Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-08 · Heft 33 (8.8.1853) · p. Seite 410

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 33 (8.8.1853)
Date
1853-08-08
Page
Seite 410 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225822-3225856--13297-3299596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

410 Zimpel zu machen, und noch weniger mit demselben in irgend einem Verkehr gestanden zu sein. Ferner S. 5 erzählt Herr Zimpel, von dem geistig armen Zustande, in dem die Aschkenasim (europäische Juden) schmachten, und von dem niedrigen Grade der Moralität derselben. ES ist wahrlich einem Manne von guter Erziehung unwürdig, solche Verleumdungen gegen eine ganze Gemeinde auszustoßen, Menschen, die von den zivilisirten Landern Europas hierher gekommen find, als Hotentoten und Eskimos zu schildern, was ganz und gar falsch ist, denn die englischen, französischen, holländischen, deutschen, polnischen und russischen hier eingewanderten Juden besitzen ähnliche geistige Bildung und Moralität, als ihre Glaubensgenossen in den genannten Ländern, die eingebornen Juden stehen zwar in geistiger Hinsicht den Eingewanderten nach, ihre Moralität aber ist makellos, und in dieser Hinsicht die eingebornen Christen und Mahomedaner weil übertreffend. S. 5 erzählt Herr Zimpel, daß daS Haus Rothschild schon einmal 100,000 Francs für die Israeliten in Jerusalem verwendet hat, dieses ist nur zum kleinen Theil wahr, denn die Spendung des Herrn Baron Gustav de Rothschild aus Paris und eine spätere Sendung des Hauses Rothschild machten zusammen nur circa 10,000 Francs aus, welche auch den Wohlthätigkeitszweck erreicht und ein dauerndes Denkmal der Dankbarkeit in den Herzen der Armen hinterlassen haben. S. 6 sagt Herr Zimpel: Bei Prüfung der Verhältnisse hat mich der hier lebende jüdische Arzt Dr. Simon Fränkel aufs kräftigste und bereitwilligste unterstützt. Diese Angabe klingt sehr befremdend, Herr Frankel, der hier von Sir MoseS Monlefiore etablirl ist, um daS englische Missionshospital entbehrlich zu machen, hat sich bereitwillig hergegeben, einen Mann, der für die amerikanische Mission thälig ist, aufs kräftigste zu unterstützen? S. 7—8 schildert Herr Zimpel die Juden der heiligen Stadt mit all den abgedroschenen Phrasen eines alten Schlendrians vom Judenhasse, der einem Eisenmenger würdig ist. Wir können nur darauf die Worte des Propheten antworten: Herr, du hörest ihre Schmach, und alle ihre Gedanken über mich, die Lippen meiner Widerwärtigen, und ihr Dichten wider mich täglich. Schaue doch, sie gehen nieder oder stehen auf, so singen sie von mir ein Liedlein. (Klagl. Jeremiä, Kap. 3 V. 61. 62. 63.) Wir haben aber nicht nöthig, diese groben Unwahrheiten zu widerlegen, von deren Nichtigkeit die gebildete Welt in Europa überzeugt ist. Die Zeiten sind schon längst vorüber, wo der Reisende bei seiner Zurückkunft aus dem Oriente Märchen zum besten zu geben pflegt, Palästina ist nicht mehr eine terra incognita, durch verschiedene Dampfschifffahrtslinien find wir mit Europa in steter Verbindung, und die Zahl der gutgesinnten Touristen ist zu groß, als daß solche Fabeln Glauben finden sollten. S. 9—10 schildert Herr Zimpel die hier lebenden Amerikaner als eine Gesellschaft von Judenbeglückern, denen noch Tausende folgen sollen. Wir sehen daraus, daß der Herr vr. in der Kunst von einer Fliege einen Elephanten zu machen eine Fertigkeit besitzt; das Ganze reduzirt sich auf einen Missionär, vr. Barclay, und ein Paar Kolonisten auS den Vereinigten Staaten von Nordamerika, die mit dem gewöhnlichen SpekulationSgeiste der Amerikaner, ihr Glück hier versuchen wollten, und von einem gewissen Meschulem hinter daS Licht geführt, eine kleine Farm anlegten, die aber schon in der Auflösung ist. S. 11 giebt der Verfasser als Arzt 3 Heilmittel an, um die Krankheit (die schlechte Lage der Juden in Jerusalem) zu heben). Wir wünschen dem Herrn vr. in seiner sonstigen PrariS mehr Glück bei der Wahl seiner Heilmittel als hier, und wollen dieselben einzeln kurz betrachten. DaS 1. Heilmittel ist: moralische Erziehung der Jugend und Erweckung reiner religiöser Grundsätze. Ganz richtig. Wir bedauern aber, baß Herr Zimpel unsere Erziehungsanstalten nicht besucht hat, denn er hätte sich müssen überzeugen, daß unsere Jugend streng religiös und moralisch erzogen wird. WaS aber Herr Zimpel unter Erweckung reiner religiösen Grundsätze versteht, begreifen wir nicht, außer gewisse fromme Wünsche eines Missionärs. AlS 2. Heilmittel giebt Herr Zimpel an: Anleitung und Befähigung zur Ausübung deS Ackerbaues für die Erwachsenen. Welche Hirngespenste! Menschen im vorgerückten und hohen Alter, die hierher auS verschiedenen Weltgegenden kommen um den Rest ihrer Tage mit religiösen Uebungen zubringen zu können, zum Ackerbau anzuleiten! Dabei ist noch bei dem barbarischen Zustande deS Landes und der Fanatismus der Mahomedaner, der Aufenthalt auf dem Lande mit Lebens- und VermögenSgefahr verbunden, wodurch die Agrikultur auch für die arbeitsfähigen Juden eine Unmöglichkeit ist, wie wir eS bei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.