Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 71 (14.6.1838)
- Date
- 1838-06-14
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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287 nurdurch 2000 Scudi jeder an das Spital bei der sixtinischen Brücke toskaufen können. Daß Shakespeare diesen Vorfall vor Augen gehabt, der kurz vorher geschehen, der sich an ein englisches National? Ereigniß anschließt, bei dem der größte Mann seines Jahrhunderts in Handlung tritt, daran wird wol Niemand zweifeln; wol aber erlaube ich mir daran sehr stark zu zweifeln, daß Shakespeare diese Verwechslung aus Bosheit und Judenhaß vorgenommen habe. Das wäre in der That eine schwere Sünde, den gottbegabten Dichter in eine Cathegorie mit der bellenden Meute jener Schweißhunde zu setzen. Nein, ihn hat ein viel höherer künstlerischer Zweck geleitet. Es bedarf keiner Ausführung, daß es aller dramatischen Wirkung verfehlt hatte, wenn der Vorfall, wie er geschehen, zur Vorstellung gekommen wäre.. Ein Christ hat freilich die Grausamkeit gehabt, möglich wird sie aber nur von einem Juden gehalten. Und wie mag es der bekannten Ironie unsres Dichters willkommen gewesen sein, seinem Audirorio durch diese Vorstellung zuzurufen: Seht, worüber ihr hier zusammenschaudert, was ihr nur von einem Juden für möglich haltet, das hat einChrist Lhun wollen. Und wie verschieden mögen die Betrachtungen der Zuschauer am Hofe Elisabeths von denen gewesen sein, die in unserer Zeit an einem der größten deutschen Höfe bei der meisterhaften Vorstellung dieses Stücks sich geäußert haben, wo von einer Loge zur andern gezischelt wurde: Wo ist denn der Baron? warum ist der Baron heute nicht im Theater? man meinte damit einen jüdischen Baron, der sich, wie man wissen wollte, bemüht hatte, das Stück vom Repertoir zu streichen. Dank sei dem Schicksal, daß ihm diese Bemühung nicht gelungen ist. Er wird leicht in der fruchtrekchm Mühe am Ri alto Entschädigung und Trost gefunden haben; wir andern aber wollen uns den herrlichen Kunstgenuß nicht schmälern lassen, und wenn sich uns eine ernstere Betrachtung aufdrängen sollte, so wollen wir uns sagen, daß es in allen Bekenntnissen Leute gibt, denen der Vorwurf des Propheten gilt: Mit ihren Lippen verehrt mich dieses Volk, ihr Herz ist nicht dabei. Pleß in Ober-Schlesiett, Ostern 1838. A. Muhr. M i s cel l e n. Die englischen Blätter vom 22. Mai erzählen, daß als eine Deputation von Geistlichen aus Schottland neulichst dem Herzoge von Sussex, diesem in der Geschichte der edelsten Freisinnigkeit unvergeßlichen Prinzen, ihre Aufwartung machte, der Herzog unter Anderm gesagt: „Meine Herren, ich bin jetzt beinahe 65 Jahre alt, wovon ich 35 in Unpäßlichkeit zugebracht habe. Dadurch, meine Herren, wird man nüchterner, dadurch ändert man sich in manchen Gedanken und' Ansichten früherer Tage. So ist es mir auch gegangene Ich pflege jetzt jeden Morgen vor dem Frühstück zwei Stunden für mich allein in derVibelzulesen,und ich kann Ihnen versichern, wenn man dieses Buch so liest, wie es gelesen werden muß, so wird man sich unfehlbar davon begeistert fühlen." Der Herzog besitzt in seiner Bibliothek nicht weniger als 15,000 Bibeln in verschiedenen Sprachen und Ausgaben, deren Gesammtwerth 40—50,000 Livres Sterling betragt. Der Herzog von Sussex ist bekanntlich einer der eifrigsten Beförderer der Emancipation der Juden in England. Das Journal des Debats vom 24. Mai enthalt einen lesenswerthen Aufsatz über „die Fastenprediger/'' von dem wir hier die Anfangsworte Herstellen wollen, da sie vielfach auch an Zustände in unsrer Mitte erinnern. „Seit mehren Jahren geht in der Geistlichkeit eine merkwürdige Bewegung -vor sich. Lange Zeit auf dem Glauben an die Dogmen schlummernd, scheinen die Priester jetzt, aufgeweckt durch die geräuschvollen Doctrinen, die im Schooße der Gesellschaft sich bewegen, wieder erobern zu wollen durch Talent, Studium und Predigt -den Einfluß, der ihnen entgangen ist. Sie haben Recht, und für einen solchen Versuch ist die Zeit gut gewählt. Der antireligiöse Eifer des letzten Jahrhunderts ist jetzt vollständig zum Frieden gebracht; man zweifelt noch, aber ist nicht mehr ungläubig, und unter den Männern, die denken, und deren Geist gern bei den Fundamentalfragen verweilt, die das menschliche Geschick regieren, ist Niemand in unsrer Zeit, der, eintretend in eine Kirche, nicht einen von jedem feindlichen Vorurtheil befreiten Geist, eine ruhige und unpartheiische Stimmung mit sich brächte." Literat« r. Kleine Bücherschau. (Fortsetzung.) 14) Beweis aller Beweise, daß die Juden nicht emancipirt zu werden-verdienen, und ohne den Untergang Europa's herbeizufüdren, nicht emancipirt werden können. Auen PetitionarrS gegen die Juden-Emancipativn und sonstigen Iudenhaffern gewidmet. Grimma, 1837. S. 60. kl. 8. Wir haben eine sehr vergnügte halbe Stunde bei Durchlesung dieses Büchleins verbracht, in der Lhat! ES ist sehr witzig