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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-06-27 · Heft 27 (27.6.1853) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 27 (27.6.1853)
Date
1853-06-27
Page
Seite 334 (sequence 8)
Language
German
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334 Selige mit Hiob sprechen: „Auge war ich dem Blinden, Fuß dem Lahmen, Vater dem Dürftigen." Er durfte so sprechen, doch er sprach nie davon. — Eben so war auch sein Wirken in Fiume und Fiorenzuola, wo er abwechselnd von 1838—1847 zubrachte und in letzterer Gemeinde gab die Nachricht von seinem Dahinscheiden Veranlassung zu einem feierlichen Trauergottesdienste. Von den häuslichen Tugenden des Seligen schweige ich absichtlich, weil alles Herrliche, das ich sagen könnte und möchte, noch weit hinter der Wirklichkeit zurück bliebe; während der entfernt stehende Leser auch den gekürzten Mittheilungen nicht die gebührende Theilnahme schenken könnte. 3ch gehe daher sogleich dazu über, von dem Verewigten als Gelehrten zu sprechen. Doch auch dieses hängt gewissermaßen mit Familienbcziehungen zusammen, indem meine Schwiegermutter (Gott erhalte sie noch lange) die Tochter des verstorbenen Gelehrten 3osef Chajim Chiskija Galigo ist, welcher entschiedenen Einfluß auf die bekannte interessante Korrespondenz N. H. Wcssely's mit dem ehemaligen Triester Oberrabbiners Jsacco Formigini (S. a-'-rB a^aro» Wien 1827) geübt hat, auch selbst mit Wessely korresp ondirte und der Hauptverbreiter seiner Schriften in Italien gewesen ist. — Auch ist meine Schwiegermutter eine Koustne des rühmlichst bekannten, noch so rüstig wirkenden Gelehrten, Herrn Zsacco Reggio in Görz, und hierdurch war mein sel. Schwiegervater um so leichter und schneller in die intimste Verbindung mit den ersten Sternen der israelitisch-italienischen Schule gekommen. Seinen talmudischen Kenntnissen, welche ihm die unbedingte Achtung der jeweiligen Oberrabbiner zu Triest erworben, wurde dadurch die allgemeine und öffentliche Anerkennung gezollt, daß er nicht blos allezeit als Subrabbiner in der größern aschkenafischen Synagoge fungirte, sondern auch in den 20er Jahren, nach dem Tode des Oberrabbincrs A. E. Levi, als ff. <li Rabbino maggiore (stellvertretender Oberrabiner) betraut wurde, bis Cologna die Stelle erhielt; und ebenso wieder nach deS Letztem Tode (1832) bis der jetzige Oberrabbiner Herr Trcvcs angestellt wurde (1834). Während dieser Jntcrimsverwaltungen stand der Selige in lebhaftem Briefwechsel mit den damaligen Koriphäcn des Rabbinismus, als: So pH er in Prcßburg, Benet in Nikolsburg, Ascher Löw in Karlsruhe u. A. Dem Letztgenannten hatte er namentlich (auf dessen besondere Anfrage) einen interessanten Aufschluß über das in Deutschland so wichtig erachtete Verbot der korfikaner ESrogim erthcilt, und A. Löw legte hierauf so großes Gewicht, daß er damit umging, seinerseits jenes Verbot aufzuheben, woran er jedoch durch hier nicht zu nennende Störungen verhindert wurde. — In beständiger wissenschaftlicher Verbindung stand R. mit Friedenthal, Reggio, Luzzatto, Goldenbcrg, Sachs u. A. Luzzatto ist sogar so bescheiden, noch 1830 den Seligen öffentlich als ■on *mn zu tituliren (zdrirr N2 S. 27.) und Reggio, mit dem er zwar manche Kontroverse hatte, ehrt ihn als Gelehrten und Mensch in auSzeichnendster Weise, wovon namentlich ein Brief in pnat’’ 'aaia 14. Heft S. 13—15 (Wien 1851) ein für Beide gleich ehrenhaftes Zeugniß giebt. In allen seinen Studien erkennt man aber als Grundzug die Liebe zur väterlichen Religion. Den Talmud erforschte er hauptsächlich in rabbinischer Tendenz, wobei er allenthalben strebte, die traditionelle Interpretation linguistisch zu rechtfertigen, was ihm oft glücklich gelungen ist, wie beispielsweise aus seinen von Reggio in rrtSi? ->«"> II. Bd. (Wien 1836) aufgenommenen Briefen hervorgeht. Ein besonderes Lieblingsstudium war ihm aber die Eregese der heil. Schrift, welche er gegen alle und jegliche Beanstandung oder Anfechtung zu verwahren suchte. Er ahmt hierbei die zerlegende Methode Abrabanels nach, wovon ich als gelungenes Beispiel den 18. Brief in "ran ana IV. Bd. (Wien 1839) und pnar» ->aaia an a. O. anführe.*) Als selbstständiges Buch ist von dem Verstorbenen erschienen -in (Wien 1841) ein in dem bekannten schönen hebr. Stile der italienischen Gelehrten geschriebener Versuch, das Alter, die Einheit und die Integrität der Psalmen historisch-kritisch nachzuweisen. Die jüdischen Zeitungen haben zwar s. Z. dieses Buch etwas vornehm achselzuckend begrüßt, nichtsdestoweniger enthält dasselbe des Gediegenen und Lehrreichen sehr Vieles, wie in vr. Frankels Zeitschrift II. (1845) S. 357—60 zu ersehen ist; und noch in pnir» naia a. a. O. hält der Verfasser seine Behauptungen auftecht, wovon ich der Kürze wegen *) Ich erlaube mir hier den Herrn Red. d. Bl. dessen vortreffliches, in der jüdischen Literatur einzig dastehendes Bibclwerk bis zu den Büchern der Chronik vorgerückt ist, auf eine a. a. O. gegebene Erklärung darum besonders aufmerksam zu machen, da ich so eben in Nr. 18 d. Ztg. ersehe, daß die Vergleichung des Textes der Chronik mit den Parallelstellen fich dessen gründlicher Prüfung und Erläuterungen zu erftcuen hat. Jene Erklärung betrifft eine Ausgleichung der widersprechenden Zahlangaben in l. Kön. 5, 30. und 9, 23. mir II. Chor. 2, 16. und 8, 10.

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