Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 30 (18.7.1853)
- Date
- 1853-07-18
- Page
- Seite 376 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Folgerung vom Gegensätze, jede schöne Magd küssen müsse, Vorüber schweigt die Wissenschaft. DaS war nun leicht erklärt: desto schwerer begreift sich aber die ftequente, doch immer nur bei einem ausgezeichnet häßlichen Mädchen angewendete Redeweise, daß: 21. der MesfiaS nicht vor ihr kommen könne! Soll das heißen, weil durch sie ohnehin der Zezer Horra, der ja um die MesfiaSzeit übermäßig herrschen soll, gebändigt werde, oder weil der Messias oder sein Esel von einer solchen Physiognomie scheu werden, oder ist zur Erzeugung jedeS Messias eine besonders schöne Jungfrau, eine Madonna erforderlich? 3ch denke, wir überlassen den .Kommentar den Nachfolgern, und gehen weiter. 22. Ein Narr ist schlimmer als ein Mamfer (Kind der Liebe). Ein Narr und ein Mamfer, die mit einander reisten, hatten einander versprochen, sich gegenseitig nicht zu verrathen. „Sag du Keinem, daß ich ein Narr sei, so will ich Keinem sagen, daß du ein Mamfer bist." Kaum ' waren sie aber in einem Wirthshause und hatten sich mit der Gesellschaft unterhalten, als die Leute dem Erstem zuriefen: du NarrWas, ich ein Narr, rief dieser aus, mein Kamerad ist ein Mamser! Er wußte nämlich nicht, daß ein Narr sich immer selbst kenntlich macht, und glaubte, der Mamser müsse ihn verrathen haben. Darum sagr die ganze Welt, daß ein Narr ärger sei als ein Mamser. Was ist aber ein Narr? Wer mir das erklärt, der soll einen großen Honigkuchen haben, und zwei Honigkuchen kriegt der, der mir sagt, wer denn eigentlich gar kein Narr sei. Es giebt, wie ich glaube, gerade so viele Sorten Narren, als es Menschen in der Welt giebt; ja eigentlich noch viel mehr, da jeder Narr doch an mehrerlei Narrheiten laborirt. Wegen dieser Allgemeinheit ist aber nicht daran zu zweifeln, daß die Narrheit im Weltenplan unentbehrlich, eine Lebensbedingung der Menschheit überhaupt sei. Diese Unentbehrlichkeit bezeugen sowohl Erasmus von Rotterdam in seinem „Lob der Narrheit," als die alten jüdischen Theologen (gewöhnlich „unsere Weisen" benannt), da sie erklärten, seit dem Untergange Äerusalems sei die Gabe der Prophetie auf die Narren übergegangen; und endlich als Bcranger, wenn er sagt: 8i demain, oubiiant d’eclore Le jour manquoit, eh bien demain Quelque FOU trouveroit enocre Un flamheau pour Ie genre humain. Und darum: Ehret die Narren, sie flechten und weben, Gottvollen Zur in das schläftige Leben! 23. Besinnt sich der Chochem, besinnt sich der Narr. Uebersetzung: Was du vor der Minute auSgeschlagev, Giebt keine Ewigkeit zurück. DaS Diktum, zunächst dem Betriebe des Mein und Dein gehörig, ist auch auf andere LebenSgebiete anwendbar; aber so überaus schwer in der Ausführung, daß man wohl behaupten darf, derjenige sei der „Kluge, der sie alle überholt," der sich beständig davon leiten läßt. Mit Recht ist es daher in allen Spielen verboten, einen gethanen Zug zurückzunehmen. Man behauptet, „einen Juden könne man nicht mehr ärgern, als wenn man ihm rasch seinen Willen thut," denn dann glaubt er jedeSmal, sich übereilt zu haben. Das hie und da noch geltende rabbinische Recht gestattet hingegen bei Geschäften einen fteien Rücktritt innerhalb 24 Stunden: ein Gesetz, bei welchem fteilich jede Börse überflüssig, jedes Papiergerschäft unmöglich wird. Freilich, hilft nicht immer „zum Laufen das Schnellsein, und zum Siegen das Starkfein, und zum Broderwerben das Klugscin," denn allzu oft „gehört dem Narrenkönige die Welt," was wir ganz naiv in der Frage auszudrücken pflegen: 24. Was hilft die Chochme, wenn die Närrischkeit geht? Uebersetzung: Was ist die Klugheit werth. Wenn Narrheit besser nährt? Dennoch ist es ein tröstliches Zeichen, daß die Menschen allen diesen konträren Erfahrungen zum Trotz, der Klugheit, die allerdings sehr häufig nur eine verkappte Narrheit ist, nachjagen und sich übel und böse ihres Besitzes rühmen. Wir sagen indessen auch: 25. Ayn Chochme we-ahn Tewune neged Madame Fortuna, d. h. Nicht Klugheit noch Geschick Sind so viel nutz als Glück. Jene Köchin gewann hier einmal eine Terne auf 2. 7. 13. Sie hatte zwei Zettel gefunden, auf deren jedem die Ziffer 7 geschrieben stand, und deshalb diese Nummern gewählt. Hätte sie das Einmaleins besser inne gehabt (2X7== 14), so hätte sie eben die Terne — nicht gewonnen. 26. Das ganze Jahr schicker und Purim nüchtern. Uebersetzung: Berauscht, wenn Alles nüchtern —: Wenn Alles jubelt, schüchtern. Wie man nur darauf kommen konnte, dies für einen