Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 25 (13.6.1853)
- Date
- 1853-06-13
- Page
- Seite 310 (sequence 8)
- Language
- German
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310 gabte Redner ein prägnantes Bild von der Lehre Israels, von dessen Mission, von den Pflichten, die uns der Glaube als Menschen, Israeliten und Bürger auflegt, von denen die Erhaltung der überkommenen Lehre, besonders durch zweckmäßige Jugendbildung (min), die Beförderung eines erhebenden Gottesdienstes und die Erhaltung und Erweiterung der gemeinnützigen und wohlthätigen Anstalten in den Gemeinden Israels (s-'-rvn 'a) besonders hervorgehoben wurden. — Sodann Einweihungsgebet, Volkshymne, Minchagebet, Ps. 150. — Die Ordnung wurde ungeachtet der für eine Landstadt bedeutenden Volksmasse durch keinerlei Zwischenfall gestört, und sprachen sich auch die anwesenden hohen Beamten über daS Ganze sehr befriedigt auS. — Ein Fackelzug, bei dem die hochverdienten VorftandSglieder mit Ständchen bedacht, der verdienstvolle Bürgermeister, H. I. Steiner von einem der jungen Männer mit einigen beredten Dankesworten im Namen der Gemeinde beehrt wurde, schloß den schönen Tag, der nicht nur der Gemeinde Eibenschitz unvergeßlich bleiben wird, sondern auch aus die anwesenden Fremden einen tiefen und um so angenehmem Eindmck gemacht hat, als sie mit einer rühmenswerthen Zuvorkommenheit und Herzlichkeit ausgenommen und behandelt wurden. B. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Deutsch-jüdische Sprächwörter aus Hamburg. (Fortsetzung.) 4. Wie es sich christelt, so jubelt es sich. Hier möge uns zuerst England den Beleg liefern. Wenn ein Mann, wie Sir Robert Peel II. im Unterhause auf eine Weise von den Zuden redete, wie sie sonst nur hin und wieder in Deutschland vorkommt, warum soll dann ein Mann wie Herr M. H. B. in der neuen englischen jüdischen Zeitung ihe hebrew Observer nicht einen Ausfall gegen Holdheim und die Berliner Rcformgcnossenschaft liefem, der an Pöbelhaftigkeit und Sachunkunde jenen bei Weitem noch übertrifft? Wenn eben in England jeder vornehme Mann er officio für churcli and siate einsteht, wenn, je vomehmer er ist, er desto herkulischer jeden Sonntag 1, 2, ja 3 Predigten erträgt: toamm soll man dann im jüdischen bigblife auf Reisen sich nicht von einem Kammerdiener begleiten lassen, der mindestens die Gefiügelschlächterei versteht? Wenn es dort für sündlich gilt, am Sonntag Opernlieder zu fingen oder zu pfeifen, nach Fischen zu angeln, oder gar — wie in Schottland — zu kochen und zu braten: warum sollen die Juden dort dann schreiben oder nähen, bevor sie sich den umgeschüttelten Habdala-Wein dick in die Augen geschmiert haben? Wenn die Staatsbischöfe sich nicht anders als in Perrücken mit 2 rothbetreßken Lakaien hinterm Wagen zeigen : warum soll man dann nicht von einem Chiefrabbi vor Allem kirchlichen Despotismus und splendide Repräsentation verlangen? Wenn man dorr jahrelang um die Zulässigkeit der Juden;u Parlamentssitzen streitet: warum sollen die Juden nicht denen die Grabstätten versagen, die jährlich nur einen Pfingsttag begehen? Doch die Erempel zu dieser Einwirkung sieht man nicht blos in England. Nur in protestantischen Ländern konnte es den Juden einfallen, die langweiligen norddeutschen Choralmelodien in ihre Tempel einzuführen; nur in katholischen, die Gräber verstorbener Rabbiner und Baal-Schem's zu besuchen; nur da, wo man Scelmessen liest, konnte das, übriges wahrhaft bewundernswürdig eingenistcte Kaddischfagen aufkommen. Und so haben wir von jeher tausend Arten und Unarten, die bei allem Anschein von Orginalität doch nur von Außen hereingebracht find. Wenn uns auf einer stark besuchten Promenade der ganze Menschenstrom entgegen kommt, und fast Niemand mit unS in einerlei Richtung geht, so ergreift uns ein unbehagliches Gefühl. Eben so ward den Juden zu Muthe, als sie vor etwa 80 Jahren zuerst mehr um die Nachbarn sich bekümmern durften. Mit solcher Erpanfionskraft strebten sie aus ihrer Absonderung heraus, daß die jungen schwarzhaarigen Judenfrauen hier in Norddeutschland hellblonde Haartouren und Chignonperrücken trugen, wogegen die schwarzen Augenbrauen freilich gar verrätherisch kontrastirten. Es werden Wenige unter uns Erwachsenen sein, bei denen das Wort „jüdisch" nicht als pädagogischer Popanz gebraucht worden wäre, besonders was Sprache und Manieren betrifft. Was war nun natürlicher, als daß wir alles Nichjüdische als fein und edel betrachteten? kam man indcß dahinter, daß auch hier nicht Alles Gold war, was uns anglänzte, und in dieser Periode entstand auch unser Spruch, wie dies auch aus seiner Sprachform hervorgeht. Es war allerdings Grund zum Erstaunen, daß