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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-07-25 · Heft 31 (25.7.1853) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 31 (25.7.1853)
Date
1853-07-25
Page
Seite 382 (sequence 4)
Language
German
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382 energischen Russen und den faulen Spanier, den kriechenden Neger pnd den stolzen Briten, den sanguinischen Maler und den melancholischen Schuster, den hohen Aristokraten und den plebejischen Proletarier, die erhabensten literarischen Größen (einen Göthe sogar) und den erbärmlichsten Zeitungsschreiber, den konsequenten Absolutisten und den ausschweifendsten Demokraten, kurz Menschen aller Zonen, alles Alrers, aller Nationen, aller Temperamente, aller Stande, aller blassen, aller Richtungen, mit und ohne alle Dekorationen, mit und ohne Gallen-, Nieren- Darmsteine, mit und ohne Hämorrhoiden, Podagra, Gelbsucht u. dgl. befällt und befallen hat, eine reine, pure Geisteskrankheit, einzig und allein als solche im ganzen weiten pathologischen und nosologischen Reich dastehend/ weder aus einem verstopften Gekröse, noch aus einem bösen Herzen, noch aus einem verbrannten Gehirn stammend. Wie würde sich Heinrvth freuen! Wie konnte man das Vorhandensein einer solchen Krankheit, wie des Rischus (in grammatischer Hinsicht ist cs sowohl ein wascuiioum als neutrum) welches ich hiermit nun als neue nosologische Form mit dem.griechischen Namen (denn ohne solchen ist eine Krankheit nur noch ein chaotisches, formloses Gemisch von unangenehmen Zufällen) lovduüov juToog, Judaeorum odium (der Gcnilivus ist hier ein genilivus objectivus) taufe und dessen cau8» continens oder innerstes Wesen in einer spezifischen Idiosynkrasie besteht, welche sich vom leisesten Widerwillen zur glühendsten Wurh steigernd, gegen alle, so aus Abraham's Schooße, in den sich eigentlich Jeder zurücksehnt (das ist eben auch ein Sonderbares in dieser Krankheit) entsprossen — wie konnte man, sage ich, das Vorhandensein einer solchen notorischen Krankheit so lange verkennen, da sie doch schon lange, lange besteht und in graueste Vorzeit ihr Ursprung zurückzuführen ist; wie konnten sämmtliche Aerzte aller Zeiten, wie insbesondere die neueren, welche so oft am Krankenbette von einer brillanten Unterleibsentzündung, einem brillanten Typhus u. dgl. sprechen, diese brillante Rischuskrankheit gänzlich verkennen und wohl gar als ein Stück Gesundheit ansehen, wenn sie nicht selbst von so vielen Brillanten und Drillen verblendet wären. Man schaue nur zurück. Die GemüthSkrankheit Rischus nahm ihren Anfang, sobald nur das erste hebräische Spermatozoon sich in eine Menschenform verwandelt hatte, ja als der Vater der - Gläubigen seine Spermatozocn noch mit sich herum trug, wie mir deutliche Spuren in seiner Geschichte anzuzeigen scheinen. Die Krankheit ist seitdem nie erloschen, sondern nahm eine epidemische Natur an. Wie alle Epidemien, z. B. Cholera, Grippe, nahm sie ihren Weg von Osten nach Westen und hat sich schon jetzt nach der neuen Welt verpflanzt, sie herrschte in Aegypten, Syrien, Griechenland, Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien, England ff.; wie alle Epidemien schien fie manchmal ganz erloschen, besonders dann, wenn viel Geistesgesundheit herrschte, tauchte aber dann mit großer ertenfiverund intensiver Kraft wieder auf; wie alle Epidemien verband fie sich oft mit große n politischen Bewegungen und Umwälzungen und begleitete dieselben unmittelbar oder folgte sogleich. Der letzte Umstand kann keitr Wunder nehmen; denn da jene politischen Umwälzungen aus epidemischer Geisteskrankheit hervorgehen, so zieht ein Urleiden deS Geistes leicht ein konsensuelles herbei, das Sekundäre folgt leicht dem Primären, wie jedem Pathologen bekannt ist. Hierdurch dokumentirt sich die Krankheit ebenfalls als psychischer MorbuS. Der historische Beweis obiger Behauptung ist leicht zu führen. Als z. B. im 12. und 13. Jahrhundert die Kreuzzüge Europa aus den Angeln hoben, um über Asien zu stürzen, wie sich ein berühmter Geschichtsschreiber (Robertson) ausdrückt, brach die Krankheit mit verheerender Wuth am Rhein auS und verbreitete sich über Deutschland, die Donauländer u. s. f., als im 14. Jahrhundert die Flagellanten durch die Welt zogen, am Tage sich geißelten und des NachtS unzüchtige Zusammenkünfte hielten, während eine schreckliche Pest Europa verheerte, erhob sich das epidemische RischuS zur nie geahnten Höhe und wurde eine landzängige Manie; als am Ende des vorigen Jahrhunderts die Franzosen die ersten Anfälle ihres intermittirenden Freiheitsfiebers bekamen, stellte sich sofort das Rischus auch im Elsaß ein, und brauche ich eist die Leser an das Jahr 1848 und die folgenden zu erinnern? So hätten wir denn gleich eine sehr praktische Eintheilung unsrer neuen nosologischen Form, ein Rischus epidewicuL, von welchem wir eben Beispiele angegeben und welches in größerer oder geringerer Verbreitung schon alle Länder der Welt zu verschiedenen Zeiten heimgesucht hat und sich auf Jahre als lllorbus intercurrens festsetzt, ein lliscbus endewieus, welches in verschiedenen Ländern seinen beständigen Sitz genommen, endemisch geworden ist, z. B. in Spanien, Norwegen, und ein lliscbus sporsdicus, welches hin und wieder in einzelnen Individuen vorkommt. Dies letztere manifestirt sich auf verschiedene Weise und ich will meinen Lesern meine Bemerkungen darüber mittheilen. Es giebt gewiß noch mehrere Spezies als die nachfolgenden, aber man

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