Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 27 (27.6.1853)
- Date
- 1853-06-27
- Page
- Seite 333 (sequence 7)
- Language
- German
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833 dies falsch, und ich, der ich seit 4 Jahren als Dragoman und TranSslator bei dem k. k. österreichischen Konsulate angestellt bin, kann versichern, daß, da die warschauer Gemeinde unter dem Schutze deS k. k. österreichischen Konsulats steht, seitdem die k. russische Regierung den rufsichen Juden in Palästina ihren Schutz versagt hat, fämmtliche Mitglieder derselben ihre gehörige Heimathspässe in der k. k. Konsulats- Kanzlei liegen} haben. Selig Hausdorff, Dragoman bei dem k. k. österreich. Konsulate. Australien. Nach dem Occiä. hat sich in Australien die jüdische Bevölkerung in den Jahren 1850 bis 1852 von 300 auf 3000 Seelen vermehrt. — Nach der Jew. chron. will man in Melbourne, weil die Synagoge nur 300 Sitze hat, ein eisernes Gebäude für 1000 Personen aus England kommen lassen. (Bekanntlich sind in Australien viele Privat- und öffentliche Gebäude jetzt auS Eisen, die man aus englischer Fabrik holt. Red.) Am 12. Mät^ d. I. Abends 10 Uhr starb in Triest der als Mensch und Gelehrter gleich hochgeschätzte Subrabbiner Maier Randegger, welcher zwar, nach Niederlassung, ehelichen Familienbanden und Berufskreis, als Italiener zu betrachten ist; nach Abstammung, Bildung und Gesinnung aber dem deutschen Judenlhume angehört, und daher ermangle ich nicht, nachdem von anderer Seite in der italienischen Zeitschrift „Rivista israelitica“ ein Nekrolog erschienen ist, dem Verewigten auch in diesem deutschen Blatte einen Nachruf zu widmen. Denn wenn Liebe zur Menschheit, zum Glauben der Väter und zu allem Wahren, Guten und Schönen einen Anspruch auf dauernde Verehrung verleihen, so hat Niemand mehr Recht hierauf, als der Verstorbene, dessen ich hier gedenke, der mein Schwiegervater war, den zu ehren und zu rühmen es jedoch keineswegs der parteiischen Liebe des Schwiegersohnes bedarf. M. Randegger ward am 9. Februar 1780 geboren, erhielt dahier in Randegg von Eltern und Hauslehrern eine nach damaligen Verhältnissen vorzüglich gute Erziehung, studirte später bei dem Rabbiner RieS in dem benachbarten Schweizerorte Lengnau, kam von da auf die Rabbinerschule zu Fürth, wo er bald zum Meschuchrar avancirte, und von dem Oberrabbiner SalomonKohen ganz besonders vorgezogen war,- hielt sich zuletzt noch einige Zeit an der Zcschiba zu Preßburg auf, wo er jedoch wegen seiner deutschen Bildung nicht günstig angesehen war, erhielt hierauf eine Hauslehrerstelle in Wien, welche er aber, weil er mit entblößtem Haupte bei Tisch sein sollte, bald wieder aufgab, ging nach Triest, wo er zuerst wieder als Hauslehrer, dann als öffentlicher Lehrer an der n"n Schule anzestellt wurde, nach einigen Jahren sich verehelichte und eine Privatschule errichtete, die sich schnell einer schönen Blüthe erfreute, da in derselben Hebräisch, Italienisch und Deutsch (während der napoleonischcn Okkupation Französisch) nebst anderen Realien, nach den besten Methoden und mit gutem Erfolge gelehrt wurden.— Dem Schulmannsberufe blieb R. treu bis an sein Lebensende, obschon er ihm, neben großer Anerkennung, auch zeitweilig eben so große unglaubliche Leiden zugezogcn hatte, die ich jedoch um so weniger weiter berühren will, da der Selige selbst oft mündlich, und auch in seinem mehrfach interessanten Testamente die aufrichtigste Verzeihung jeglicher ihm widerfahrenen Beleidigung ausgesprochen hat, und überhaupt gar nie zugeben wollte, daß ihm ein Böses widerfahren sei. Der Glauben, das Wissen, daß Alles, aber niemals Böses von Gott komme, machte ihm das Bitterste süß, das Schlimmste gut, machte ihn zufrieden, wo man seinen Unmuth, seine Erschütterung befürchten konnte, und er lächelte trostreich wenn er diese Besorgniß an Gattin und Kindern wahrnahm. Wie der Psalmist, dankte er Gott für die ihm „gewiß zu seinem Besten" auferlegten Leiden; während er andrerseits, gleich dem Stammvater Jakob, das kleinste Gute als zu große Gnade betrachtete. Ein ansehnlicher Theil der jetzigen israelitischen Generation Triest's bewahrt dem Seligen, als dem geliebten Lehrer, ein freundliches Andenken, und wohl noch ein größerer Theil verehrt ihn als Freund und Wohlthäter, der sich rastlos jeder Bedrängniß annahm, die in einer so großen Gemeinde unter allen Formen erscheint. Auch unzählige Durchreisende, oder zeitweilig ansässige Fremde, denen er zum voraus namentlich als „Vater der armen deutschen und polnischen Juden" bekannt war, mögen sich dankbar erinnern, wie sie bei ihm Zuflucht und Hülfsqucllen gefunden haben. Wenn je Einer, durfte der