Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 34 (15.8.1853)
- Date
- 1853-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 34. xm Zahrganz. Allgemeine Zeitung -es Iudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: »r. Ludwig Philippson, Dr. V. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 15. August 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Montags, und wird jährlich 78 Dogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. *>. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Rgr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate—22'/- Ngr. (IS g@r.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Seitungs-Erveditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Erredition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Kraft des Selbstbewußtseins. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bad Homburg, au« Baben, Großher^oqlbum Baden, Worm«, Worms, au« Baicrn. Oesterrelchis ch cr Kaiserstaat: Baden, Buczacz. Großbritanicn: London. Amerika: St. Thomas. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Eine grammatische Reflexion.— Deutsch-jüdische Sprüchwörter aus Hamburg. (Fortsetzung.) Literarische Nachrichten: Magdeburg. Pesth. Leitender Artikel. Magdeburg, 8. August. Die Kraft des Selbfibewußtserns. Was die Juden in ihrer langen Geschichte gelitten haben, das verschuldete zum großen Theile ihr Mangel an Selbstbewußtsein. Dieser Ausspruch wird auffallcn, da gerade im Gegenthcil seit langer Zeit man gewohnt war, den Juden Selbstüberschätzung vorzuwerfen. Wie oft blickt man noch heute scheel darauf, daß die Juden „sich für daS auserwählte Volk Gottes" hielten — obschon sie darauf nicht blos aus ihrer eignen Geschichte, sondern auch aus der Geschichte der anderen positiven Religionen das volle Anrecht hätten. Aber das war nur ein Selbstbewußtfein in abstracto, desto mehr mangelte den Juden von jeher das Selbstbewußtsein m concreto, d. h. das Bewußtsein dessen, was sie in ihrer Vereinigung vermöchten, welche Kraft und welche Macht in ihnen läge, wenn sie dieselbe begriffen. Die heilige Schrift spricht häufig aus: wenn Du Deinem Gotte treu anhängen wirst, wenn er in Dir lebendig sein und Du in ihm leben wirst, so wirst Du alle Völker besiegen. Niemand Dir etwas anhaben können, „Du wirst sicher wohnen, Keiner schrecket auf!" Und fürwahr! so war und ist es. Brauchen wir auf die Geschichte aller Völker hinzuweisen, wie oft ein Dölklein sich gegen die ungeheuersten Herresmassen siegreich vertheidigte und triumphirend aus dem Kampfe hervorging, wenn eS von einem Lcbensprinzipe erfüllt, begeistert, entflammt war? Und wo gäbe es ein kräftigeres, ein siegreicheres Lebensprinzip als das religiöse? Und was war je das Lcbensprinzip Israels anders als die Religion, als die angestammte, als die zugleich den ganzen Menschen beftiedigcndc Religion des Ewigen? Der Ausspruch der Schrift hat sich glänzend bewährt, denn immer, wenn dieses Israel von seinem Gotte erfüllt war, wenn eS sich um Ihn geschaart und vereinigt hatte, warf es seine Feinde nieder, so unermeßlich auch ihre Schaaren waren. Viele find siegreich in Jerusalem eingezogen, aber auch Viele und Große wurden von seinen Thoren abgewiesen, und zogen schimpflich heim. Aber das Unglück war, daß zu aller Zeit dieses Volk zur Spaltung, ja zum bittersten Kampfe in seinen eigenen Reihen geneigt war. Kaum daß die Zerfahrenheit unter den Richtern in die Monarchie unter Schau! aufgegangen war, als nach dessen Tode schon 7 Jahre lang