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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-07-25 · Heft 31 (25.7.1853) · p. Seite 381

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 31 (25.7.1853)
Date
1853-07-25
Page
Seite 381 (sequence 3)
Language
German
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381 Einer Partei machte, was schon die Siezestrophäe der ganzen Welt — wenn auch noch zumeist nur im Geiste — geworden, welche die Entwickelung zerzerrte, erdrückte, und wenn sie auch viele Ideen schneller und weiter verbreitete, als sie sonst gerathen wären, dennoch keiner einen Sieg verschaffte, weil sie sie in die Kanonen stopfte und auf die Spitze der Schwerter setzte. So ist eS gekommen, daß das vorige Jahrhundert ein Jahrhundert der Verheißung war — aber waS für eine Erfüllung brachte das gegenwärtige! Sehen wir dies noch envas näher an. Aus der Altmark, im Juli. Auch einmal ein humoristischer Leitartikel. Nosologie des Nischus. Es ist wirklich zum Erstaunen, daß die Krankheit RischuS von den Pathologen und Achten, welche doch sonst so bereit find, nosologische Formen auszusuchen und zu bestimmen, bis jetzt gar keine Beachtung gefunden hat, da sie doch eine sehr allgemein verbreitete und in vieler Beziehung merkwürdige und wirkliche Krankheit ist. Es ist dieser Umstand von Neuem ein Beweis davon, daß die Gelehrten, besonders die Deutschen, das Gewöhnliche und Alltägliche und sei es, seinem Wesen nach, auch noch so merkwürdig und interessant, übersehen und sich mit dem, was „weit her" ist beschäftigen, sei dies auch noch so winzig. — Viele deutsche Pathologen werden daher wohl über die Elephantiasis, die orientalische Lepra, über das gelbe Fieber weit besser urtheilen können als über den Rischus, der tagtäglich von ihnen pathologisch, semiotisch und am Ende auch therapeutisch, was seine Schwierigkeiten haben wird, geprüft und untersucht werden könnte. Mich hat dies, wie gesagt, immer Wunder genommen, und ich hätte gern schon ftüher meine Beobachtungen über diese nosologische Form, deren Entdeckung ich mir als solche zuschreiben könnte, publizirt, wenn mich nichr immer die Hoffnung, der Sache noch neue Seiten abzugewinnen, davon abgehalten hätte, dann die jedem Autor oder Entdecker inwohnende Bescheidenheit, daß vielleicht ein Anderer ihm zuvorkommen und das Ding besser handhaben und beschreiben sollte, dann die Verlegenheit, griechische und lateinische paffende Termini für meine entdeckte nosologische Form — die, wie sich der Leser leicht denken kann, mein Steckenpferd geworden ist — aufzufinden, die so passend sein sollten, daß Jeder mit dem Namen gleich den ganzen Begriff erhalten müßte, wie die Entomologen aus der Endung (anus, enus ff.) des spezifischen Epithetons zugleich auch die Gattung des Käfers kennen, der die Bäume anfrißt, und endlich hielt mich überhaupt meine bekannte literarische Faulheit davon ab, die namentlich die Leser dieser Blätter aus vielfacher Erfahrung gewahr geworden find, freilich zu ihrem eigenen Vortheil, und die oft so plötzlich ausbricht, daß ich mitten in einer Novelle die Feder im Tintenfaß stecken lasse. Ja, in eben diesem Augenblicke wäre es mir fast so ergangen, woran nicht allein ein hypochondrischer Bauer die Schuld gehabt hätte, der mich zwei Stunden lang auf seinem Lebenszifferblatt wie den Zeiger an einer Uhr ohne Pendel herumschncllen ließ, sondern auch der mich wie ein Blitz durchfahrende Gedanke, der literarischen Trägheit höchst günstig, ob denn wirklich so viel an meiner Rischusnosologic der Welt gelegen sein würde, da diese ja ganz ohne Rischus und seine Theorie ganz gemächlich bestehen könnte. Ich will aber einmal mit dem Rischus zu Ende kommen und darin eine Ordnung bringen, denn Ordnung muß sein, auch in den Abnormitäten muß Ordnung sein, diese Canrpe'sche Kardinaltugend, von der dieser Vater des Robinsons sagt: Ordnung ist Tugend und Tugend ist Ordnung. Daher schnell zurück zum Rischus. Was würde der selige Heinroth sagen, wenn ich ihm meine neue nosologische Form vorführte, wenn ich ihm damit den Beweis in die Hand lieferte, daß er vollkommen Recht gehabt, wenn er die Gcmüthskrankhciten als aus der „Sünde" entstehende Leiden des Gemüths ansah? Obgleich in allen seinen Büchern meine nosologische Form „Rischus" nicht vorkommt, so hätte er sic gewiß sofort als reine Geisteskrankheit anerkannt, wofür ich sie eben selbst halte, und es ist mit diesem Rischus allen Materialisten (ich meine hier nicht die krämerischen, sondern die philosophischen) in's Gesicht geschlagen, welche die Selbstständigkeit unsers sublimen Geistes leugnen, seiner Eigencrkrankung widersprechen, sondern den Geist als Destillat dcS großen und kleinen Gehirns trakriren. Wir könnten dann — Heinroth und ich — diesen Materialisten unfern Rischus Vorhalten, wie er unabhängig von Zeit und Klima, unabhängig von Himmel und Erde, von Luft und Boden, von Alter und Geschlecht, von Galle und Schleim, von Gehirn und Harn, von jeglichem ihm sonst anklebenden Dreck spontan sich im menschlichen Geiste entwickelt, das kaum lallende Kind und den steifen Greis, die blühende Jungfrau und die wacklige Matrone, den

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