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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-07-25 · Heft 31 (25.7.1853) · p. Seite 386

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 31 (25.7.1853)
Date
1853-07-25
Page
Seite 386 (sequence 8)
Language
German
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386 auSgeblieben ist) Ihr ausgepfiffenen Künstler, Ihr durchgefallenen Komponisten; Ihr Lotteriespiclcr, die Zhr dicht bei der rechten Nummer vorbeigeschoffen habt, Ihr Hausfiers, denen der Boden unter den Füßen weggezogen ward, Ihr Freier, denen das schönste Mädchen, Ihr Kandidaten, denen die beste Stelle aus der Nase gegangen ist, Ihr Zeitungsleser, die ihr eine euch mißliebige Thatsache aus dem Blatte herauskratzen möchtet, Zhr Rittmeister, die ihr vor der Fronte vom Pferde gefallen seid, Ihr Tänzer die ihr eure Dame zu Boden geworfen habt, Zhr Witzlinge denen die Repartie eine Viertelstunde zu spät einfällt, Zhr Hauswirthe, denen der Miethsmann durchgebrannt ist; Zhr Hausfrauen, denen die Kompots sauer geworden find, Zhr Prediger, die ihr euer Manuskript verlegt habt, Zhr Billardspieler denen die brillanteste Partie durch einen miserabeln Fuchs verloren geht, Ihr Zünglinge denen der Schädel durch die Haare wächst, Zhr Angemeldeten, die ihr in der Ressource durchballottirt seid, Zhr jungen glühenden 20jährigen Patrioten, die ihr bei der Konskription eine allzu hohe Nummer gezogen, Zhr Büchersammler, die ihr die Auktion versäumt habt, Ihr Portraitmaler, deren Produkt gar zu naturgetreu geworden', Zhr Papas, denen Zahr von Jahr Tochter auf Tochter geboren wird, Zhr Nachtschwärmer, die ihr den Zimmerschlüssel verdreht habt, Ihr Koketten, deren Geburtsschein unverhofft zum Vorschein kommt, Ihr Konvertiten, die ihr Zudenjunge geschimpft worden seid, Zhr Alle, die ihr mit euren Sachen zu spät oder zu früh oder an den Unrechten gekommen seid-weinet mit mir, daß der RaugeS nicht gilt! Was wollt ihr nun noch? wollet ihr die Trauben sauer, oder die Kritiker parteiisch, oder die Richter dumm, oder die Wähler bestochen oder die ganze Welt verrückt schelten? Es hilft Alles nichts, denn: Rauges gilt nicht. Welch ein Wohlthäter der Menschheit wäre der, der dies änderte, der dem Rauges seinen gebührenden Effekt verschaffte! Doch vergebens ist dies Hoffen, dies Unglück ist so alt wie die Welt, und das erste Wort das Gott zu dem ersten besapointirten Menschen, zu Kain, sprach, ist ja am Ende nichts, als ein umschriebenes: Rauges gilt nicht! 31. Wenn man zankt, bittet man nicht. Bei allen Völkern ist die Sprache des Haffes reicher als die der Liebe. Die höchste Liebe ist sogar ganz stumm, und wenn sic reden will, so findet ste nur ganz wenige Ausdrucke die fie unmittelbar darstellen, und fast immer nur Bilder und Vergleiche. Engel, Herz, Leben, Seele, Einzige, Kind, Süß u. s. w., so wie alle Diminutive find immer nur Vergleiche, während Schimpfworte, die ganz direkt an's Objekt gehen, in allen Wörterbüchern zu Hunderten zu finden find. Zch erkläre dies aus der angeborenen Güte des Menschenherzens. Die Liebe ist der überall befindliche Hintergrund, der blaue Himmel, der in allen Zonen nur Einer ist, während die Wolken an Gestalt und Färbung mannigfaltig, den Adam herauS- 'ordern ihnen Namen zu geben; und so wie er fie benennet, so heißen fie. Seit die Juden ihren besonderen Jargon abgelegt haben, find fie mehr im Bücherdeutsch heimisch als im Volksdeutsch; kommen daher bei naturwüchfigen Schimpfereien zu kurz an Kraftausdrücken, und helfen sich mit groben Witzen und Sticheleien. 33. Kein Tschuwe ist auch Tschuwe oder nach der neuern Rechtschreibung: Kantschuh-Weh ist auch Schuh-Weh. Nebersetzung: Keine Antwort, keine? — Ist so gut wie eine! Es giebt bekanntlich Augenblicke im menschlichen Leben, wo eine Frage frei steht an das Schicksal. Darüber find nun Alle einig, daß eine Frage frei steht. Ob aber auch eine Antwort erfolgen muß, darüber schweigt der Poet. An dieser Unart des Schicksals haben fich indessen viele minderberechtigte, minder hochstehende, minder unwägbare Potenzen ein höchst bedenkliches Erempel genommen. Die allgemeine Welthistorie berichtet, wie man sagt, merkwürdige Fälle von nicht beantworteten: Gesuchen um Unterstützung, Gesuchen um Darlehen, Meldungen von Hochzeiten, Geburten u. dgl. Werbebriefen, an Väter gerichtet, Desgleichen, an Mädchen gerichtet (schwer zu glauben), Desgleichen, an Wittwen gerichtet (offenbar unwahr), Vorschlägen zu industriellen Unternehmungen, Briefen an einen ungetreuen Bräutigam, Kandidatur-Schreiben, Mahnbriefen, fein. Desgleichen, zweiter Edition, mittelfein. Desgleichen dritter, vierter, fünfter Edition u. s. f., ordinär bis grob.

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