Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 28 (4.7.1853)
- Date
- 1853-07-04
- Page
- Seite 345 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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345 tum ad hominem für Die, welche das Judenthum bei emanzipirten Juden verschwinden glauben. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Kassel, 22. Juni. Die Voff. Ztg. enthält folgende Berichtigung: Mehrere öffentliche Blätter haben von einer Audienz berichten wollen, welche eine Deputation deS israelitischen VorsteheramtS zu Kassel bei dem Herrn Minister des Innern gehabt hat, um bei demselben den Inhalt einer auf die Aufrechthaltung deS bürgerlichen Rechtszustandes ihrer Religionsgenossen in Kurhessen bezüglichen Vorstellung zu befürworten. ES kann auS glaubwürdiger Quelle versichert werden, daß die hierüber gegebenen öffentlichen Nachrichten unzuverlässig und entstellt sind, was auch schon daraus hervorgeht, daß der dabei miterwähnte Landrabbiner Dr. Adler bei jennr Deputation sich gar nicht befunden har. Auch ist es ganz unrichtig, daß die betreffenden Personen auf die Erörterung sich nicht eingelassen und demzufolge „sich empfohlen" hätten; vielmehr sollen jener zuverlässigen Auskunft nach die Ansichten allerdings mir einer Ünumwundenheit und Freimüthigkeil ausgetauscht worden sein, welcher am Schluß der Unterhaltung vie beiderseitige Anerkennung nicht entgangen wäre. Frankfurt a. 3Jt, 20. Juni. In heutiger Sitzung der gesetzgebenden Versammlung wurden die Anträge des Senats, betreffend die Erweiterung der staatsbürgerlichen Rechte der Israeliten und Landbewohner, mit 74 gegen 9 Stimmen angenommen. Frankfurt, 22. Juni. Nachdem die gesetzgebende Versammlung dem Senatsantrag zur Erweiterung der politischen Rechte der Israeliten beigetreten ist, wird nunmehr die verfassungsgemäße Gesammtabstimmung der ganzen Bürgerschaft, und zwar nach den 14 Stadtquartieren und „offen" erfolgen. Zwei Drittheile der abgegebenen Stimmen bewirken die Annahme deS Gesetzes. Friedrichsfiadt (im Herzogthum Holstein) 20. Juni. (Privatmitlh.) Sie wissen, daß während deS Bombardements sich Viele von den 130 Familien der hiesigen Gemeinde nach Husum, Flensburg, Schleswig ff. flüchteten. Nach dem alten Un-Recht dürfen aber Juden nur hier wohnen; so sind denn die Meisten auS den umliegenden Orten schon wieder ausgewiesen worden, und jetzt ist den dort noch wohnenden der strenge Befehl zugegangen, bis zum 1. Juli sich nach Friedrichsstadt zu begeben! Mir dem Wiederaufbau der noch in Trümmern liegenden Häuser geht es auch langsam, denn der Staat nimmt die Arbeitskräfte zum Wegräumen der Schanzen aus der Kriegszeit und zum Schleusenbau in Anspruch. Preußen. Magdeburg, im Juni. (Privatmitlh.) Daß die neuen, eben publizirren Srädleordnungen uns nicht hinter das Jahr 48 geworfen, daß im Gegentheil die Bestimmung der älrecn Slädleordnung, daß der Bürgermeister der christlichen Kirche angehören müsse, weggeblieben, haben wir der zweiten Kammer zu verdanken. Jndeß hat der Staat damit gewiß sich selbst einen eben so großen Dienst gethan als den Juden. Denn es ist überall anerkannt, daß die Juden in städtischen Aemrern stets pflichleisrig die besten Dienste leisten. Seil vielen Jahren zählt der hiesige Magistrat einen Juden in seinem Schoße, den Herrn Stadrralh Mar, wie auch seil langer Zeit die Stadtverordnetenversammlung (Gemeinderath), die BezirkSvorsteher und alle öffentlichen Vereine nicht ohne jüdische Mitglieder waren und sind, was darum um so mehr anzuschlagen, weil hier die Juden bei Wahlen gar kein Gewicht in die Wagschale legen, indem sie (900 Seelen) gegen die städtische Bevölkerung (35,000 ohne Garnison und Vorstädte) zu geringzählig sind. Bei einem so eben konstituirlen Handwerker-Kredir- Verein für die hiesige Stadt (aus städtischen Mitteln mit bedeutendem Fond versehen) sind zwei Juden einstimmig, der eine in's Kuratorium (1h-. Phiüppson), der andere in'S Direktorium (Herr A. Spir) gewählt worden. Man sieht also, daß in der Thar die öffentlichen Anstalten selbst durch die Ausschließung der Juden viel verloren hatten. Aus dern Großherzogthum Posen, 21. Juni. (Privatmitlh.) Zum großen Bedauern seiner Gemeinde gehr der Herr Rabbiner Dr. Wiener zu