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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-08 · Heft 33 (8.8.1853) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 33 (8.8.1853)
Date
1853-08-08
Page
Seite 406 (sequence 2)
Language
German
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406 Alles ausbranntcn, zerschlugen, verdeckten, verödeten.'... weil diese die menschliche Gesellschaft in unversöhnliche Parteien, Fraktionen, Sekten zerriß, weil diese Kämpfe um die Existenz eröffnete, die man in ihrer Heftigkeit', Erbitterung niemals geahnt, Kämpfe, auf die kein Friede folgt, wenn auch das Schwert aus der Hand gelegt wird, Kämpfe, die im Dunkeln fortwühlen, wenn oberflächlich Ruhe scheint.... Doch wozu schildern, was tief innen Jeder fühlt? Wozu von Literatur auf Kunst, Theater, Gesellschaft, Staat, Kirche, Moral, öffentliche Meinung u. s. w. übergehen? Wir haben in diesem Blatte nichts zu erschöpfen, wir haben nur Fingerzeige zu geben — von da aus durchdenke man alle diese Gebiete, und der Vergleich wird überall derselbe sein... Nur Eines. Man hat der ftanzösischcn Revolution auch die bürgerliche Höherstellung der Juden zu verdanken geglaubt. Wie? Sind sie in Holland nicht schon lange vorher fast gleichgestellt gewesen? Sind sie in Amerika nicht früher emanzipirt worden? Und waren die Eroberungen, welche die Emanzipation der Juden durch die Ausbrüche der Revolution gemacht, nicht stets illusorisch? Stehen wir im Grunde verhälrnißmäßig — ich meine unsrer Kulturstufe nach — nicht weiter davon entfernt, als früher, und ganz besonders wenn man von den Worten der gedruckten Gesetze absieht?... Denken wir uns aber den Weg, welcher im vorigen Jahrhundert von der zivilisirten Welt beschritten worden, als eine, nur von innen heraus getriebene Bahn der ununterbrochenen Entwickelung — und wahrlich! es stände anders um uns'.... Macht hicgegcn nur nicht die Naturwiffenschaften geltend. Von jeher haben die Naturwissenschaften ihren Thron auf den Trümmern der Poesie, Philosophie, der gesammten Literatur aufgcschlagen. Man möchte sagen: wie sie ihre Resultate aus zerschnittenen Fasern, aus zersetzten Stoffen, aus galvanisirten tvdten Muskeln zusammcnkombinirt — so müssen auch erst alle anderen Zweige der geistigen Thatigkrit verdorrt, abgestorben sein, bevor sie, die Naturwissenschaften,;um Blühen kommen. So war es im Alterthum, wo die Naturwiffenschaften aufkamen, als die großen Dichter, Redner, Philosophen, Geschichtsschreiber schon dahingcgangen waren, und zur Blüthe kamen, als der ganze hellenische und römische Geist in Auflösung gerathen. So war es auch im Mittelaller, wo die.provencalischen und deutschen Dichter verstummt waren, und die arabische Wissenschaft und selbst die höhere Scholastik verkommen, als die Naturwissenschaften, fteilich im Gewände der Astrologie, der goldmachenden und lebenselirirsuchcnden Chemie und wunderlichsten Pharmazie, der Kabbala und Hexerei — aber dennoch mit einem tief innern Kern, der zumeist verloren gegangen ist, ihren siegreichen Umzug hielten. Unsere Leser wissen, welchen großen Werth wir den Naturwissenschaften beilegen, um uns nicht zu mißverstehen. Nicht als' ob die Naturwissenschaften jene Verödung der Literatur bewirkten, jene Verkümmerung des sozialen, kirchlichen, politischen Lebens herbeiführten — vielmehr find sie in einer solchen Zeit der Boden, auf dem sich der menschliche Geist die höchste Thätigkeit wahrt, großartige Resultate erarbeitet — man kann sagen, ein höchster Segen der göttlichen Leitung, daß sie, die naturwissenschaftlichen Studien, gerade für solche Zeiten verbleiben! Nur daß man über die Blüthe der Naturwissenschaften nicht vergesse, wie es anderweitig um unS aussieht, daß wir darum von ihnen nicht die höchsten Resultate zu erwarten haben, weil sie ihre Erfolge zu einer Zeit erschaffen, wo der Geist anderweitig schweigt. Wir brauchen es nicht hervorzuheben, daß dennoch auch im Gange dieses Jahrhunderts große Fortschritte gemacht worden find, aber was verheißen worden, ging nicht in Erfüllung, und der ganze Geist, der ganze Lebensinhalt, die schöpferische Kraft, die Vollendung des Begonnenen — haben Schiffbruch gelitten. Sehen wir unS nun im Judenthume um. An den Herrn vr. U. in der Altmark.*) Don einem Freunde in der Neumark. Dem Verdienste seine Kronen! Ihnen, großes ll! gebühtt der Dank, den oder das Rischus als eine „Krankheit" erkannt zu haben. Ihnen, den technischen Namen und die Spezies festgestellt zu haben. Ihnen, das Chronische dieser Krankheit, die abermals beweist „kebris non 68t morbu8", aber der Rischus ist kein Fieber, sondern eine wirkliche Krankheit mit konstantem Charakter, festgestellt zu haben, Ihnen endlich, erwiesen zu haben, daß dieses unsterbliche Uebel eine reine Geisteskrankheit ist) die bisweilen selbst die Juden ergreift, nicht wenn jene zur Manie geworden, sondern wenn Juden maoiaci wurden. Ich gestehe es gern, diese Entdeckung hat mich Anfangs außerordentlich beglückt. Ich dachte mir schnell,' nun werden die Herren Aerzte sofort darüber herfallen) *) S. Nr. 31 d. Ztg.

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