Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 31 (25.7.1853)
- Date
- 1853-07-25
- Page
- Seite 389 (sequence 11)
- Language
- German
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389 bringen nach so langem Darben, da müssen sie auch vorsichtig und zärtlich behandelt werden, und genährt mit dem was die Seele groß macht und muß ihnen keine Laufbahn verschlossen bleiben als nur die sie erniedrigen kann. — Ich würde das Geschenk der Juden (das der Primas zurückgewiesen hatte) verwendet haben zum Beginn ihrer Veredlung, ich würde ihre Kinder zur Wissenschaft anleiten, nicht zum Schacher, ich würde ihnen die Bildung geben, die ihre Ansprüche an Geselligkeit geltend macht, ich würde sie Reiten, Fechten, Tanzen lernen lassen, Naturwissenschaft, Philosophie, Geschichte, alles was sie über den Stand erhebt, in dem ihre Seelen herabgewürdigt, voll Schmach, 'einen schlechten Eindruck uns machten, und das erste aller Erziehungselemente müßte sein die Musik!" — Der Primas wendet ein: „Der Jude ließe sich doch nicht verleugnen!" Sie antwortet: „Was ist denn da zu verleugnen? Auch im Juden liegt die Offenbarung seiner Eigenthümlichkeiten; es ist nicht die Rede diese auSzurotten, vielmehr sie wiederzugeben in lichteren Farben. Die Bildung des Juden hängt ab davon, seine ursprüngliche Schönheit geltend zu machen, seine Seele spiegelt zum eigenen Verständniß sich in der ihm eingeborenen Natur." — Der Primas fragt fernerhin: was daraus für die christliche Welt für Vortheil erflöffe? Sie antwortet unter Anderm: „Die Juden würden, trotz ihrem Festhalten an dem Glauben ihrer Väter einen viel freier» Ueberblick über Anfang und Ende gewinnen, eben weil ihre Bedrückung ihnen ihr Anrecht an die Freiheit um so fühlbarer macht. So würde der Christ durch des Juden freie Bildung Fülle freier Anschauung gewinnen, eine Entwickelung würde die andere steigern, und endlich durch den goldenen Frieden sich ins goldene Zeitalter verwandeln, wo Jude und Christ gemeinsam fühlen, Gott sei unter ihnen!"— „Verachtung ertragen", heißt es ein ander Mal, „ist noch nicht ehrlos. Der Talmud sagt: Schmückt euch in der Verbannung mit dem rothen Sattel der Armuth und leuchtet darunter hervor wie die Schimmel!" Korrespondenz. Israelitische Lehrerkonferenz zu Krefeld. Anrath, im Juli. Das steht fest: die krefeldrr Lehrerkonferenz, wie schwach sie auch bisher fast noch immer besucht war, hat sich dennoch während der kurzen Zeit ihres Bestehens hier wie auch anderwärts um das jüdische Schulwesen verdienr gemacht. Sie hat schon manches Hinderniß und Hemmniß mmhig und mit Ausdauer aus dem Wege geräumt und manches Nützliche und Gute zu unsrer Jugend Heil und Frommen zu Tage gefördett. Dieses Verdienst muß man ihr lobend anerkennen, zumal sie doch nur einmal im Jahre zusammenberufen wird wegen der großen Entfernung vieler Lehrer vom Otte der Konferenz. Je seltener sie aber zusammenttitt, desto mehr häufen sich ihre zu erledigenden Arbeiten und je weniger als Folge dessen geschieht, desto kleiner kann auch der Erfolg nur sein. Das Eine entspricht hier ganz dem Andern. bs? enss fiwas V12. „Nach Verhältniß der Arbeit ist der Erfolg." Es läßt sich aber auch nicht Alles auf einmal thun. Die Verhältnisse haben auch ein Wörtchen mitzusprechen. Lehrcrkonfercnzen find nach Aussage der ausgezeichnetsten Pädagogen, als vortteffliches Mittel zur Hebung der Schulen anerkannt — verpflichtet uns nun dieses nicht, jene zu hegen und zu pflegen, auf daß diese schöner und schneller erblühen und gedeihen?_ Nur darf Nichts übereilt werden, als sollten die Schulen schon große Erfolge des Institutes zeigen, das kaum erst wenige Jahre besteht. Freuen wir unS vielmehr herzlich, wenn wir gewahren, daß es allmälig fortschreitend auf sie einwirkt, reichte es uns auch bis jetzt noch Fruchtkorn nur für Fruchtkorn dar.... Wenn es aber dennoch, ungeachtet seines kurzen Bestehens und ungeachtet der schwachen Betheiligung manches Erfreuliche geleistet, ja gegenwärtig schon eines ziemlich guten Rufes genießt, so hat cs dieses hauptsächlich der umsichtigen Leitung seines würdigen Präsidenten zu verdanken. Ihm ist es wahrhaft um die Hebung der Schulen zu thun; weshalb er auch für sie ein so großes Interesse an den Tag legt. Auf Konferenzen sehen sich entfernt wohnende Kollegen wieder, oder lernen sich kennen und tauschen ihre in der Schule gemachten Erfahrungen gegenseitig aus. Da wird aber auch das Streben des Lehrers, wenn es erschlafft, geweckt für den heiligen Beruf und frisch angefacht zur reinen Flamme für die geistige Pflanzstätte der Kinder. — Konferenzen weisen den Lehrer auf die praküsche Zeit seines Berufes hin, darauf sein Hauptaugenmerk zu richten, um so daS Innerste und Wichtigste seines Berufes mit Liebe, selbst mit Aufopfernng zu pflegen. Aber „trotz alledem und alsdann," welche schwache Berheiligung auch diesmal wieder. Nur 7 Lehrer, > sage: Sieben Lehrer konnten abkommen aus