Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 27 (27.6.1853)
- Date
- 1853-06-27
- Page
- Seite 335 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225822-3225850--13216-3299509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
335 nur anführe, daß z. B. Ps. 144 wegen drS darin vorkommenden Wortes noch keineswegs in eine nachdavidische Zeit verwiesen werden müsse, indem ja dasselbe Wort schon I. Sam. 3, 3. vorkommt. (Auch der Herr Red. d. Bl. sagt in seinem Kommentar bei diesem Kapitel: Es ist daher an gar keinen andern Abfasser, als David zu denken). Der Anhang dieses BucheS giebt eine Erklärung über die traditionelle Schreibweise der biblischen Lieder (nVT'SJ), welche dem Herrn Red. schon früher handschriftlich mitgethcilt, und in seinem Kommentar zum 2.B. M. 1». als scharfsinnig erwähnt wurde. Vorzüglich verdiente dieses Buch die Aufmerksamkeit der israelitischen Bildungsanstalten für Lehrer und Rabbiner, da in demselben der Weg angedeuter ist, wie der alles zersetzenden rationellen Hermeneutik mit ebenbürtigen historisch-kritischen Argumenten begegnet werden kann, um die Achtung vor der Integrität des bibl. Kanons zu bewahren. — Schließlich erwähne ich noch der mit italienischer Uebersetzung von einer Tochter*) des Verewigten, und schönen Anmerkungen von ihm selbst (Wien 1851) wodurch einem wahren Bedürfnisse des italienischen JudenthumS abgeholfcn, und wovon bereits eine zweite Auflage nvthig worden ist. Es geht aus allem diesem hervor, wie der Selige auch als Gelehrter wie als Mensch daS erhabene Bild der Versöhnung darstcllte. Er pstegte die Disziplinen des Alterthums wie der Neuzeit; er widmete seine Kraft der ältern wie der jüngern Generation, er umfaßte Alle mit gleicher Liebe und Hingebung. Und dieser Ehrwürdige hinterließ die testamentarischen Bestimmungen, daß sein Leichenbegängniß in keiner Weise vor anderen ausgezeichnet fein dürfe**) und daß sein Leichenstein nur die einfachen Worte tragen soll: “raV?:“ O! er hatte Recht. Er ist und bleibt ein Lehrer und Beispiel der edelsten Würde des Menschen. Himmlischer Friede sei mit ihm! Rand egg im Mai 1853. Leopold Schott, Rabbiner. *) Vorsteherin einer Mädchenschule in Triest. **) 3n Triest werden die Lcichenzügc hervorragender Gemeindeglieder, insbesondere der Rabbiner durch Fackelbegleitung und noch auf andere Weise feierlich ausgezeichnet. Literarische Nachrichten. Heidelberg, 10. 3uni. In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes bemerkt Herr Rabbiner Oppenheimer in einer Anmerkung zu seinen „vergleichenden Studien über den Talmud", daß es an einer guten vollständigen Uebersetzung des Flavius Zosephus fehle. Eine solche ist nun zwar vorhanden, nämlich die des jüdischen Krieges von Gfrörer, und in diesem Jahre ist auf Veranlassung des Karl Barromäus-Vereins auch eine Uebersetzung der Antiquitäten erschienen. Allein, waS mehr Noth thur, ist eine genügende Erklärung, und hier bietet eine Vergleichung mit Talmud und den Midraschim viele Ausbeute. Wie nothweudig eine eingehende Kcnntniß des Talmuds und der Midraschin zu einer Bearbeitung dcS Jofephus und Philo ist, zeigt unter Anderm Gfrörer, der in der Vorrede zu seiner Uebersetzung der Geschichte des jüdischen Krieges von Joscphus behauptet, Hillel, der 100 Jahre vor der Zerstörung des zweiten Tempels gelebt, habe gelehrt, daß Israel keinen MesfiaS zu erwarten habe, daß aber die Rabbiner den R. Hillel deshalb verflucht hätten. Es wird hier Hillel der Alte mit einem seiner spätem Nachkommen verwechselt; und ferner aus einem ehrerbietigen Tadel, „Gott möge es ihm verzeihen", so, daß er nicht hier das Rechte getroffen, ein Fluch gemacht. Herr Rabbinatskandidat Dr. Julius Fürst von hier, ein Mann von talmudischen Kenntnissen wie von klassischer Gelehrsamkeit, hat es unternommen, die „Antiquitäten" des Josephus zu übersetzen, und zu den Ausschmückungen des historischen Stoffes wie zu den Sagen, die Josephus mit in seine Geschichrscrzählung verwebt, die Parallelen in Talmud und Midraschim nachzuweisen. Wir machen auf daS baldige Erscheinen eines Thcilcs dieses Werkes aufmerksam, und dürfen wir eine gediegene Arbeit von diesem jungen Gelehrten um so mehr erwarten, als der Nestor der Philologen und Altcrthumsforscher Friedrich Kreuzer in einer Abhandlung über Josephus in dem 4. Heft der „theologischen Studien und Kritiken" dieses Jahrganges auf dieses bald erscheinende Werk aufmerksam gemacht, mit den Worten: „Unser gelehrter Mitbürger, Herr Di*. Julius Fürst, wird noch Vieles hierin zu verbessern finden." .s. Nkagdeburg, 19. Juni. Die letzten Juden. Verschollene Ghetto-Märchen von I. S. Tauber. Zwei Theile. Leipzig, 1853. — Wir sind nicht gewohnt, mit dem Verfasser um den Titel seines Werkes zu rechten, 27*