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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-07-11 · Heft 29 (11.7.1853) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 29 (11.7.1853)
Date
1853-07-11
Page
Seite 361 (sequence 7)
Language
German
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361 das Alles spricht nun in einer ganz andern Sprache, in einem ganz andern Tone, und zeigt ganz andere Sitten. DaS ist eine Schule unter guten Lehrern und das ist eine arme Gemeinde (denn das ist BoSkowitz, die einigen Reichen abgerechnet) im Stande, wenn sie von biederen Männern zum Rechten und zum Guten aufgemuntert, mit starkem Willen zur Ausführung sich vereinigt. Den Führern der Gemeinde, dem Rabbiner Abraham Placzek (jetzt provisorischem LandeSrabbiner) und dem Bürgermeister Herrn Wohlmuth ist es durch Aufmunterung und Aneiferung gelungen, die Gemeindeglieder dahin zu bringen, daß ein Kapital von 15,000 fl. C.-M. zusammengeschossen und angelegt wurde, um von den Interessen mittelst einer jährlichen Zulage aus der Gemeindekaffe, die Knabenschule von 3 und die Mädchenschule von 2 Klassen erhalten zu können.- Mit Nächstem wird die Sanktion dieser Schule von Seiten der hohen Behörde erwartet. Wie wirst du aber staunen, lieber Leser, wenn ich dir sage, daß dieser Mann keineswegs dem jüngern philosophischgelehrten Geschlechte angehört, sondern in früherer Zeit selbst sogar gegen die mindesten Reformen angekämpft habe. Allein dieser würdige Rabbi hat die bessere Ueberzeugung gewonnen und ist daher trotz seines strengen OrthodoriSmus für eine weise Reform d. i. für die Entfernung der Mißbräuche und Unformen auS dem Leben und dem Kultus des JudenthumS. Großbritauieu. London, 1. Juli. In Folge eines Meetings, daS die Bewohner deS Billingsgate-ViertelS am 23. hielten, begab sich am Montag eine Deputation von City-Wählern zu Baron Rothschild und ersuchte ihn, sein Mandat für die City niederzulegen, da er doch keinen Gebrauch davon machen könne und somitnurdie Vertretung deS wichtigstenTheilS von London schwäche. Der Baron empfing die Herren zwar sehr zuvorkommend, gab ihnen aber den schriftlichen Bescheid, daß er dem in der Billingsgate- Resolution ausgesprochenen Wunsch nicht willfahren könne. Er habe seine Sache der liberalen Partei in die Hand gegeben, und von den Häuptern dieser Partei den Rath erhalten, seinen Sitz im Parlament um keinen Preis aufzugeben. Amerika. Kalifornien, im Mai. Die Israeliten wachsen in diesem Staate immerfort an Zahl und Einfluß; mehrere derselben bekleiden öffentliche Aemrer. Herr Joseph Spannon ist Kämmerer der San Francisco County, Herr Sol. Heydenfeldt ist Richter am obersten Gerichtshöfe deS Staates, Herr Elkan Heydenfeldt, dessen Bruder, und Herr Jfaac R. Cardozo sind Mitglieder deS Repräseatanhauses. (Occid.) Venezuala, Puerto Cabello, im Jan. Am 5. wurde hier feierlichst eine jüdische Hochzeit rite gefeiert, bei der nicht nur 10, sondern 14 jüdische Männer zugegen waren. Der Bräutigam ist ein Hamburger, Herr Raphael Polly. Bald soll nun auch eine Synagoge entstehen, hier, in einem Lande, wo früher der Jude nicht allein verbannt war., sondern betreffenden Falls für seinen Glauben gefoltert wurde. (Occid.) Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Deutsch-jü-ische Sprüchwörtcr aus Hamburg. (Fortsetzung.) 15. Mach' Schabbes davon! Den Hut ab, wir betreten ein Hciligthum! ober: Den Hut auf, wir betreten ein Heiligthum! Und da stehen wir schon wieder vor dem Oerindur'- schen Zwiespalt, in welchem wir deutschen Juden fortwährend leben. Was ist das Richtige? Was thun, wenn wir einen Ort betreten, der uns den Schauer der Ehrfurcht abnölhigt? Wir find freilich kluge, gebildete, helldenkende Leute, find über dergleichen weg. Hut ab oder Hut auf, was liegt daran? Und dabei mag der Verstand, der Witz, der Scharfsinn, die Vernunft sogar ihre Rechnung finden — das schöne menschliche Gefühl geht uns verloren, und das Gemüth, die Phantasie, die Begeisterung, sie schlagen nicht an, wie die wohlklingendste Saite nicht angiebt, wenn sie nicht in Schwingung gebracht wird. Das Schlimmste aber ist, daß man sich doch zu Et-

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