Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 26 (20.6.1853)
- Date
- 1853-06-20
- Page
- Seite 321 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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321 Preußen. Berlin, im Juni. Die Voss. Ztg. enthält wörtlich folgenden Artikel: „Der besonders durch feine pathologischen und anatomischen Arbeiten, so wie durch seine Vervollkommnung der Auskultationsmethode bekannte vr. Traube, der bisher an der hiesigen Charite in der Schönleinschen Klinik einer Abtheilung für Brustkranke Vorstand, ist neuerdings zum dirigirenden Arzt an dieser Anstalt befördert worden. Die Ernennung ist um deshalb besonders bedeutsam, als Herr vr. Traube Zude ist." — Ist es nicht betrübend, daß die Anstellung eines verdienten ArzteS d arum eine „bedeutsame" ist, weil derselbe Jude ist? oder soll eS nur ein avis au lecteur sein? Atakel an der Netze, im Juni. (Privatmitth.) Wenn ein Korrespondent in. diesen Blättern jüngst bemerkte, daß der religiöse Zwiespalt in unsrer Gemeinde, besonders feit der Wahl unserS würdigen Rabbiners Herrn Friedmann, der eben so durch seine Predigten wie durch seine Vorträge im Bet hamidrasch alle Zuhörer fesselt, nicht auszugleichen wäre, so beruht dies auf einem vollen Jrrthum. Die ganze Opposition beschränkt sich nunmehr auf ein kindisches Schmollen, das wenig oder gar keine Beachtung mehr verdient. In welch günstigem Lichte diese Wendung der Dinge in unsrer Gemeinde, von Seiten der höhern Behörde betrachtet wird, davon haben wir unS bei einer am 22. v. M. stattgehabten religiösen Feier genügend überzeugt. Im vorigen Jahre nämlich wurde unsere Synagoge ein Raub der Flammen und es sollte nun der Grundstein zum Bau einer neuen gelegt werden. Zu dieser Feier wurde auch der Präsident der königlichen Regierung zu Bromberg, Freiherr v. Schleinitz, geladen, der dieser Einladung bereitwilligst folgte. Als eine zarte Aufmerksamkeit von Seiten des Herrn Präsidenten gegen die sultate, die von der Ehrenhaftigkeit des kleinern Gewerbsstandes in Hamburg den augenscheinlichsten Beweis geben, müssen alle Zweifel an der Ausführbarkeit solcher Vvrschußkassen Niederschlagen, denen man gewöhnlich begegnet, als wie: das Geld wird bald abforbirt fein u. dgl. Diese Art Kaffen find ein Vorzug unsrer Zeit, und den alleinigen Almosen weit voi^uziehen, weshalb sie jenen früheren jüdischen Wohlthätigkeitserforderniffen überall angereiht zu werden verdienen. Redaktion. Gemeinde verdient erwähnt zn werden, daß derselbe, nachdem er den Elsenbahnzug, mit welchem er um 2 Uhr Nachmittags hier anlangen sollte, versäumt hatte, sofort vom Bahhof von Bromberg auS hierher telegraphiren ließ, daß er den Zug verspätet, jedoch mit seinem eigenen Gespann um 5 Uhr hier eintreffen würde, waS auch wirklich geschehen. Was nun die Feier selbst betrifft, so war sie in jeder Beziehung eine herzerhebende. Zunächst bestieg der Herr Rabbiner eine Estrade und hielt vor einer zahllosen Menge von Zuhörern aller Konfessionen unter denen der Präsident auS Bromberg, der Landrath aus Wirsitz, der Bürgermeister und die sämmtlichen städtischen Behörden, die Geistlichkeit deS Ortes, der Rittmeister der hier stationirten Garnison ff. sich befanden, eine kräftige Rede, in der er die Bedeutung dieser Feier entwickelte. Hierauf wurden zwei vom Rabbiner verfaßte in den Grundstein zu legende Urkunden, eine in hebräischer und die andere in deutscher Sprache, von den beiden Vorstehern, den Herren Heimann Lewin und Saling Meyer verlesen. Nach Verlesung derselben wurde der eigentliche Akt der Grundsteinlegung von dem Präsidenten und den übrigen Behörden, so wie von den Rabbinern und den genannten Vorstehern vollzogen. Der Rabbiner hielt hierauf die Schlußrede, in der er darauf hinwies, wie die Synagoge stets ein Mittel und Einigungspunkt jüdischen Lebens war und bezeichnete daher die eben begangene Handlung als eine ernste Mahnung zur Einigung und voller friedlicher Aussöhnung. Hieraus nahm der Präsident das Wort und legte die humanste und toleranteste Gesinnung an den Tag. Er legte Zeugniß ab, daß die hiesigen Juden stets zum KönigShause treu gehalten und daß unter der Führung des jetzigen würdigen „Rabbi" ihre Liebe zur Religion und ihre Treue zum Vaterlande noch erhöht wirb. Friedrich des Großen Wahlspruch: „In meinem Staate kann jeder nach seiner Facon selig werden" war der Grundsatz, von dem der hohe Redner ausging, und er versicherte, Preußens Regierung werde 'diese Lehre stets befolgen. Dem Präsidenten folgte der Landrath und der Herr Bürgermeister, die sich in gleichem Sinne aussprachen, worauf der Vorsteher, Herr Meyer, den anwesenden Behörden für ihre Theilnahme und Mitwirkung dankte und brachte dem Präsidenten ein drei-