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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-07-25 · Heft 31 (25.7.1853) · p. Seite 383

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 31 (25.7.1853)
Date
1853-07-25
Page
Seite 383 (sequence 5)
Language
German
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383 muß auch späteren Forschern Etwas überlassen. 2) Ri-? schus plebcjus oder vulgaris, gemeines Rischus; es bc- 1 fällt eben Leute niederer Klasse und herrscht wirklich in großer Ausbreitung, obgleich eine gewisse Gutmürhigkeir dasselbe oft darniedcrhält. Gänzlich: verschwindet es auch bei der größten Gutmüthigkeit nicht, sondern es bleibt immer ein latenter Krankheitsstoff zurück. Es ist eben diejenige Form, die schon öfters epidemisch war (s. oben), je weiter sich aber die Bildung entwickelt und ausgebreitet hat, d. h. je strenger die Polizcigesetze und je kräftiger die Ordnung im Staate gehandhabt wird, desto mehr tritt der epidemische Charakter, der sich eben zum Rischus maniacus steigern kann, zurück. Da cs eben das Rischus vulgaris ist, so Hat es die EigentHümlichkeit, daß es gerade dann oft in Individuen erscheint, wenn fie früher oder jetzt eine Wohlthat von einem Rischusobjekte erhalten haben. Die Dankbarkeit, als Eigenschaft edler Seelen kann sich durchaus nicht mit dem Rischus vertragen, wird gewöhnlich von ihm befiegt, und da die Undankbarkeit weit verträglicher mit ihm ist, so gesellen sich beide sehr leicht zusammen. Man sollte es nicht glauben, aber Wohlthätigkeit, Gefälligkeit u. dgl. erzeugen Rischus vulgaris. ES kommt oft schon bei ganz kleinen Kindern vor und man weiß dann zuweilen gar nicht, wo diese es Her Haben, gleichsam als Hätten fie es mit der Muttermilch eingesogen. Rischus vulgaris manifestirt fich besonders durch Schimpfteden, Hohnlachen, Stöße u. dgl. oft ganz ohne Veranlassung nur beim Anblick eines Rischusobjekts, oft wenn irgend ein Wunsch dem Befallenen versagt wird, oft, wie bemerkt, wenn er gerade gewährt ist, dann meistens in stiller Wuth, durch welche Zufälle er eben die sonderbare Gemüthsverstimmung verräth. Man muß nicht denken, daß diese Spezies blos bei sogenannten gemeinen Leuten oder Armen vorkommt, nein du findest es auch in höheren Ständen, das Rischus vulgaris. Man braucht nur manche Statuten geschlossener Gesellschaften,;. B. von Schuster-, Schneider-, Krämerinnungen, Kafino's, Freimaurerlogen u. dgl. durchzulesen und die Symptome treten sogleich entgegen. Wo überhaupt viel Volk zusammenkommt, z. B. auf Messen, Jahrmärkten, macht fich diese Spezies leicht Luft. Eine von ihr sehr verschiedene Spezies ist h) Rischus spcciosus. Sie kommt nur bei sehr vornehmen Leuten vor. So hatte fie z. B. schon Pharao in Egypten und die spezifischen Mittel halfen ihm nicht, bis zuletzt die Hydropathie einigen Rath schasste. Nebukadnezar, Titus, Hadrian u. A. waren gewiß nicht ftei davon. Diese Form ist von großer Wichtigkeit, fie ist für die armen Rischusobjekte von größtem, dauerndstem Einfluß, da fie fich namentlich bei Gesetzgebern, Kammer- und Parlamentsmitgliedern zeigt und fich in den betreffenden Aktis ausspricht. Am schönsten schildert fie Mephisto im Faust: Es erben fich Gesetz' und Rechte Wie eine ewige Krankheit fort, Sie wandern von Geschlechte zu Geschlechte Und rücken sacht von Ort zu Ort. Vernunft wird Unfinn, Wohlthat Plage, Weh' dir, daß du ein Enkel bist! Diese erbliche Krankheit in Gesetz und Rechten, wo die Vernunft unfinnig wird, ist eben weiter nichts, als meine nosologische Form Rischus spcciosus. Ich will von ihm aber nichts weiter sagen*), sondern vielmehr übergehen zum c) Rischus liUeratorum. Man sollte denken, daß dies eine der vorigen Spezies sehr verwandte ist. Keineswegs! Sie ist vielmehr dem Rischus vulgaris sehr ähnlich, so daß ich lange anstand, fie als besondere SpezieS aufzustellen und fie für eine Spielart (Varietät) des gemeinen Rischus hielt. Da fie aber doch einige charakteristische Merkmale hat, so mag fie als besondere SpezieS gelten. Der Rischus littcratorum ist zwar auch sehr gemein , charakterifirt fich auch durch ein eigenthümliches Schimpfen und Schmähen, aber da diese Erpekrorationen nur in papiernem Bereich bleiben, so find fie von untergeordneter Bedeutung. ä) Rischus pastoralis, eine ganz besondere Art! Sie kommt nur bei Geistlichen vor, daher fie dann nicht selten die Kanzel betritt. Sie hat aber verschiedene Spielarten, je nachdem fie in Rationalen oder Supranaturalen entstanden ist. In ersteren ist fie mit Stolz und Verachtung, in letzteren mit Demurh und Bedauern gepaart. Ganz sonderbare geistige Verirrungen! Der Rischus zeigt fich in einzelnen Raptus. Da jene, die Rationalen, überhaupt nicht wissen, was fie wollen, so manifestirt er fich bei ihnen blos in einer unbestimmten, negativen Richtung, bei den Supranaturalen stellt er fich als Bekehrungseifer dar, in firer Idee, fie können nicht begreifen, wie *) Nur daS ist noch merkwürdig, daß er von den sogenannten res naturales den Rischusobjekten so viele als möglich zu entziehen, den Tie hat. Er will ihnen vor Allem gern daS Beod entziehen oder wenigstens den Erwerb schmälern, in einigen Ländern versagt er ihnen — die Ehe, in Norwegen sogar — die Luft.

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