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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-01 · Heft 32 (1.8.1853) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 32 (1.8.1853)
Date
1853-08-01
Page
Seite 395 (sequence 5)
Language
German
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395 wiß harte Vorwurf eine nicht kleine Zahl von Rabbinen und sogenannten Rabbinatskandidaten in seiner ganzen Schwere gar häufig. Wie Viele dieser Herren, die sich aus baS M anteldre.hen so trefflich verstehen, haben nicht alle Schattirungen durchgemacht, je nachdem die Aussicht auf einen günstigenPosten es erheisch te. Hier donnerten fie in einer Proberede, der Achillesferse der modernen Rabbiner, gegen die böse Zeit und deren auflösende Tendenzen, zitirten in einem Athem Talmud, Midrasch und Sohar; dort, auf einem andern Terran fich befindend, werden wieder die alten Klagen und Jeremiaden über die verknöcherten Formen, über den ganzen Wust von abgelebten Satzungen angestimmt. Solche Gedanken erweckte in mir Ihr vortrefflicher Leitartikel, Nr. 25 d. Ztg., Herr Redakteur! besonders die Worte: ,,steht man doch fchaarenweise eine Sorte Rabbiner dahin (nach Mecklenburg) strömen, welche man in Deutschland längst verschwunden glaubte." Tont, comme chez nous! — Als Beitrag zur Charakteristik dieser Sorte schaarenweise kandidatirender Rabbiner und Aspiranten möge folgendes Beispiel, woran fich viele Betrachtungen knüpfen lassen, dienen. Vor wenigen Monaten wurde das KreiSrabbinat zu Teschen (circa 100 Familien zählend) in Konkurs ausgeschrieben. Die Gemeinde zu Teschen (der Sitz des Rabbinars) beging dabei die kleine Malice, indem fie einen jedenfalls nicht unwichtigen Punkt gänzlich und stillschweigend im Konkurs überging, wahrscheinlich auf die Fügsamkeit und Biegsamkeit der Kompetenten rechnend. In die teschener Gemeinde wurde nämlich vor etlichen Jahren eine Art oder besser Abart eines sogenannten Sonntagsgottesdienstes eingeführt, und zwar nicht aus radikalreformistischen Grundsätzen, sondern auS rein materiellen Rücksichten, da es viel leichter fei den SabbatgotteSdienst nebst Predigt u. f. w. auf Sonntag, als die Samstag abgehaltenen bedeutenden Wochenmärkte zu verlegen!!! Eine kurze Bemerkung über diesen gewiß heikeln Gegenstand wäre im Konkurs am Platze gewesen und hätte vielleicht manchen Kompetenten von der unnützen Bewerbung zurückgehalten. Ein Rabbiner Mährens, durch einen Freund über die religiösen Zustände der Gemeinde etwas näher unterrichtet, wendete sich deshalb an den Vorstand und erbat sich hierüber, weil eö eine Gewissenssache, genaue Auskunft, ob dieser Gottesdienst oder Predigt eine Hauptbedingung, eine condito sine qua non sei u. dgl.; weil er davon seine Konkurenz abhängig müssen zu machen glaubt. Der Fragsteller erhielt nun folgende Antwort, von der ich zufällig eine authentische Abschrift erhielt und die ich Ihnen diplomatisch genau mittheilen will: „Auf Dero Geehrtes vom 8. März nehme ich mir die Freiheit als Schriftführer der hiesigen Kultusgemeinde hiermit zu erwiedern: Nachdem die hiesige Gemeinde aus drei Theile. welche auf dem Lande wohnen!!! besteht, und diese den Wunsch geäußert haben, daS GotteSwort öfterer zu hören, so hat sich Herr Rabbiner Schmidel entschlossen, jeden Monat eine Predigt abzuhalten, und da die Landleute nur am Sonntag!! Zeit gewinnen, so ist diese Predigt meistens am Sonntag abgehalten worden, aber keineswegs als Gottesdienst betrachtet worden, dies zur Beachtung von Dero Ew. Ehrwürden ergebenster Teschen, den 14. März 1853. Jos. Fränkel." Ich überlasse dem geneigten Leser diesen klassischen Brief zur Beurtheilung und bemerke nur nebenbei, daß von Seite des Adressaten kein Kompetenzengesuch eingebracht wurde. — Jedenfalls erregt die Gefügigkeit des Herrn Rabbiner Schmidel gegen die Landleute, die so sehr nach dem GotteSworte lechzten, daß sie meilenweit zu dem heiligen Borne wallfahrten — und feine Rücksichtslosigkeit gegen die teschener Gemeindeglieder, denen er am Sabbat einen solchen seligen Genuß versagte (Herr Fränkel reduzirt sie freilich auf Null) gewiß die höchste Bewunderung. Herr Schmidel, der ohne Sanhedrin, ohne Rabbinerversammlung, sondern aus geistlicher und hirtlicher Sorgfalt für das Seelenheil seiner Heerde zu einem solchen Schritte seine Zuflucht nahm, sieht sich nun zu seiner Ueberraschung von einer nicht kleinen Anzahl beipflichtender Stimmen gegen jeden Angriff unterstützt. Alle die Herren Theologen, die in Teschen als Proberedner auftraten, haben ihre Reden Sonntags um 3 Uhr Nachmittags abgehalten und haben die Bedingung zur Sonntagspredigt, wozu aber die Texte, der Erinnerung wegen, auS den Wochenabschnitten gewählt werden müssen, nolens volens angenommen und angelobt. Vielleicht findet ein Leser Gelegenheit einen der Proberedner nach Mecklenburg als würdigen Bewerber um daö dortige Landrabbinat

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