanze zu tilgen und die nur noch eingebildete Herrschaft einander streitig zu machen.... Und nun vergleichet Kleines mit Großem, und gehet in daS kleinste Dorf, wo Juden wohnen — und ihr werdet sie offenbar oder heimlich in erbittertem Kampfe treffen. Ich spreche heute gar nicht von den religiösen Spaltungen, sondern von den materiellen Verhältniffen. Ta meist an einem Orte die Mehrzahl der Juden dieselben Gewerbszwcige betreiben, und da sie gerade hierdurch diese Gcwerbszwcige beherrschen — so scheint es doch das Einfachste, daß sich die Leute hierüber verständigen, um, ohne irgend dem Gemeinwesen zu nahe zu treten, in Frieden ihr Gewerbe zu betreiben und den gerechten und verdienten Nutzen daraus zu ziehen.... aber, Gott bewahre! da treten sie lieber in Konkurrenz mit einander, in erbitterte Konkurrenz, in eine Todfeindschaft, sie bekämpfen, fie überbieten sich, sie verleiten fich zu Schwindel und Schleuderei, nur um den Andern zu erdrücken, fie erniedrigen fich zu den gemeinsten Praktiken, um daS Publikum allein in sein Haus zu bringen und das des Andern zu veröden, kurz, fie drücken die Preise und' ihren Stand - tief in den Staub herab, fie — ruiniren fich selbst, und nur— auS der thörichsten Leidenschaft gegen einander.... In der That dies ist so häufig und in so ungeheurem Maße der Fall, daß, wer fick als Jude firhlt, das Auge mit blutendem Herzen von diesem erniedrigenden, entsittlichenden und zur Verarmung führenden Schauspiel abwendet.... DieS ist aber nur eine Episode in der großen Tragödie, welche die Juden seit Jahrhunderten im Ganzen aufführen, auch nicht im Entferntesten die Kraft zu besitzen, fich zu irgend Etwas, und sei es das Unbedeutendste oder daS Vortheilhafteste zu vereinigen. Man zuckt die Achseln über die Zünfte, Gilden, Innungen u. s. w., man nennt sie Produkte deS Mittelalters, man macht fie IheilS lächerlich, theilS befeindet man fie. Und doch find fie als Vereinigungen von Genoffen, von Konkurrenten, von solchen, deren individuelles Interesse oft dem Gemeinsamen widerstreitet, mit dem moralischen Zwecke, den Stand, seine Würde und seine Vortheile aufrecht zu erhalten, sehr bewunderungswürdig. Unsere moderne Zeit hat dergleichen Verbindungen nur aufzulösen, nicht zu schaffen gewußt: fie macht auS der Menschenmasse nur Atome, ja, fie legt Tag für Tag die Hand auch an die jüdische Gemeinde, um fie aufzulösen. Wie wenig die Juden fich zu vereinigen verstehen, kann man täglich zu ihrem Schaden bemerken. Daß ohne Zwang eine Gemeinde, und sei es die kleinste, sich einer andern zu gemeinsamem Verbände anschließe, wäre sicherlich eine seltene Ausnahme; daß fie fich fr eiwillig zur Herstellung eines Werkes, etwa eines Hospitals oder einer Lehranstalt u. dgl. verbänden, wer hätte dies je vernommen; einzelne, gutgefinnte Personen mögen dies wohl thun, aber Gemeinden als solche werden dafür nie Sinn und Takt haben. Etwas zu thun, was anderen Gemeinden auch zu Gute käme — das fällt ihnen nicht im entferntesten ein. „Lasset Die für sich selbst sorgen!" ist die Antwort... Und so haben wir sicher Recht, wenn wir sagen, die Juden wissen nicht, was fie vermöchten, und dadurch allein wurde ihre Geschichte so traurig... Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bad Homburg, im Juli. (Privatmitth.) Wenn daS Jahr 1848 für die Israeliten in irgend einem Staate günstig wirkte, so find es doch besonders die in hiesiger Landgrafschaft, da denselben die Gleichstellung stets mit der größten Strenge gewahrt und aufrecht erhalten wird. Als Beweis diene folgende Begebenheit: Nachdem die Israeliten in hiesiger Landgrafschast ihren christlichen Mitbürgem in allen Rech-

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