Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 33 (8.8.1853)
- Date
- 1853-08-08
- Page
- Seite 409 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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409 seine Mildherzigkeit und wahrhaft königliche Gastfreundschaft bekannt, wird sein Tod in den weitesten Kreisen daS aufrichtigste Mitgefühl erregen. Rußland. Von der polnischen Grenze, 24 Zuli, schreibt die Brest. Zlg.: Das unterm 20. d. Mts. verkündete Dekret des Kaisers, nach welchem den Rabbinern und Lebrern jüdischen Glaubens, bei dreijähriger Zuchthausstrafe oder auch 10 bis 12jähriger öffentlicher Strafarbeit, befohlen wird, dafür einzustehen, daß jüdischen Jungfrauen, wenn sie sich verheiratheten, daS Haupthaar nicht abgeschnitten werde, hat unter den Israeliten unsers polnischen Königreichs große Sensation gemacht. — Für so allgewaltig man auch die russische Polizei im Auslande hallen mag, so ist sie doch nicht mächtig genug gewesen, um den Ausdruck der allgemeinen Mißbilligung, den dieser neueste Befehl unter den Altgläubigen hervorgerufen hat, zu unterdrücken. — Natürlich sehen die Juden daS in Rede stehende Dekret für einen Angriff auf die ihnen verfassungsmäßig zugesicheree ReligonSfreiheit an. — Bei der Höhe, welche die jüdische Bevölkerung im Königreich Polen erlangt hat, bei der innigen Verbindung, in welcher sie durch den öffentlichen Verkehr zu der polnischen^ Nation steht, haben die Juden aufgehört, in Polen wandernde Gäste zu sein; sie sind dort zu einem Volke, zu einer Macht geworden. Der jüdische Volksstamme im Königreich Polen jählt jetzt 543,000 Seelen. — In den Städten Kalwary, Mariampol, Wilkowischki, Seney, Serey u. s. w. ist kaum der dritte Mensche ein Christ, und in Wilna, Grodno und Bialistock, bilden die Juden den prädonominirenden Theil der ganzen Stadtgemeinde. — Wie weit die Juden sei dem Jahre 1831 (früher war dies nicht der Fall) selbst auf die administrativen Verhältnisse im Staatshaushalte des, seit der Revolution von 1831 russisch organisirlen Königreichs Polen influiren, geht daraus hervor, daß bis zum Jahre 1849 der Materialertrag sämmrlicher Staatsforsten des Guberniums Plock und Augustow, so wie die Hütten- und Bergwerke des frühern Guberniums Krakau später Kiele, mit dem gleichzeitigen Ertrage der 300,000 Morgen s 300 Q.-R. großen Bergwerksforsten, an sie verpachtet war. — Männer vom Fache, welche Staatsdienste suchten, mußten sich an diese Juden wenden, und waren im Dienste als Staatsbeamte ihnen verantwortlich. Die Juden haben beschlossen, dem Kaiser, dessen Ankunft zur Berchtigung der Armee von Warschau jetzt mit Bestimmtheit erwartet wird, durch eine Deputation ihre Treue sowohl für dessen allerhöchste Person als wie für ihren eigenen Glauben versichern und ihn dabei um Rücksicht für letztem bitten zu lassen. Palästina. Jerusalem, 3. Juli. (Privatmitth.) Ein Schriftcheu unter dem Titel: „Eine Denkschrift, gewidmet allen Israeliten, von F. Zimpel, Dr. Med. et Pliilos., Stuttgart, 1852", in der alle Israeliten aufgefordert werden, die amerikanischen Missionäre in Jerusalem, ohne Zeitverlust, mir Geldbeiträgen zu unterstützen, damit sie die Lage der Juden im gelobten Lande verbessern, und den Weg anbahnen, die Letzteren dem Himmel näher zu bringen (S. 15 und 21), erregte unsere Aufmerksamkeit. Wir wurden überrascht darin zu sehen, daß der Verfasser einen ganz neuen Weg einschlägt, der dem gewöhnlichen von Missionären betretenen schnurstracks entgegen läuft; den während ein Missionär vom Fache den Juden Geld anbietct, um von ihnen Glaubenszugeständnisse zu erlangen, macht Herr Zimpel den Juden Glaubenszugeständnisse (S. 3—4), um von ihnen Geld zu erhalten. Wahrlich eine wichtige neue Erfindung, die das bisherige Judenbekehrungssystem ganz umändern soll, und den Namen des Herrn Zimpel gleich den eines Gullenberg, Galvani, Newton, Foulton u. dgl. unsterblich machen wird. Weit entfernt die Rezension solcher Pamphlete vorzunehmen, wollen wir nur mit Erlaubniß des Hrn. l)r. einige seiner Angaben korrigiren, die in solcher Entstellung der Wahrheit, nur auS unlauteren Quellen, und zu ähnlichen Zwecken, geschöpft werden könnten. S. 5 sagt der Verfasser, die Zahl der in Jerusalem lebenden Israeliten soll sich nach Angabe der Rabbiner auf 10,000 Seelen belaufen. Dieses ist ganz gegen die Wahrheit, die Zahl der Israeliten in Jerusalem ist circa 6500, nämlich 5000 Sefardim und gegen 1500 Aschkenafim. WaS die Angaben der Rabbiner betrifft, müssen wir abermals mit Nicht Wahr beantworten, denn die Rabbiner Jerusalems halten nicht die Ehre, die Bekanntschaft deS Herrn