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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-07-04 · Heft 28 (4.7.1853) · p. Seite 349

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 28 (4.7.1853)
Date
1853-07-04
Page
Seite 349 (sequence 7)
Language
German
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349 der Rechtswissenschaft deS Talmuds durch Frankel und Fasse! zu einer würdigen Höhe emporgrfchwungen; hingegen wird daS eigentlich Dogmatische und die geschichtliche Entwickelung desselben fast gar nicht berücksichtigt. Und doch ist dies von praktischer Wichtigkeit, da die Religionslehre darauf beruhet und wir nur dann erst gute Religionsbücher, besonders für höhere Klassen, haben, wenn früher die Religionsphilofophie, die Dogmatik und alle hierher gehörenden Disziplinen gründlich erfaßt und behandelt sein werden. — Von alten Werken, um zu unserem Thema zurückzukehren, hat in letzter Zeit mmn rvnsb?i die meisten Bearbeitungen erfahren. Herr Stern hat den rii2in mit einer Uebersetzung edirt und eine schöne billige Ausgabe veranstaltet, damit das Werk dem Unbemittelten auch zugänglich sei. Von demselben ist auch der cVir rrna in metrischer Uebersetzung herausgegeben worden, wovon in kurzer Zeit eine zweite Aussage veranstaltet wurde. Uebcrhaupt hat Herr Stern manches gute Schulbuch, hebräische Grammatik u. s. w. herausgegeben, die in vielen Schulen Eingang gefunden haben. 27. Juni. 8ur Moses Mendelssohn et sur la reforme polilique des juifs. Par le comte de Mirabeau. NouvcIIe edition. Leipzig, 1853. Diese neue Ausgabe eines seiner Zeit berühmten Buckes ist in jeder Beziehung zeitgemäß. Es hält unsrer Zeit einen Spiegel vor, der ihr zeigt, wie sie faktisch allerdings weiter gekommen, wie sie aber in Gesinnung und grundsätzlicher Anschauung, an Energie und geistiger Tüchtigkeit weit hinter das vorige Jahrhundert zurückgekommen ist. Doch dieser Gegenstand ist so groß, daß wir ein ander Mal ausführlich darauf zurückkommen müssen. Die Schrift befaßt zwei Abhandlungen; die erste ist ein Memoire über Moses Mendelssohn, ein Abriß seines Lebens, eine Charakteristik seiner Schriften, seiner Sitten, seines Lebenswandels; inhaltlich mit so vieler Liebe und Verehrung, der Form nach mit so vieler Eleganz geschrieben, daß sie der Männer, die dabei konkurriren, würdig ist. Diese Abhandlung ist um so zeitgemäßer wieder hervorgeholt, als die neueren Deutschen Literaturhistoriker — die im heidnischen wie die im christlichen Sinne — mit so außerordentlichem Hochmuth auf Mendelssohn herabzublicken sich gewöhnt haben, einem Hochmuth, für den der bescheidene Mann nur ein stilles Lächeln hätte, und die spätere Nachwelt haben wird. Um dcssentwillen bildet diese Schrift ein willkommenes Supplement zu den neueren Ausgaben der Mendelssohn'schen Schriften (der Wiener und der Leipziger). Ausgelassen sind nur, und mit großem Rechte, die heftigen Jnvektiven auf Lavater. Die zweite Abhandlung über die „politische Reform der Juden" verlangt, aus Grund des Dohm'schen Werkes, die Emanzipation der Juden, und ist immer noch, namentlich in diesem Augenblicke lefenswerth. Die Ausstattung kommt einer französischen Originalausgabe fast gleich. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Deutsch-jüdische Sprüchwörter auo Hamburg. (Fortsetzung.) *) S. Viel Schmäichel (Lachen, smile), wenig Sckäichel. Uebersetzung: Wer lacht, wer lacht und immer lacht. Ward mit Verstand nicht sehr bedacht. Mit diesem Gemeinsatz können wir unS nicht einverstanden erklären. Sogar aus theologischen Gründen nicht. Heißt es ja: „der im Himmel thronet, lacht; Gott spottet ihrer" — und uns ist ja vorgeschrieben der Gottheit nackzuahmen. Wer dies Sprüchwort erfunden hat, der lebte gewiß in einer Zeit, wo eS nock nicht so viel Stoff zum Lachen gab als jetzt. Wer es aber so weit gebracht hat, über alle unsere Lächerlichkeiten blos zu lachen, der muß einen überaus hohen Grad von Vernunft besitzen, und es ist kein kleiner Ruhm für uns Juten, daß wir überall, wo wir nicht eben gewaltsam zum Weinen gezwungen werden, uns auf das Lachen recht con amore gelegt haben. Wahr ist'S freilich, an Stoff zum Lachen har uns die Welt niemals knapp gehalten, nicht einmal die spanischen Inquisitoren, die unS verbrannten und dabei unsere Davidslieder sangen, und nicht einmal die heutigen weisen Staatsmänner, die alles Mögliche thun, um uns daS Vaterland zu verleiden, aber einttetenden Falls mit naiver Zuversicht auf unsere unbegrenzte Vaterlandsliebe, und daS noch obendrein mit Erfolg, rechnen. *) Don von vielen Druckfehlern, die in meine bescheidenen ..Svrüchwörter" sich eingcschlichcn. vrolestirc ich gegen keinen mehr, als gegen den in Rr. 25. S. 31V. Sx. 2. Z. 24 von oben - „ras wabrhafr bewunderungswürdig eiugrniftete «addischsagen" statt: „wahrhaft bewunderungswürdig eingerichtete" — denn ich bin wirklich voller Bewunderung für diejenigen, die einem menschlichen Betürsc» diese .«tonjefsion gemacht haben, ohne irgend eine abergläubische oder metavhostsche Saite zu berüdreu! In Nr. 2i» lies S. 323. Sv- 2. Z 10 v o. : „Metzer Familie".— S. 325. Sp. 1. Z.14 von oben : „allenfalls." Der Verfasser.

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