Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 24 (6.6.1853)
- Date
- 1853-06-06
- Page
- Seite 293 (sequence 3)
- Language
- German
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293 daß die Bundesversammlung seinen Maaßnahmen nicht entgegen sei. Aus Baden, 31. Mai. (Privatmitth.) Ich habe mich seit längerer Zeit von der Korrespondenz in dem öffentlichen Organe des Judenrhums zurückgezogen, weil ich glaubte, daß dies Geschäft endlich von jüngeren Kräften übernommen werden sollte; allein es scheint, daß die älteren Arbeiter noch nicht entbehrlich sind, wovon wohl die Schuld zum Theil auf die verkehrte asketische Richtung fällt, die wieder zur Mode geworden, und welcher sich die jüngeren Theologen in einem dolce l'ar niente so willig hingeden. Eben daher kommt eS wohl auch, daß wichtige Ereignisse auf dem israelitischen kirchlichen Gebiete wirklich sehr selten sind, allein einiges MitlheilenSwerthe giedt es doch zuweilen. — Nach einer ältern Verordnung deS großherzoglichen Oberrathes sind unter Anderm auch mancherlei Funktionen der Vorsänger abgestellt, z.B. die SegenSsprüche (“pnss •>») von Seiten der zur Tora Aufgerufenen; das Absingen besonderer Strophen bei Familienereignissen ("p-w'v» — vrp inst — cnxsn DTirra u. dgl.) so auch das zur Belustigung bei Hochzeits- und Beschneidungs-Mahlzeiten üblich gewesene Singen gottesdienstlicher Stücke u. s. w. — Hieraus erwuchs aber für die Vorsänger ein nicht unbeträchtlicher materieller Nachtheil, und nicht überall kam man von selbst auf den Gedanken, sie anderweitig dafür zu entschädigen, was namentlich nach dem neuern UsuS, daß die Lehrer auch Vorsänger sind, sich um so empfindlicher fühlbar machte, da ein Lehrer selten in der Lage ist, sich noch in andrer Weise einen Erwerb zu verschaffen, während daS Lehrereinkommen allein zur Eristenz nicht hinreicht. — Diesem Uebelstande ist in neuester Zeit durch einen Erlaß abgeholfen worden, durch welchen vorgeschrieben worden: „Die Bezirkssynagoge wird beauftragt, in allen Gemeinden deS dortigen Bezirks, wo beide Dienste mit einander verbunden sind, dahin zu wirken, daß dem Religionsschullehrer für Versetzung deS Vorsängerdienstes eine nach Verhältniß der Seelenzahl und des VrrmögenSstandes der betreffenden Gemeinde angemessene jährliche Vergütung aus der israelitischen Gemeindekasse bewilligt werde." Die Fürsorge für die Schule und deren Lehrer erfreut sich überhaupt der ununterbrochenen Thätigkeit unsrer weisen Regierung, und da stehen die israelitischen Schulen und Lehrer in keiner Weise zurück, wie aus dem seiner Zeit in diesem Blaue angezeigten Werkchen deS fei. Oberraths Epstein: „die Rechlsverhältnisse der öffentlichen israelitischen Schulen im Großherzogthum Baden. (Karlsruhe, bei A. Bielefeld, 1843) zur Genüge hervorgeht. Auch die neueste Zeit har hieran Nichts geändert, und nach einem so eben erschienenen Erlasse deS großherzogl. Oberralhes, vom 6. d. M. Nr. 3l4, wirb bei der Aufstellung einer Statistik der innern Verwaltung des GroßherzogthumS auch daS israelitische Schulwesen seinen angemessenen Platz einnehmen. Der großherzogl. Oberrath hat zu diesem Behufe an die Bezirkssynagogen Impressen versandt, worin folgende Rubriken auSgefüllt werden sollen: Zahl der israelitischen Einwohner deS Schulortes; Zahl der Schulen nach ihrer Besoldungsklasse; Zahl der Schulkinder; jährlicher Betrag des Schulgeldes; Zahl der Haupt- und Unlerlehrer; jährliches Einkommen der einzelnen Lehrer; Deckungsmittel zur Zahlung der Lehrcrgehalte. — Jede dieser Rubriken hat noch ihre Unterabtheilungen. Genugsam geht aber hieraus hervor, daß die Zustände deS Judenthums in Baben fortwährend eine günstige Vergleichung mit denen andrer Länder barbieren, was zum innigsten Danke gegen unsre weise Regierung und gegen unfern gerechten Regenten verpflichtet. Ich schließe nun mir der Absicht, so bald eS Anlaß giebt, Ihnen auch über den engern Kreis deS Synagogenwesens zu berichten, was aber wahrscheinlich vor der Wiederbesetzung des noch immer vakanten Postens deS sel. Epsteins abhangen wird. Einstweilen theile ich ein spezielles Halbfaktum mir: die Mannheimer israelitische Gemeinde baut eine neue prachtvolle Synagoge und will eine Orgel darin ausnehmen. Es ist aber noch zweifelhaft, ob dies nicht auf unbesiegbare Hindernisse stoßen wird, und es wäre zu wünschen, daß die umständlichere Berichterstattung über diesen Gegenstand von einem Eingeweihten Mannheimer Korrespondenten übernommen würde, da die öffentliche Durchbrechung der Sache nicht ohne Einfluß auf deren AuSlrag bleiben würde. Preußen. Posen, 22. Mai. Die V. Z. enthält eine Mittheilung über eine in Posen neu zu gründende stätti-