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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-08 · Heft 33 (8.8.1853) · p. Seite 414

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 33 (8.8.1853)
Date
1853-08-08
Page
Seite 414 (sequence 8)
Language
German
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414 statt „während", sollte auch wohl eigentlich „dieweil" heißen, welches beide Bedeutungen hat (e. g. kann Dir die Hand nit geben, dieweil ich eben lad'). Der VolkSwitz hat fich indeß von Alters her des Wortes bemächtigt, und sagt propter hoc, weil u. s. w. Er hat darin ganz recht, der VolkSwitz. Er steht die OppofitionS- und DiSputirsucht gar zu sehr verbreitet, um ihm nicht auch beim Kultus eine Stelle zu geben. Wo beständig JiSborach gesagt wird, wenn der Chasan sagt Borchu, die Fälle aufznzählen wird Niemand von mir verlangen,-da ja Zeder nur in seinen eigenen Busen greifen kann. Es wird ihm nicht viel Studium seiner selbst kosten, um eine ganze Reihe solcher Phänomene aufznfinden. Glücklich genug, wenn zwischen Mann und Frau nicht ein solches Duett eristirt! Doch hier schützt zumeist die Unsicherheit der Qualitäten, da ja selten feststeht, wer da Chasan und Kohol ist. — Einen Anhang zu diesem Spruche bildet der: * 41. Auf solchen Kaddisch gehört solch' ein Borchu. Was wohl ganz gut übertragen ist in dem französischen: ä fripon, fripou et demi. 42. Ein gleich Wörtchen mag man in der 2omkippur-Schemoneh-Esreh sagen. Uebersetzung: Die größte Andacht darfst du unterbrechen. Um rasch ein gutes Witzwort auszusprechen. Da habt ihr den ganzen Juden! Wenn man alle Winkel der Völker- und Kirchengeschichten durchstöbert, man findet gewiß nicht ein ähnliches Sprüchwort. Welch eine Distance von dem Spartanerknaben, der sich stumm den Bauch von einem Fuchs zerbeißen ließ, um nur die Ritualien nicht zu stören, bis zu diesen Juden, die ein Lazzi, das ihnen auf der nüchternen Zunge brennt, nicht unterdrücken könnenAber so waren sie von jeher! Witz über Alles! Natürlich, der Witz ist eigentlich nur ein verwandeltes Losschlagen, und wer zum Losschlagen nicht kommen kann, der hilft.sich mit Witz. Aber wie haben wir ihn in Beschlag genommen! Wahrend Griechen und Römer fich mit dem Schönen und Erhabenen abquältcn, da jagten wir, eben weil wir auf dem Gebiete des Erhabenen nichts weiter zu finden hatten, dem Witzigen nach. Die spätere Geschichte der Juden ist voll von Witzen, die großentheils schlecht belohnt wurden, die jüdische Bibelerklärung, ja das Rituale selbst ist voller Witze. Mit einem Witz tritt der Jude in's Leben, indem er die Namen Reuben und Gnändel, nach allen kasuistischen Entscheidungen rite erhält, und dann, sogleich als Romeo und Giulietta lustig in der Welt umherläuft; mit einem Witz verehelicht er fich, indem er seiner Braut zweihundert Loth Silber zu zahlen vorgiebt, während^ er doch umgekehrt sehr lange akkordirt hat, wie viel sie ihm bringen solle, mit einem Witz will er am Rande des Grabes noch den Todesengel verblüffen, indem er sich geschwind einen andern Namen, auf den die Zitation nicht lautet, beilegt. Keine drei Juden finden fich zusammen, ohne daß Bonmots auSgerauscht, in Kommission genommen und verbreitet werden, und der Verfaffer von besonders pikanten „Wörtchen" konnte von jeher auf Ruhm und Unsterblichkeit rechnen. Ich erinnere beispielsweise an die Flamen Leiser Neugaß, Löble Fürth, und den unerschöpflichen, noch jetzt fruchtbaren „jener Palack" der aber häufig im Fache der irisch buils Handtiert. Handwerksmäßige Witzbolde waren früher in Deutschland und in den sarmatischen Landen wohl noch, die Marschalke, Possenmacher u. s. w. Am eigenthümlichsten ist aber die fortwährende Anwendung des Wortwitzes auf die theologischen und Religionsvorträge. Die Worte: „Ich habe einmal sehr gleich geredet, nämlich u. s. w. waren und find in Polen noch vielleicht noch ein ganz gebräuchlicher Eingang einer Drösche, insbesondere der wandernden Prädikanten (Maggidim), von denen einige in diesem Fall Großes leisteten. Ein solcher Maggid war vor beiläufig 40 Jahrend einmal hierher gekommen und hatte vom Gemeindevorstande die Erlaubnis aufzutreten, nicht erhalten können, der Mann ward hierauf krank und kam inS jüdische Krankenhaus. Der Hospitala^t untersuchte seinen Zustand, fand Nervenreiz, die Verdauung gestört, den Puls unruhig, und fragte ihn weiter aus: Ach, sagte der Mann, die Krankheit würde ich gar nicht achten, ich bin schon oft krank gewesen: aber daß ich hier nicht darschenen (predigen) konnte, das liegt mir zumeist auf dem Herzen, ich hätte gewiß Beifall gehabt. Was wollten Sie denn eigentlich vortragen? Lassen Sie doch einmal hören, sagte der Arzt. Ach, ich hätte sehr gleich geredet. Und nun fing er an all seine „gleiche Sachen" herzusagen, wohl eine Stunde lang. Der Arzt saß am Bette, hörte zu, warf auch wohl einmal ein Wort dazwischen und beobachtete aufmerksam den Puls des Kranken. Als dieser endlich geschlossen hatte, ließ er den Arm los, und sprach: so, nun ist der Unflath heraus, nun find Sie auch wieder gesund. Es war blos Ihre Rede, die Ihnen in den Gliedern steckte! Noch jetzt find in ganz Deutschland Juden unter den Leüböcken der witzigen und homoristi-

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