Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 24 (6.6.1853)
- Date
- 1853-06-06
- Page
- Seite 295 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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295 günstige Beurtheilung gefunden hat, wobei der Stoff als gewiffenhafr gewählt und dem Zwecke entsprechend bearbeitet, erklärt worden ist. Das Werk „Biblisch-talmudsche Medizin", so wie auch das letztgenannte Schulbuch ist in Leipzig zu haben bei C. L. Fritz sche. Amerika. Kalifornien. Die jüngst in Sakraments eingeweihle Synagoge ist daselbst eine Beute der Flammen geworden; doch gehl man bereits daran, das Gebäude zu ersetzen. In FranziSco sind zwei Gemeinden, eine polnische und deutsche, deren Synagoge zwar an den Sabbaten nicht voll sind, an den Festtagen aber nicht hinreichen, um die Menge zu fassen. Man denkt daran, diesen Uebelständen abzuhelsen.— Zn Stokton hat sich eben eine neue Gemeinde gebildet. (Occid.) Asien. Smyrna. Nach der „Times" versuchten die Griechen am 1. Mai in Smyrna einen Aufstand wider die Juden zu erregen, unter dem Vorwände, ein Jude habe ein Griechenkind an der Hand geführt, um es zu opfern!!! Der neue türkische Gouverneur hielt die versammelte Menge der Christen mir Energie im Zaum. Da noch mehrere Versuche gegen die Juden vorfielen, so ließ der Gouverneur einigen Anstiftern die Bastonade geben — und damit war eS zu Ende. Seit langer Zeit mochte ein trauriges Ereigniß keine so allgemeine Theilnahme am hiesigen Orte erregt haben, wie der den 17. Mai erfolgte Tod des hier allgemein hochgeachteten Predigers der' israelischen Brüdergemeinde, Dr. Moritz Goldstein. Wenn jemals die schönsten Anlagen deS Geistes vereint gewesen mit denen des reinsten Herzens und GemüthS, so waren sie hier, in diesem Manne, und darum war auch die so ängstliche Besorgniß und Bangigkeit, die aus allen Gesichtern in den Tagen, da sein Leben in Gefahr schwebte, zu lesen war, eine überall wahre und tief empfundene, darum auch hat sein wirkliches Dahinscheiden in allen Kreisen eine so aufrichtige Trauer, ja eine so tiefe Erschütterung hervorgerufen. vr. Moritz Goldstein wurde den 1. Mai 1822 von armen aber redlichen und achtbaren Eltern geboren. Schon als Knabe zeigte er deutliche Spuren des Talents, das sich später so schön entwickelte, und faßte mit schnellem Blicke Alles, was seinem Geiste dargeboten ward. Dieser Umstand veranlaßt auch seinen frommen Vater, ihn, als er kaum das 13. Jahr erreicht halte, selbst nach Ungarn zu führen, wo er unter der Leitung und Obhut eines ältern BruderS dem Talmudstudinm obliegen sollte. Nach mehreren Jahren der herbsten Entbehrungen und Leiben kehrte er zwar kennmißreich, hingegen schwächlich und fast erschöpft, in daS väterliche Haus zurück. Seine erlangten Kenntnisse konnten den besorgten Eltern kaum einen Ersatz bieten für die bei Erwerbung derselben durch zu großen Fleiß und namentlich durch Mangel und Noch eingebüßte Körperkrafr deS sonst so lebensfrohen und gesunden SohneS; und ist eS selbst wahrscheinlich, daß der Selige eben damals schon den Keim gelegt zu einem Brustübel, daS nicht lange darauf in gefahrdrohender Weise ausgebrochen war, und daS seitdem ihn niemals ganz verlassen hatte. Später suchte er zunächst in Brieg, dann in Breslau mit ernstem und regem Eifer für seine fernere Ausbildung, zumal in den profanen Wissenschaften, Sorge zu tragen. Auch hier ging er leider nicht auf Rosen; Noth und Armuth waren auch hier seine treuesten Begleiter; aber durch die seltenste Anspruchslosigkeit und Resignation, durch die männlichste Kraftentwickelung und Ausdauer, durch die theilnahmsvolle Anregung und Ermunterung endlich seiner Freunde und Lehrer, besonders deS gegenwärtigen Rabbiners zu Stettin, Herrn Dr. Meisel, wurden trotz seiner Kränklichkeit und der so manches Talent in der besten Entwickelung hemmenden und erstickenden Armuth seine Bemühungen mir dem schönsten Erfolge gekrönt. In verhältnißmäßig kurzer Zeit war er so weit, daS Gymnasium nach zweijährigem Besuch der Prima mit der Universität zu vertauschen. Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit blieben auch jetzt der vielseitigen Anerkennung ungeachtet, die ihm von allen Seiten und selbst von namhaften Gelehrten gezollt wurde, der Grundzug seines liebenswürdigen Charakters. Von unbestreitbar bedeutendem' Einfluß auf seinen