Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 32 (1.8.1853)
- Date
- 1853-08-01
- Page
- Seite 394 (sequence 4)
- Language
- German
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394 staatsbürgerliche Rechtsgleichheit der Juden mit den Christen in so entschiedener, wenn auch künstlicher Weise zum Durchbruch bringt, wo eben die Gesetzesvorlage zur Entfernung der Juden aus den Gemeindebehörden unter seinen Auspizien von der zweiten Kammer der Stände genehmigt wurde. — (Unser Einer, der einen kurzen Verstand hat, sagt hierbei: daS ist gewiß wieder erdacht!) Göppingen (Württemberg), im Juli. Der „Staalsanzeiger für Württemberg" bringt folgende zwei Artikel: Das Unglück, daS der 12. Mai über das FilSthal gebracht, hat selbst jenseits deS Ozeans theilnehmende Herzen gefunden. Durch Vermittlung der Herren Gebrüder Koch in Stuttgart und New- Aork sind von 12 Israeliten auS Jebenhausen 142 fl. 30 kr. für ihre christlichen Landsleute in Jebenhausen, die durch daS Wetter Noth gelitten haben, in New- Aork uud Philadelphia gezeichnet und dem Haufe der Herren Gebrüder Koch in Rew-Dork zur Vermittlung an die Heimalhgemeinde übergeben worden. — Kürzlich war Kirchenrath Rabbiner Maier von Stuttgart als Kommissär der k. israelitischen Oberkirchenbedörde im Rabdinate Oberdorf, um Kirchenvifitationen in den jüdischen Gemeinden vorzunehmen. Diese Anordnung der k. Regierung hat unter den Jsraeltten freudigen Wiederklang gefunden, besonders da die orthodore Richtung darin eine Gewährschaft gegen die maßlosen Reformbestrebungen der Rationalisten erblickt. Auch die Synagoge ward von dem Zeitgeiste fortgerissen und daS Judenthum drohte zwischen der CharibdiS deS Rationalismus und der Szylla des Jndifferentismus zu zerschellen, wenn nicht der biblische Glaube die Oberhand und seine Vertretung bei der kirchlichen Landesbehörde gewonnen hätte. Es thut Noth, die Zierde deS Judenthums, würdige Sabbatfeier und lebendigen Bibelglauben zu wecken und zu unterstützen. Kirchenrath Maier wirkt in diesem Sinne, sucht in Synagogen und Schulen lebendigen Glauben zu beleben, dem Unglauben und Formendienst entgegenzutreten. Diese Fürsorge der k. Regierung für 11,000 Israeliten deS Landes wird dankbar anerkannt. Leipzig, im Juli. Interessant ist in einer Bekanntmachung deS hiesigen Magistrats über die bevorstehende Septembermesse folgende Bestimmung: 8) Eben so bleibt daS Hausiren jeder Art und daS Feilhalten der den ZollvereinSstaaten nicht angehörigen jüdischen Kleinhändler auf die Meßwoche beschränkt. Für letztere werden die jüdischen Feiertage, welche in die Meßwoche fallen, durch Verlängerung der Verkaufszeit bis in die Zahlwoche ersetzt." Preußen. Berlin, im Juli. Das C. B. bestätigt nunmehr auch unsere früheren Mittheilungen: Höherer Anordnung zufolge wird jetzt allenthalben da mit der Bildung von Synagogen-Bezirken vorgegangen, wo diese, wie sie nach dem Gesetz über die Verhältnisse der Juden vom Jahre 1847 gebildet sein sollen, noch nicht bestehen. —. Die Vorarbeiten zu dem Bau eines Gotteshauses für die hiesige jüdische Reformgemeinde, auf dem ehemals gräflich Roß'fchen Grundstücke in der Johannißstraße, haben in dieser Woche ihren Anfang genommen. —. AuS der Provinz Posen wird berichtet, daß sich dort ein sehr lebhafter Drang für die Auswanderung zeige, und daß namentlich ärmere jüdische Einwohner und Handwerker in diesem Jahre zur Auswanderung schreiten. Hierbei wird erwähnt, daß die jüdischen Auswanderer, in ihrer Heimath der ärmeren Klasse der Einwohner angehörig, an den Orten ihres neuen Domizils meist glücklich in ihren Unternehmungen sind. Der angeborne Spekulations- und Handelsgeist (!) kommt diesen Auswanderern überaus zu Statten, und es muß anerkannt werden, wie eS auch in den Berichten der pofener Handelskammer rühmende Erwähnung findet, daß die bereitausgewanderten Juden ihren diesseits verbliebenen Angehörigen nicht unbedeutende Geldsendungen als Unterstützung zugehen lassen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Von der nrährisch-schlefischen Grenze, Ende Juni. (Privatmitth. Verspätet.) ES ist eine betrübende Erscheinung, daß man da selten wahre Charakterstärke und echte UeberzeugungStreue findet, wo sie die einzige Möglichkeit eines segenvollen Wirkens und die eigentliche Bedingung deS ganzen Berufes mit Recht auSmachen. Leider trifft dieser ge-