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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-07-11 · Heft 29 (11.7.1853) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 29 (11.7.1853)
Date
1853-07-11
Page
Seite 364 (sequence 10)
Language
German
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364 Port, Affinität u. s. w. Er bezeichnet nicht etwa die vor etwa 40 Jahren in der deutschen und französischen Literatur spuckende Eigenschaft adeligen Geblüts, fich nur mit gleichnamigem Geblüt vereinigen zu können, und es aus der tiefsten Verborgenheit herauszuwittern, was sogar den Naturgesetzen widerspräche, wenn wirklich das Geblüt ein an fich verschiedenes Fluidum wäre, da fich bekanntlich nur die ungleichnamigen Pole verbinden. Aus einem jüdischen Kopfe wäre das „Kätchen von Heilbronn" und die anderen Produkte jener Zeit und Tendenz nimmermehr entsprungen. Auch bezeichnet unser Diktum nicht den angeblichen geheimnißvollen Zug, der Verwandte, die einander unbekannt geworden, magnetisch und unbewußt an einander zieht. Vielmehr geht es blos auf die Erfahrung, daß Jeder doch am Ende eine gewisse Vorliebe für seine ihm bekannten Blutsverwandten hegt, die bisweilen ganz unerwartet zum Vorschein kommt. Die jüdische Anschauung läßt fich bekanntlich so wenig als möglich auf Immaterielles ein: Joseph's Brüder empfinden nicht daS Geringste, bis er fich deutlich und wiederholt zu erkennen giebt. Ob aber daS jüdische Blut im Allgemeinen durch eine besondere Sympathie an einander gezogen wird? Ich glaube das, wenigstens in dem Sinn, wie die Welt dies gewöhnlich auffaßt, verneinen zu müssen. Es ist wahr, wenn wir hören, in Nanking sei ein Jude wegen seines Judenthums gefoltert oder getödtet worden, in Golkonda werde die Vermehrung der Juden amtlich für eine Landeskalamität erklärt, oder auf dem Berge Kaf werde der Austritt aus dem Judenthum mit Geld und Würden belohnt, der Zutritt zu demselben aber als Verbrechen bestraft, oder auf Mozambik hätten die Juden die Füße von einmalhunderttausend Beamten geküßt, weil fie es nach zweihunderrjährigem Suppliziren dahin gebracht, daß ihr Ghetto um die Hälfte einer Straßenseite erweitert worden, oder bei den Botokuden habe ein Staatsanwalt bei Gelegenheit des Prozesses einiger jüdischen Gauner alle Juden mit Ausnahme einiger Hofbankiers, Aerzte und Operkomponisten für Hallunken, Räuber und Meineidige erklärt, oder bei den Kurilen erhalten alle Juden jährlich offizielle Ohrfeigen, müssen dafür Geld bezahlen, und überdies fiebenmal bekennen, daß dies im Namen eines Systems der Liebe geschehe, oder es prahlten die Esquimaur mit ihrer verfassungsmäßigen gleichen Berechtigung und Freiheit aller Glaubensbekenntnisse, während jedoch daS jüdische Bckenntniß eine Masse bürgerlicher Nachrheile und kirchlicher Beschränkungen zu ttagen hat. oder im Timbuktu werden die Juden gleich allen Anderen zum Kriegsdienst angehalten, könnten eS aber bei aller Fähigkeit, Aufopferung und Patriotismus nicht zum Offizier bringen, oder die Philosophen auf dem Berge Krapak fluchten den Juden, weil fie die Bibel in die Welt gebracht, und die auf fieben anderen Bergen fluchten ihnen, weil fie die Bibel nicht noch vergrößert haben — -ja da rührt fich wohl bei allen Raee-Verwandten etwas unterm dritten Knopfloche: das entsteht aber durch gar keine, oder nur durch eine höchst geringe Sympathie des BluteS; vielmehr blos durch die Gemeinschaftlichkeit der Interessen. Wenn mein Ich fich so inS Weite auszudehnen genöthigt gewesen ist, so wird eS noch in dieser weiten Ausdehnung verletzbar sein. Hebet die Ursache auf, so wird die Wirkung mit fallen. Jener Kaufmann, der zu einem jüdischen Makler, dem ein Geschäft entgangen war, tröstend sagte: Lassen Sie fich das nicht leid sein, es hat eS doch Jemand von „Ihren Leuten" bekommen; jener Straßenjunge, der einem meiner Freunde einst nachrief: „Dein Bruder steht heut am Pranger!" fie sprachen eine sehr unwillkommene Solidarität auS, die dem bekannten, nicht speziell jüdischen Sprüchworte: „Schneide ich mir die Nase ab, so schände ich mein Angesicht" bei uns eine Ausdehnung giebt, die jeder von uns gern loö sein möchte. Jeder von uns, so ist's, und das vielleicht in einem gar zu weit gehenden Grade; denn welcher Sohn schreibt nicht, wenn er kann, mit Vergnügen an seine Eltern: „mein Umgang ist hier gar nicht unter Juden!" Welcher jüdische Geschäftsmann rühmt fich nicht gern: „sein Geschäft führe ihn fast nie mit Juden zusammen"? Letzteres hat vielleicht auch Nebengründe; denn schon unsere Vorfahren pflegten zu sagen: „Mit Juden ist bloS gut in die Schule (Synagoge) zu gehen"; da spricht denn wieder daS Naturgesetz von den gleichnamigen Polen mit. Sttetcmf&e Nachrichten. Aus Mähren. Von Herrn Fasset, Rabbiner zu Gr. Kanischa, erscheint nächstens der zweite Theil seines mosaisch-rabbinischen Zivilrechts. Das Werk wird von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zum Druck befördert, und wirklich verdient Herr Fasse! dafür die volle Anerkennung, indem er darin seine tüchtige

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