Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 33 (8.8.1853)
- Date
- 1853-08-08
- Page
- Seite 416 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Bewandtniß habe es mir den westfälischen AmtSgenoffen, die hätten gegründete Ursache sich von der Konferenz zurück zu ziehen. Vor einigen Jahren sei der Beschluß gefaßt worden, ste bald im Rheinlande, bald in Westfalen abzuhalten. Essen ward als nächster Versammlungsort bestimmt. Dennoch habe der Präsident trotz dieses Beschlusses ste wieder für Krefeld ausgeschrieben. Darüber seien viele Lehrer Westfalens ungehalten, und das sei auch die Ursache ihres Nichterscheinens. Der Präsident verweist Herrn Cramer über beregten Punkt auf die vorjährigen Protokolle. Er habe darin seine Rechtfertigung über die Veränderung des Beschlusses, der vor zwei Jahren gefaßt worden, niedergelegt und halte es deshalb für zeitraubend, sich darüber wiederholentlich;u verbreiten. Namentlich bemerkt der Redner noch, daß die Schuld der schwachen Bethciligung weder hierin noch darin zu suchen sei; sie sei lediglich vom guten Willen der Lehrer selbst abhängig. Sie könnten wohl, wenn sie nur wollten. Das aber sei, leider! nicht der Fall. — Damit fand das Ganze sein Bewenden. Asch spricht hierauf über die Methode beim Uebersetzen des Pentateuchs. Es geht daraus hervor, daß er das wörtliche Uebersetzen verbunden mit dem Grammatikalischen dem halb- oder ganz satzweisen vorziehe. Letzteres führe die Kinder mehrentheils auf sinnloses Nachsagen hin. Es komme in der Schule mehr auf die Qualität als auf die Quantität an. Da nun ziehe er auch daS Eine dem Andern vor. Das Kind würde zwar durch das satzweise Uebersetzen schneller weiter gebracht, aber der Vortheil sei nur ein momentaner, wohingegen das wörtliche Uebersetzen einen dauernde gewähre. Mehre sprachen sich für die Anwendung beider Methoden aus und man einigt sich endlich dahin: der gute Lehrer müsse das wörtliche und nicht ganz wörtliche Uebersetzen gehörig anzuwenden und zu verbinden wissen. Daraus komme es hauptsächlich an. Beides müsse Hand in Hand mit einander gehen, aber so, daß keines in Mechanismus ausarte, was besonders leicht bei Letzterem eintreten könne. Cramer stellt, durch Obiges veranlaßt, folgenden Antrag: Jedes Mitglied arbeite ein beliebiges in daS Schulfach einschlagende Thema aus und lege diese Arbeit der nächstfolgenden Konferenz zur An- und Durchsicht vor. Dadurch könne der Gegenstand weit gründlicher behandelt werden. Die Zeit sei viel zu kurz, um reiflich darüber nachzudenken, geschweige gründlich darüber zu sprechen. Da sich Keiner zum Worte meldete, um darüber zu sprechen, geht man zur Abstimmung über; ste ergiebt dessen Annahme. Goldstein erhält in Betreff der Anlegung von Schullesebibliotheken das Wort. Er bedauert es sehr, daß sich sowohl von Seiten der Lehrer, als auch der Gemeinde eine so große Lauheit dagegen kundgebe. Als im vorigen Jahre Herr vr. Ludwig Philippson die Anlegung kleiner Schulbibliotheken für die Jugend so warm empfohlen und auch ein desfalfiger Antrag fast gleichzeitig in unsrer Konferenz gestellt, besprochen und angenommen worden, da habe man mir einem Male einen starken Anlauf gemacht. Es that sich ein allgemeines Interesse dafür kund. Dieses rege zu erhalten, erklärte sich der Herr Redakteur dieses Blattes bereit, den Lehrern bei Anschaffung solcher Bücher behilflich sein zu wollen. In Folge dessen meldeten sich gleich darauf auch mehr denn fündig Lehrer bei ihm. Um nun die Anfragen schneller zu erledigen, wurde ein Verzeichniß von Büchern, die noch zudem zu einem billigcrn Preise erlassen wurden, durch die „Allg. Ztg. d. Judenth." veröffentlicht. Und dennoch haben sich im ganzen deutschen Vaterlande kaum ein Dutzend Lehrer bereit gefunden. Etwas zu deren Verwirklichung beizutragen. (Man lese nur den dieses betteffenden, leitenden Artikel Jahrg. 1852 Nr. 42 der Allg. Ztg. d. I.) Schließlich bittet er den Präses noch, in seinem Sprengel alles . Mögliche dafür zu thun, damit der angenommene Antrag hier wenigstens seinerVerwirklichung entgegengeführt würde. Wilmersdorf: Es sei besonders darauf zu sehen, daß unsrer Jugend auch solche Bücher in die Hand gegeben werden, die nur spezifisch Jüdisches enthalten. DaS sei ein gutes Mittel, dem Jndifferentismus gegen unsere heilige Religion entgegen zu wirken. „Meine Herren! wir bedürfen auch einer innern Mission. In unseren Kindern müssen die herrlichen Ideen unsrer erhabenen Religion groß gezogen werden. Das ist sehr nothwendig. Hierzu müssen wir Lehrer das Unsrige beittagen. Thun wir deshalb auch für sie, waS wir nur eben ermöglichen können, um diesen schönen Zweck zu erreichen und legen wir, wie mein Freund Goldstein dorgeschlagen, Schullesebibliotheken an, wodurch die Bildung unsrer Jugend gefördert und das religiöse Gefühl für den angestammten Glauben unserer Vater geläutert und gehoben wird. Selbst bei den Eltern wird dadurch daS schlummernde Interesse für das Judenthum wach gerufen. Ist doch bisher fast Nichts geschehen, ja Manches versäumt und vernachlässigt worden, so daß der Nihilismus auch bei uns (leider) ver-