Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 31 (25.7.1853)
- Date
- 1853-07-25
- Page
- Seite 390 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- Seesen 1× ep/1048106
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390 zwei so großen Provinzen wie Rheinland und Westfalen sind.' Wahrlich, das nenne ich eine auffallende Erscheinung. Wie geht das zu? Ganz einfach. Der Eine entschuldigt sich so, der Andre so und der Dritte gar nicht. Dem fehlt es an Geld oder an Zeit; Dem war der Weg zu weit, und den ließ die Gemeinde nicht gehen; Der hat vor Kurzem noch eine Reise gemacht, und Der will sie noch machen. Auf solche und ähnliche Weise zieht sich der bei weitem größte Th eil der Lehrer von einem Institute zurück, deffen Wirkung viel segensreicher wäre, wenn es sich einer regern Betheiligung zu erfreuen hätte. Oder heißt eS: die Verhandlungen werden so wichtig nicht sein und wenn sie's find, nun, so werden wir sie ja doch jedenfalls lesen, wenn sie durch die „Allg. Ztg. deS Judenth." veröffentlicht werden. Noch Andere endlich wenden ihm deshalb den Rücken zu, weil nicht alle Beschlüsse, die dort gefaßt werden, zur Ausführung kommen, oder: weil eS nicht nach ihrem Kopfe gehr, wie sie es wünschen und wollen. Kurz und gut: Derjenige, der sich nicht betheiligen will, findet bald eine Entschuldigung, entweder so oder so, gleichviel, wenn sie nur den Schein der Wahrheit für sich haben. — Um nun aber wörtlich und thatsächlich zu zeigen, wie weit die Gleichgiltigkeit mancher Lehrer gegen dieses für die Schulen so nutzbringende Institut geht, führe ich ein Beispiel an, das eben so schlagend als beklagenswerth ist. Auf den ausdrücklichen Wunsch' mehrer Lehrer fand die diesjährige Konferenz später als gewöhnlich statt und zwar unmittelbar nach der krefelder Svnagogcnweihe. Man versprach sich dadurch eine größere Betheiligung. Um so mehr ist es aber zu verwundern, daß selbst mehre Lehrer aus dem krefelder Sprengel, die dieses Fest mitfeierten und ganz mit machten, mir nichts dir nichts abreisten, ohne sich an der Konferenz zu betheiligen. DaS ist, ganz gelinde gesagt, eine unverzeihliche Gleichgiltigkeit. ZumFeste konnten sie abkommen und einige Tage da bleiben, dazu hatten sie Geld und Zeit, da stand ihnen Nichts hinderlich im Wege — und zur Konferenz konnten sie nicht kommen?'..... Was find aber solche Lehrer? Sind sie wahre und echte Lehrer, von ihrem heiligen Berufe tief durchj drungen? — Nein — Drodlchrer sind sie, Schullehrer i nicht! — Das ist die Stimme der gerechten Entrüstung,! die sich über dieses unverzeihliche Gebahrcn allcgemein! aussprach. Es fehlt den jüdischen Lehrern noch immer das gemeinsame Streben nach Einem Ziele hin. Jeder will seinen eigenen Weg gehen, daS ist das Unglück! Wem eS aber nicht an gutem Willen fehlt, der wird sich auch gern bereit finden, einige kleine Opfer zu bringen. Opferwillig und opferfähig muß ja ganz besonders der gute Lehrer sein, denn sein Beispiel wirkt belehrend und belebend auf die Kinder. Nun denn, so wollen wir unS, dieses wohl erwägend, über kleinliche Ansichten hinwegsetzen und, wie unsre christlichen Kollegen, ein Ziel zu erstreben suchen! Keiner lasse sich daher ferner abhalten von einzelnen Rücksichten diesem oder jenem gegenüber, auch nicht von den Mängeln und Fehlern, die noch unserm jungen Institute anlleben! Nein, kommet, kommet vielmehr zur nächsten Konferenz und decket fie frei und ohne Scheu auf, daß fie fortgeschafft werden, diese Mängel und Fehler, damit das Schleckte dem' Bessern den Platz räume! So wollen wir ihm vereint ein kräftigeres Leben einhauchen. Alles Andre wird sich dann wohl von selber machen; deffen können wir sicher sein. So gestaltet, wird aber auch die Konferenz eine größere Influenz auf die Gemeinden ausüben. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Vakante Lehrerfielle. Zn der Unterzeichneten Gemeinde soll die vakante Lehrerstclle bis spätestens 1. Oktober 2. c. wieder besetzt werden. Dieselbe trägt neben freier Station (Kost in einem anständigen Hause) ein Firum von 100 Thalern ohne Nebenverdienst ein. Darauf reflekrirende gualifizirte Individuen belieben sich in frankirten Briefen an den Unterzeichneten zu wenden. Rüthen, im Juli 1853. Marcus Ruthenburg. Ein junger Mann, der die Jacobsonschule zu Seesen 4 Jahre besucht, alsdann eben so lange in einer bedeutenden Tuch- und Manufakturwaaren-Handlung gelernt und über seine Führung und Geschäftskenntnisse genügende Atteste beibringen kann, sucht zu Michaelis e. unter soliden Ansprüchen eine Stelle als Kommis. Hierauf Rcflektirende belieben ihre Adressen unter Chiffre B. R. postc restante Egeln bei Magdeburg baldigst einzusenden. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld.