Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 24 (6.6.1853)
- Date
- 1853-06-06
- Page
- Seite 299 (sequence 9)
- Language
- German
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299 reiben. Eine gewisse rothe Farbe ist ihm so zuwider, daß ein kleines Stückchen ihn in Angst und Zittern versetzt- DaS Weibchen dieser Spezies, Kezinette genannt, leider oft an nervösen Zufällen, so wie andrerseits sein Lachen oft unerträglich schallend ertönt. Es wird, doch nur in Abwesenheit des Männchens, sehr gerührt bei den Worten Humanität, Religion, Preßfreiheit u. s. w.; liebt sehr die Vorderplätze im Theater und in Konzerten. Beide, Männchen und Weibchen, haben eine besondere Neigung, mit Künstlern, besonders denen von der Gattung bistrio (Schauspieler), an einem Tische zu essen. Ob dies reiner Naturtrieb oder blos Folge des laute de mieux ist, darüber find die Gelehrten nicht einig. Ilcbrigens zeichnet fich die ganze Spezies durch eine konstante Neigung zum Spenden und Geben aus. Ihre Nahrung ist beiderlei, sowohl trefe als koscher, da der Bau ihres Magens sowohl als ihrer Zähne ihnen dies erlaubt, doch pflegen fie daS Trefe vorzuziehcn. Was nun das Sprüchwort betrissk, so hat der Urheber des ersten Stichos schwerlich viele musikalische Soireen mitgemacht, da er zu wähnen scheint, ein Ehasan müsse erst zum Singen aufgefordcrt werden, da vielmehr der umgekehrte Fall der häufigste ist. An der Klaue erkennt man den Löwen, und den wahren Sänger wird man nicht selten am Verstummen erkennen. Der zweite Stichos hat indessen schon mehr Grund; denn zum Klingen bedarf der Kozin, selbst außerhalb der klanglosen Papierrcgionen fast immer ganz besonderer Reizmittel. Und da wird denn das vorzüglichste sein, daß er fürchten muß, nicht als Kozin zu gelten, wenn er nicht „klingt". Mit dieser Anerkennung geht cs überhaupt sonderbar. Daß die gens Dalfonica ihr Vergnügen darin findet, auf den Kozin und noch mehr auf die Kozinettc zu raifonnircn, wird Jeder, der das Innere des Zenu8 liomo kennt, natürlich und verzeihlich finden. Man sucht fich so seinen kleinen Ersatz. Es wird aber nicht zum zehnten Theil so viel gelästert von dem Kozin, der „die Sonne von sich scheinen läßt," und zwar wirkt hier bloße Mildihärigkcit bei Weitem nicht so gut als wohlangebrachter Lurus. Der enrazirteste Gleichmacher lobt cs, wenn er schöne Bauten, schöne Pferde, Gartenanlagen u. s. w. sieht, denn daß doch am Ende Jemand da sein müsse, der dergleichen bezahlen kann, und daß die Ananas hier zu Lande loch nicht für Jeden wachsen können, das kann er fich doch nicht verhehlen. Unser Sprüchwort hat aber noch einen andern tiefern Sinn. Es giebt nämlich unglaublich viele Menschen, die dick thun, nicht auf ihr eigenes Geld, denn fie haben keines, sonder auf das Geld ihres Nachbarn, ihres Prinzipals, ihres Vettervetrcrs, ja auf das Geld in der Bank von London oder Paris. Weit mehr als von wirklichen Reichen erinnere ich mich in den Jahren 1848/49 die Phrasen „Kartätschen unter die Kanaille", „es helfen nur Soldaten", „fie wollen nur rauben und plündern", „das ist auch so Einer", und mehr von Leuten dieser Art gehört zu haben. In ruhigen Zeiten abep find sie es, und noch mehr ihre Frauen, die durch ihre Prätcnsionen das gesellige Leben, und bei den Juden zumeist, vcrstänkcrn und verdumpfen. Da muß denn der Nachdruck auf das Wörtlein „Du" gelegt werden. „Bist du ein Kozin, so mußt Du klingen, dann können wir Anderen noch eine Art Respekt vor Dir empfinden, weil wir uns bewußt sind, auch dahin zu streben: klimperst Du aber blos mit dem Gelle andrer Leute, so packe Dich fort. Nun noch eine Bemerkung für die lieben Juden. Vergesset nicht und bedenket wohl, daß das Klingen und Singen bis hierher noch die besten Rapportmittel sind, um euch aus eurer Isolirtheit zu erlösen. Ich meine den Geldvcrkchr und die Musik, lieber den ersten ist blos zu bedauern, daß er fast nur zwischen Männern abgemacht wird, sonst wäre die Sache schon viel weiter gediehen. Was aber die Musik anbelangt: haben Sie einen schöner» Tenor, mein lieber Herr Isidor, und singen Sie die Polakka aus den „Puritanern", liebes Fräulein Pharamunde, und bedarf man Ihres Tiefbasscs, lieber Herr Löwcnwasscrfall, und Ihres Schellospiels, lieber Herr Cohnkomet*) — so hilft Alles nichts, Sic müssen cingcladcn werden, und hieß der Wirrh, mit aller Humanität zu reden, Pilsach-Pernicc-Senffr, und hätten Sie *) Mit den obigen kühnen Namcnskompofirionen hoffe ich Bielen einen Dienst zu leisten. Es hat mich immer gewundert, daß bei den bekanntlich so äußerst geschmackvollen Namen, die manche jüdische Familien angenommen haben, die Worte Löwe oder Cohn nur auf Dorf, Thal, Berg, Heim, Stadt, Garten ff. variirt find, und sowohl das Gebiet Neptuns als der Sternenhimmel noch so wenig benutzt ist. Es ist z. B. kein kleiner pädagogischer Dortbeil, daß man an jütischen Namen die ganze deutsche Geographie studiren kann : aber warum haben wir nicht auch Löwenteich, Löwenquell, Löwenfluß, Löwenstrom, Löwenmecr, Löwenkanal, Lvwenwirbel, Lvwengolf, Löwenbay, Löwenozcan ff., und wiederum Cohnplanet, Cohnfirstcrn, Cohnthierkreis, Cohnsteinbock, Cohnkrebs, Cohnpol, Cohnmilchstraß, Cohnmond u. s. w.? 24*