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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-08 · Heft 33 (8.8.1853) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 33 (8.8.1853)
Date
1853-08-08
Page
Seite 407 (sequence 3)
Language
German
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407 und siudiren und beobachten und vergleichen, und — endlich kuriren. Ich dachte: sie werden dies um so besser können, da sie sa selbst in großer Anzahl an dieser Krankheit leiden, also an sich selbst zu beobachten und zu erpcrimentiren vermögen. Ich träumte mir schon die Errichtung großer Heilanstalten, und sah mich um, wo sie wohl am zweckmäßigsten angclcgr werden möchten, ob in diesem oder jenem deutschen Lande, ob diesseits oder jenseits der Weichsel, ob besser in einem Lande, wo Viele an dieser Krankheit leiden, um den Patienten den Zufluß zu erleichtern, oder wo Wenige, um nicht sofort den Geheilten der Ansteckung wieder auSzusetzen — ich wollte schon eine Subskription dazu eröffnen, ich freute mich schon im Namen der Apotheker über die ungeheuren Massen von Vomitiven, Laranzen rc. die verbraucht, im Namen der Bader über die außerordentliche Summe von Aderlässen, Schröpfköpfen, Blutcgln rc., die nothwendig werden würden-Halt! da kam mir in den Sinn: weißt Du denn auch, ob überhaupt diese Krankheit heilbar sein wird? Wie viele Geisteskrankheiten können denn überhaupt geheilt werden? Und da alle Welt an dieser Krankheit leidet, brauchen die Kranken nicht einmal besondere Irrenhäuser, sondern die ganze Welt ist ihr desfallfiges Irrenhaus... Es schlug mich dieser Gedanke ungewöhnlich nieder, und ich bin seitdem fast selbst krank geworden, ich könnte tollwurh werden über die Tollwuth des Rischus — ich fühle mich fast schon geisteskrank über diese Geisteskrankheit, ich fühle — Gott bewahre mich! — schon selbst Rischus über alle Reschaim... O nur diese eine, diese eine Frage beantwortet: ist diese Krankheit heilbar? oder unheilbar?... Wahrlich, es ist für mich ein trauriger Zustand eingetreten) wenn ich in den Zeitungen täglich annoncirr lrse: „Die Schwindsucht heilbar!" oder „Keine Hämorrhoiden mehr!" oder „Absolut keine Hühneraugen mehr!" — wie schlägt mein Herz mir: wirst Du einst auch lesen: „Der Rischus heilbar!" oder: „Kein Rischus mehr!"? Wenn ich allerwärts „ Goldbergcr'sche Ketten" oder „kevalenta srabica" oder solche Wunderdinge angcpriesen sinde, frag' ich mich: wirst du auch einst „Rischus-Ketten" oder Ketten gegen den Rischus" — nachdem so lange Ketten vom Rischus vorhanden waren — oder „Relevatio judaica“ u. dgl. empfohlen , bewundert, in Unmassen verbraucht finden, mit 101 Zeugnissen von der wunderbaren Wirkung? oder niemals, niemals, niemals?... Dieses „Bangen und Hangen", dieses „Leidvoll und Freudvoll", dieses — kurz diese Sehnsucht nach der Therapie deS Rischus läßt mich nicht mehr schlafen, nicht mehr ruhen — da dacht' ich: willst deine Zuflucht zu Dem nehmen, der daran schuld ist — großes U mir dem lateinischen v. davor, großes U in der Altmark, hilf mir!... Also ich erwarte mit Allernächstem eine ausführliche und auf Erfahrung und Kombination gegründete Therapie des RischuS, oder — Sie haben viel Unheil wenigstens für mich angcrichtet, liebes ll... Denn sagen Sie, was hätten Sie in der Wirklichkeit mit Ihrer unleugbar großen Entdeckung genützt, wenn Sie nicht die viel größere daran knüpften, daß und wie der Rischus heilbar sei? Im Namen der rischus-zeisteskranken Menschheit — Ihre Therapie des Rischus, Sie, Hippokrates - U! dann will ich beide, die Nosologie und die Therapie dieser Krankheit, auf goldene Tafeln eingraben lassen!... Nicht II., sondern V. W. X. Y. Z. in der Neumark. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Unterfranken, im Juli. (Privatmitth.) Wir leben hier wieder vollständig wie in den Zeiten des Ministeriums Abel, im Gegenlheil, wir haben eS noch härter als vor dem Jahre 1848. Das bekannte pharaonische Edikt vom Jahre 1813 wird mit eiserner Strenge gehandhabr. Am empfindlichsten trifft dieser Schlag die handeltreibende Klasse, sie sind es, die der Strenge und deren Veralionen am meisten preisgegeben sind, und ein Schrei des Entsetzens durchhalll ihr Lager. — Hier begegnen wir aus der Landstraße einem von Alter und der Last seines ZwerchsackeS tiefgebeugten Handelsmann mit jammerersülltem Gesichte von dem dienstbeflissenen GenSdarmen daher getrieben, dort sehen wir einen solchen eifrig alle Bauernhäuser und Stätte durchstöbern nach einem ähnlichen Fange. Aehnliche Szenen sind an der Tagesordnung. — Vergebens sind die dringendsten Vorstellungen, ohne Erfolg war die Mission einer, in der jüngsten Zeit in dieser Angelegenheit nach München an das Ministerium beorderten Deputation, und wurde sogar, wie man vernimmt, gegen diejenigen Mitglieder, welche in einer Borversammlung zu Würzburg diesen Plan vorbereiteten, eine Untersuchung

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